Energie – Kooperationen und Konflikte


VII. Erdölspeicher Gronau-Epe

Oelwasser

Angst vor ölverseuchter Natur haben die Bewohnerinnen und Bewohner in der Region Gronau/Enschede auf beiden Seiten der Grenze, Quelle: Martin Abegglen/cc-by-sa

Ebenfalls um Speicherstätten nahe der deutsch-niederländischen Grenze dreht es sich bei der folgenden energiepolitisch begründeten Umweltkatastrophe im deutsch-niederländischen Grenzgebiet: Anfang Mai 2014 trat nahe der münsterländischen Stadt Gronau mit Öl vermischtes Wasser zutage. Nicht nur auf deutscher, sondern auch auf niederländischer Seite der Grenze führte dies zu einer Diskussion um Erdölspeicherung in Salzstöcken (NiederlandeNet berichtete), denn das Öl stammte aus der Erdölspeicheranlage Gronau-Epe.

Nationale Energiereserven

In Gronau-Epe wird in Kavernen genannten Hohlräumen, die durch den unterirdischen Abbau von Salz entstanden sind, seit der Ölkrise 1974  Öl und Gas eingelagert. Dabei handelt es sich um einen Teil der sogenannten nationalen Energiereserve der Bundesrepublik Deutschland. Eigentümer der unterirdischen Ölkavernen ist die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW). Betreiberfirmen sind unter anderem Essent, Nuon, Ruhrgas en RWE.[1] Das Öl, das in Epe gelagert wird, liefert der Mineralölkonzern BP.

In der Speicheranlage Gronau-Epe werden laut Bezirksregierung Arnsberg zurzeit in drei Kavernen insgesamt 1,4 Millonen Kubikmeter Rohöl in einer Tiefe von 1.100 bis 1.500 m eingelagert. „Fünf Ölkavernen sind vorhanden, drei davon werden genutzt – jeweils gefüllt mit rund 450.000 Kubikmetern Rohöl. Zudem werden in Epe 74 Kavernen zur Gasspeicherung genutzt.“[2]

Hier eine kurze Chronologie der Ereignisse:

12. April 2014 Auf einer Weide im Eper Amtsvenn wird zutage getretenes Öl gefunden. Die Salzgewinnungsgesellschaft (SGW) setzt Ölsperren ein. Rund drei Kubikmeter Öl-Wasser-Erdgemisch werden abgesaugt. Boden- und Wasseruntersuchungen, Bodenabtrag auf der Weide und Sondierungsbohrungen werden eingeleitet. Kühe, die von dem Öl-Wasser-Gemisch getrunken haben, werden notgeschlachtet.

15. April 2014 Weiterer Ölfund in einem Waldgebiet.

17. April 2014 Eine weitere Fundstelle, Ursache weiter unklar.

23. April 2014 Die Kavernen und ihre Zuleitungen können als Ursache ausgeschlossen werden.

24. April 2014 Im Grundwasser wird Öl nachgewiesen. „Auf die öffentliche Trinkwasserversorgung soll die Verunreinigung keinen Einfluss haben. Einige Brunnen in der unmittelbaren Nähe der Fundorte sind allerdings bedroht. Die Behörden entnehmen auch dort Wasserproben, um eine Gefährdung für Mensch und Tier auszuschließen“, so die Lokalzeitung Westfälische Nachrichten.

25. April 2014 NRW-Umweltminister Johannes Remmel informiert sich vor Ort über den Schaden.  

28. April 2014 Die Menge des austretenden Öls geht zurück, doch die Ursache bleibt weiter unklar.

30. April 2014 Die niederländischen Gemeinden Hengelo und Enschede wollen, dass die Pläne, bei Enschede unterirdisch Erdöl zu lagern, ausgesetzt werden, bis klar ist, wie es zum Ölleck in Deutschland kommen konnte. Dies fordern sie in einem Brief an Wirtschaftsminister Henk Kamp.

01. Mai 2014 „37.000 Liter Öl sind abgepumpt, 1.000 Kubikmeter verseuchtes Erdreich abgebaggert. Experten rechnen mit einem Schaden im mindestens zweistelligen Millionen-Bereich“, so eine erste Bilanz des Westdeutschen Rundfunks.

