Staubekämpfung in den Niederlanden


VIII. Aktuelle Verkehrsprojekte

Infrastrukturministerin Melanie Schultz van Haegen
Infrastrukturministerin Melanie Schultz van Haegen, Quelle: RVD/Wikimedia Commons

Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren durch einen stetigen Ausbau des Straßennetzes die wichtigsten Staustellen beheben können. „Investieren hilft“, sagte Ministerin Melanie Schultz van Haegen in ihrer Ansprache zur 75-Jahr-Feier der ältesten niederländischen Autobahn: die A12.[1] Die Verkehrsministerin machte unmissverständlich klar, dass auch in Zukunft weiter investiert werde müsse – vor allem die wirtschaftlichen Zentren und die wichtigsten Hinterland-Verbindungen werden dabei Priorität genießen: „In der Randstand müssen zwei mal vier Fahrbahnen der Standard werden. Und darüber hinaus auf den Hauptverbindungen zwei mal drei.“[2]

Die wichtigsten Neubauprojekte für die kommenden Jahre werden im so genannten „MIRT-Projectenboek“ festgehalten.[3] Das 323 Seiten starke Dokument bietet einen guten Überblick über die wichtigsten Straßenbauvorhaben bis 2028 und die jüngst abgeschlossenen Projekte wie die Waalbrücke bei Ewijk, der zweite Coen-Tunnel und den sich daran anschließenden Westlijke Randweg bei Amsterdam. Das auf mehrere Jahre angelegte MIRT-Procetenboek wird gemeinsam mit dem Verkehrshaushalt besprochen und jährlich vom Parlament beschlossen. Für das Jahr 2014 muss zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine Sparrunde für den Ausbau der Infrastruktur eingelegt werden. So werden in den Jahren 2014 bis 2028 insgesamt 6,4 Milliarden Euro eingespart, davon 51 Prozent im Straßenbau, 33 Prozent im Gleisbau und 7 Prozent beim Schiffsverkehr. Auch der für die Niederlande so wichtige Hochwasserschutz muss kürzer treten. Der so genannte „Deltafonds“ wird um 605 Millionen Euro bis 2028 gekürzt.[4]

Um die angedachten Straßenbauprojekte verwirklichen zu können, konzentriert sich das Ministerium auf die wichtigsten Vorhaben, die der Volkswirtschaft den meisten Profit einbringen. Jede neue Straße wird einer scharfen Kosten-Nutzen-Analyse unterworfen: „Die Budgets für Investitionen, Subventionen und Verwaltung werden kleiner. Das gilt nicht nur für die politischen Ambitionen, sondern auch für die Ausführungs- und Kontrollaufgaben des Ministeriums. Mehr als je zuvor bedeutet dies, dass die finanziellen Mittel dort eingesetzt werden müssen, wo sie den größten Ertrag erzielen. Dies bedeutet, dass die Prioritäten deutlich formuliert werden müssen, dass wir intelligente Lösungen benötigen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und Unternehmen“, heißt es in der „Beleidsagenda“ des Verkehrshaushaltes 2014.[5]

Wichtige Investitionsprojekte

Priorität hat für das Ministerium vor allem das Wegenetz in der Randstand, also zwischen den Großstädten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht. So verwundert es nicht, dass das MIRT-Projectenboek die meisten Straßenbauprojekte in den Provinzen Nord- und Süd-Holland ausweist, denn hier werden auch in Zukunft die meisten Verkehrsprobleme erwartet. Ganz oben auf der Projektliste stehen daher die so genannte Blankenburgverbindung zwischen der A15 und A20 bei Rotterdam, der Ausbau des Utrechter Rings (A27), die Verbindung zwischen A13 und A16 in Rotterdam und die Fortführung der A15 bei Nimwegen.[6] „Der größte Teil der Investitionsvorhaben werden fortgeführt, allerdings wird sich der Realisierungszeitraum verlängern“, so das Ministerium.[7]

Die wichtigsten Staustellen sind bekannt. Vor allem nördlich von Amsterdam, auf der A1 und der A6 zwischen Almere und Lelystad wird es auch in Zukunft Probleme geben. So wurde zwar der zweite Coen-Tunnel im Sommer 2013 eröffnet , aber eine Kapazitätserweiterung hat es für diese so wichtige Verkehrsverbindung im Norden Amsterdams nicht gegeben, da der alte Coen-Tunnel auch modernisiert werden muss und für mehrere Monate dem Verkehr nicht zur Verfügung stehen wird.

