Ausblick 2017/2018[1]

Flandern und die Niederlande haben ihr Netzwerk bei deutschen Verlagen um ungefähr 30 % erweitern können. Es wurden viele neue Kontakte mit Verlagen und Literaturfestivals geknüpft, die auch in Zukunft aktiv gepflegt werden sollen. Der Gastlandauftritt hat auch Türen zu Buchmärkten anderer Sprachgebiete geöffnet (das angelsächsische, skandinavische, französische und arabische Sprachgebiet).[2] Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 waren Flandern und die Niederlande erneut mit einem gemeinsamen Stand vertreten. Beide haben sich bereits 2014 bei der Bewerbung für den Gastlandauftritt für ein Langzeitprojekt entschieden. Auch 2018 treten niederländische und flämische Autoren bei verschiedenen Literaturfestivals (u. a. in Leipzig, München und Hamburg) gemeinsam auf. Ähnliche Tourneen sind auch für 2019 geplant. Bei all den positiven Entwicklungen darf man eines jedoch nicht vergessen: Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Buchmesse der Welt und damit ist auch das literarische Angebot, mit dem die Messebesucher konfrontiert werden, sehr groß. Es ist also trotz der Anstrengungen des Projektteams davon auszugehen, dass viele Besucher bereits nicht mehr wissen, wer im vergangenen Jahr Ehrengast war. In dem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass bei der Frankfurter Buchmesse 2017 auffallend wenig niederländische und flämische Autoren anwesend waren.[3] Ein weiterer kritischer Punkt hinsichtlich des Erfolgs des Gastlandauftritts ist die Tatsache, dass von jedem Autor nur eine begrenzte Anzahl an Übersetzungen von den Literaturfonds subventioniert wird. Grundsätzlich fördern die beiden Literaturfonds maximal drei Titel, davon die ersten beiden mit rund 70 % und den dritten Titel mit rund 50 % (bei Poesie, Graphic Novels und literarischen Klassikern werden die ersten beiden Titel mit 100 % und der dritte mit rund 70 % gefördert). Es gibt natürlich Autoren, von denen zahlreiche Werke ins Deutsche übersetzt worden sind und auch weiterhin übersetzt werden, da die Nachfrage besteht. Doch bleibt abzuwarten, wer von den im Jahr 2016 neu vorgestellten Autoren es schaffen wird, dass seine Bücher auch langfristig ins Deutsche übersetzt werden.

Bart Moeyaert endet sein Grußwort im Eindverslag folgendermaßen: „In diesem Bericht setze ich bewusst keinen Schlusspunkt. Dieser Punkt folgt nicht, ebenso wie er 1993 auch nicht gesetzt wurde. Die ganze Idee des Gastlandes Flandern und die Niederlande verhält sich ebenso wie das Meer: es bleibt in Bewegung.“[4] In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie stark der Rückenwind des Gastlandauftritts – vor allem für die neue Autorengeneration – sein wird.


[1] aus: Jahrbuch des Zentrums für Niederland-Studien 2016/17 (Schriften aus dem Haus der Niederlande, Band 3).
[2]  Vgl. K. Van Bockstal, Schriftliches Interview, 4. Juli 2017.
[3] Vgl. Ons Erfdeel, Vlaams-Nederlands gastlandschap van 2016 galmde na op Frankfurter Buchmesse 2017, Blogbeitrag vom 18.10.2017.
[4] Nederlands Letterenfonds/Vlaams Fonds voor de Letteren (2017), S. 103 (Übersetzung durch die Verfasserin).

Autorin: Kathrin Lange
Erstellt: 2017