02. Mai 2014 NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin besucht Gronau-Epe, um sich über die Suche nach dem Ölleck zu informieren.

06. Mai 2014 Besorgte Bürger der niederländischen Region Twente initiieren eine Online-Petition gegen die geplante Speicherung von Erdöl bei Enschede: „Mit Grausen haben wir die Ölkatastrophe im Amtsvenn kurz hinter der deutschen Grenze zur Kenntnis genommen. Dieses Ereignis zeigt uns, dass die Lagerung gefährlicher Stoffe in Salzkavernen zu irreperablen Schäden an der Natur und der Bewohner der Region führen kann.“

28. Mai 2014 Endlich wird das Ölleck gefunden. Ein sogenannter Dichtigkeitsdrucktest an der Rohrleitung der Kaverne S5 zeigt, „dass im Abschnitt von 200,3 bis 311,1 Metern eine Undichtigkeit vorliegt“, so die Bezirksregierung Arnsberg.

18. Juni 2014 Wenn es sich als unsicher erweist, Erdöl in Salzkavernen zu speichern, dann wird die entsprechende Genehmigung für Twente zurückgenommen werden, meldet der niederländische Sender RTV Oost. „Parteien wie der CDA und GroenLinks machen sich große Sorgen wegen der geplanten Lagerung von Erdöl in fünf leeren Salzkavernen unter dem Industriegebiet De Marssteden in Enschede. Grund hierfür ist das Ölleck in einer Salzkaverne im deutschen Amtsvenn.“

06. Juli 2014 Lagebericht der Bezirksregierung Arnsberg vom 30. Juni bis 06. Juli 2014:

  • Abgesaugte Wasser-Öl-Gemische: insgesamt 4.405 Kubikmeter. Der Ölanteil beträgt laut Angaben des Entsorgers 19 Kubikmeter (0,4 %).
  • Ölfundstelle 1: Die in der ausgebauten Kernbohrung 2 anfallenden Öl-Wasser-Gemische werden weiterhin nach Bedarf abgesaugt.
  • Ölfundbereich 2: Waldteich: Der ölhaltige Schlamm aus dem Teichgrund wird für die Entsorgung entwässert. In den freigelegten Bereichen wurden keine merklichen zusätzlichen Ölaustritte beobachtet.
  • Ölfundbereich 3: Der freigelegte Unterboden wird auf lokale Ölaustrittstellen untersucht. In einem Drainageschacht wird bei Bedarf Öl abgesaugt.

Seit Juli 2014 publizierte die Bezirksregierung monatlich einen weiteren Lagebericht. Der letzte Bericht bezieht sich auf den Zeitraum vom 23.05.2015 – 03.06.2015. Demzufolge gelten die Kavernen mittlerweile wieder als sicher. Die Anlage wird aber weiterhin ständig überwacht. Trotzdem sind weiterhin – wenn auch in geringem Maße – Ölrückstände messbar. Insgesamt mussten über 36 Tonnen verunreinigter Boden abgebaggert sowie über 22.000 m3 an Öl-Wasser-Gemisch abgesaugt und entsorgt werden, bevor die Arbeiten im Januar 2017 abgeschlossen werden konnten. [3]


[1] Onderzoek naar olielek bij ondergrondse opslag in Gronau, in: Tubantia vom 17. April 2014, Onlineartikel (Stand: 09.07.2014).
[2] Bezirksregierung Arnsberg: Ölschaden in Gronau-Epe, Link (Stand: 09.07.2014).
[3] Bezirksregierung Arnsberg: Ölschaden in Gonau-Epe (Stand: 22.01.2018), Infopage: https://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/o/oelschaden_gronau/index.php

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: Juli 2014
Aktualisiert: 2018, Katrin Uhlenbruck


Links

Wichtige Links im Bereich Umwelt finden Sie unter Institutionen

Sonderseite zum Ölschaden in Gronau-Epe Bezirksregierung Arnsberg

Die Stadt Gronau verweist auf die Bezirksregierung Ölaustritt im Eper Amtsvenn

Dossier "Öl-Katastrophe Gronau" der Westfälischen Nachrichten

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie


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