In Almere sollen mittelfristig weitere 60.000 Wohneinheiten gebaut werden. Der zusätzliche Wohn-Arbeits-Verkehr muss von den Ringstraßen Amsterdams aufgenommen werden. Das MIRT-Projectenboek schlägt daher auch eine IJmeerverbindung zwischen Almere und der Neubausiedlung IJmeer bei Amsterdam vor.[8]

Container von Rotterdamer Hafen werden über die niederländischen Autobahnen ins Hinterland verfrachtet
Container von Rotterdamer Hafen werden über die niederländischen Autobahnen ins Hinterland verfrachtet, Quelle: Rijkswaterstaat/Frans Marks

In der Provinz Südholland genießt vor allem der Rotterdamer Hafen hohe Priorität. Der wichtigste Containerhafen Europas muss als Anlaufstelle für zahlreiche Speditionen gut zu erreichen sein. Das Ministerium konzentriert sich daher in dieser Region auf den Ausbau der so genannten Rijnlandroute zwischen Katwijk und Leiden, die A20 von Nieuwerkerk nach Gouwe, die A4 bei Den Haag und eine neue Verbindung zwischen der A13 und der A16.

Als eines der wichtigsten Wirtschaftszentren hat sich in den vergangenen Jahren die Provinz Noord-Brabant entwickelt. Durch die günstige Anbindung an die Randstand sowie die Verbindung nach Belgien und Deutschland ist die Region zwischen Tilburg, Eindhoven und Venlo für die Logistikbranche sehr interessant geworden. Als eines der wichtigsten Ausbauvorhaben wird die A58 zwischen Tilburg und Eindhoven genannt. Das Ministerium plant hier eine Investition in Höhe von 317 Millionen Euro.[9]

Eines der größeren Projekte ist auch der achtspurige Ausbau der A27 zwischen Breda und Utrecht. Hier laufen zurzeit die Vorplanungen, die bis 2017 abgeschlossen sein sollen. Das Ministerium möchte 721 Millionen Euro dafür aufwenden, gut 30 Millionen Euro sollen über eine Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft finanziert werden.

Ähnlich wie die Provinz Noord-Brabant besitzt auch das Gelderland eine wichtige Hinterlandfunktion für den Rotterdamer Hafen. Die Zentren Apeldoorn, Nimwegen und Arnheim sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und damit auch deren Verkehrsprobleme. In der Provinz Gelderland gibt es mit der A1, der A12 sowie der A15 drei große internationale West-Ost-Verbindungen. Vor allem die A15 und die A12 sind die Hauptverbindungen für den internationalen Fernverkehr nach Mittel- und Osteuropa. So ist für die A15 eine neue Verbindungsstrecke zwischen Bemmel und Zevenaar geplant. Ein sensibles Projekt, welches vor allem durch die Kulturlandschaft der Betuwe führen würde. Für Entlastung soll auch ein Ausbau der A1 zwischen Apeldoorn und Deventer sorgen. Es ist vorgesehen, die Autobahn achtspurig auszubauen.[10]


[1] Melanie Schultz van Haegen: Rede „75 jaar snelweg“ vom 17. April 2012, Onlineversion.
[2] Ebd.
[3] MinIenM: MIRT Projectenboek 2014. Den Haag 2013, Onlineversion.
[4] Ebd.: S. 16.
[5] Rijksbegroting: TK 2013-2014, 33750 XII, Nr. 1, S. 8, Onlineversion.
[6] Rijksbegroting: TK 2013-2014, 33750 XII, Nr. 2, S. 11, Onlineversion.
[7] Ebd.: S. 11.
[8] MinIenM: MIRT Projectenboek 2014. Den Haag 2013, S. 92, Onlineversion.
[9] Ebd.: S. 198.
[10] Ebd.: S. 238.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Februar 2014


Links

Wichtige Links im Bereich Umwelt finden Sie unter Institutionen

Beratungsinstitut innerhalb des VenW, das Untersuchungen zur Infrastruktur in NL durchführt Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM)

Nld. Verkehrsministerium Ministerie van Infrastructuur en Milieu

Dossier über Staubekämpfung des nld. Verkehrsministerium Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW)

Dossier über die kilometerbezogenen Gebühren des nld. Verkehrsministerium Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW)

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

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