VI. Aktuelle Straßenbauprojekte

Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren durch einen stetigen Ausbau des Straßennetzes viele Staustellen beheben können. „Investieren hilft“, sagte die damals zuständige Ministerin Melanie Schultz van Haegen in ihrer Ansprache zur 75-Jahr-Feier der ältesten niederländischen Autobahn: die A12.[1] Die Verkehrsministerin machte unmissverständlich klar, dass auch in Zukunft weiter investiert werde müsse – vor allem die wirtschaftlichen Zentren und die wichtigsten Hinterland-Verbindungen werden dabei Priorität genießen: „In der Randstand müssen zwei mal vier Fahrbahnen der Standard werden. Und darüber hinaus auf den Hauptverbindungen zwei mal drei.“[2]

Die wichtigsten Neubauprojekte für die kommenden Jahre werden regelmäßig im so genannten „MIRT-Projectenboek“ festgehalten.[3] Das mehrere hundert Seiten starke Dokument bietet einen guten Überblick über die wichtigsten Straßenbauvorhaben, die jeweils aktuell laufen sowie zukünftig geplante Maßnahmen. Das auf mehrere Jahre angelegte MIRT-Projectenboek wird gemeinsam mit dem Verkehrshaushalt besprochen und jährlich vom Parlament beschlossen, da regelmäßig neue Projekte beschrieben werden und der Fortschritt bestehender Projekte dargestellt werden. Im Jahr 2014 musste zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine Sparrunde für den Ausbau der Infrastruktur eingelegt werden. So wurde kalkuliert, bis 2028 insgesamt 6,4 Milliarden Euro einzusparen, davon 51 Prozent im Straßenbau, 33 Prozent im Gleisbau und 7 Prozent beim Schiffsverkehr. Auch der für die Niederlande so wichtige Hochwasserschutz musste kürzer treten. In der Kalkulation wurde der so genannte „Deltafonds“ um 605 Millionen Euro bis 2028 gekürzt.[4] Mittlerweile hat sich der Sparkurs der Regierung aber wieder entspannt, sodass im Kabinett Rutte III wieder größere Summen investiert werden können.

Um die angedachten Straßenbauprojekte verwirklichen zu können, konzentriert sich das Ministerium auf die Vorhaben, die der Volkswirtschaft den meisten Profit einbringen. Jede neue Straße wird einer scharfen Kosten-Nutzen-Analyse unterworfen: „Die Budgets für Investitionen, Subventionen und Verwaltung werden kleiner. Das gilt nicht nur für die politischen Ambitionen, sondern auch für die Ausführungs- und Kontrollaufgaben des Ministeriums. Mehr als je zuvor bedeutet dies, dass die finanziellen Mittel dort eingesetzt werden müssen, wo sie den größten Ertrag erzielen. Dies bedeutet, dass die Prioritäten deutlich formuliert werden müssen, dass wir intelligente Lösungen benötigen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und Unternehmen“, heißt es in der „Beleidsagenda“ des Verkehrshaushaltes 2014.[5]

Auswahl anstehender Straßenbauprojekte

Projekt

Aktuelles Budget

Baubeginn

Fertig-stellung

Nordholland

A10 Zuidas

640

2016

2028

A10 Kreuz De Nieuwe Meer und Amstel

301

2016

2028

Utrecht

A12/A27 Ring Utrecht

1120

2016

2024-2026

A27/A1 Utrecht - Bundschoten

349

2017

2018-2020

A28/A1 Kreuz Hoevelaken

763

2021

2023-2025

A27 Houten-Hooipolder

1.263

2019

2023-2025

Südholland

A13/A16 Rotterdam

984

2019

2022-2024

A24 Blankenburgverbindung

1.102*

2017

2022-2024

Gelderland

A1 Apeldoorn-Azelo

429

2018-2022

2024-2028

A1 Apeldoorn - Beekbergen

32

2016

2017

A12 Ede Grijsoord

110

2011

2016-2018

A12/A15 Ressen-Oudbroeken

835

2019

2021-2023

N18 Varsseveld-Enschede

446

2016

2018

N35 Zwolle-Wijthmen

48

2017

2018

Groningen, Friesland, Drenthe

A7 Süd-Ring Groningen

681

2016

2019-2021

N31 Harlingen

149

2014

2017

Angaben in Millionen Euro, Quelle: MIRT Projectenboek 2018. Die Daten zu den einzelnen Projekten werden ggf. über die Jahre angepasst. Hierzu kann man das regelmäßig erscheinende MIRT-Projectenboek zu Rate ziehen.
*davon 320 Millionen durch geplante Mauteinnahmen

Wichtige Investitionsprojekte

Priorität hat für das Ministerium vor allem das Wegenetz in der Randstand, also zwischen den Großstädten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht. So verwundert es nicht, dass das MIRT-Projectenboek anno 2017 die meisten Straßenbauprojekte in den Regionen nordwestliche Niederlande und südwestliche-Niederlande ausweist, denn hier werden auch in Zukunft die meisten Verkehrsprobleme erwartet. Ganz oben auf der Projektliste stehen daher die so genannte Blankenburgverbindung zwischen der A15 und A20 bei Rotterdam, der Ausbau des Utrechter Rings (A27), die Verbindung zwischen A13 und A16 in Rotterdam und die Fortführung der A15 bei Nimwegen.[6]

Die wichtigsten Staustellen sind bekannt: Im MIRT-Projectenboek wird regelmäßig eine Top 50 Liste auf Basis aktueller Daten veröffentlicht. Einige immer wieder auftauchende Schwerpunkte werden im Folgenden skizziert.


Rheinlandroute

In der Provinz Südholland genießt vor allem der Rotterdamer Hafen hohe Priorität. Der wichtigste Containerhafen Europas muss als Anlaufstelle für zahlreiche Speditionen gut zu erreichen sein. Das Ministerium konzentriert sich daher in dieser Region auf den Ausbau der so genannten Rijnlandroute. Dieses Projekt konzentriert sich hauptsächlich auf die Fahrbahnerweiterung auf der Strecke zwischen Leiden und der Gemeinde Katwijk. Der Anschluss an die A4 nach Leiden über der A44 soll ausgebaut werden, indem verschiedene Abschnitte um weitere Fahrbahnspuren erweitert werden, neue Ausweichstrecken hinzukommen und indem die neuen Straßenabschnitte durch weitere Autobahnkreuze verbunden werden. Insgesamt ist das Projekt in vier Bauphasen unterteilt worden. Baubeginn der ersten Phase soll im Jahr 2017 sein. Die Fertigstellung ist zwischen 2020 und 2022 geplant. Auch wenn die Verantwortung für die Projektplanung hauptsächlich auf regionalem Niveau verortet ist, so ist doch die nationale Regierung mit ca. 534 Millionen der größte Kostenträger. [7] Es liegt immerhin auch im Interesse des Landes, wenn der Rotterdamer Hafen gut erreichbar bleiben soll.


Brabant

Als eines der wichtigsten Wirtschaftszentren hat sich in den vergangenen Jahren die Provinz Noord-Brabant entwickelt. Durch die günstige Anbindung an die Randstand sowie die Verbindung nach Belgien und Deutschland ist die Region zwischen Tilburg, Eindhoven und Venlo für die Logistikbranche sehr interessant geworden. Als eines der wichtigsten Ausbauvorhaben wird die A58 zwischen Tilburg und Eindhoven genannt. Das Ministerium plant hier eine Investition in Höhe von ca. 405 Millionen Euro bis zur Fertigstellung, die vorläufig zwischen 2022 und 2024 geplant ist. [8]

Eines der größeren Projekte ist auch der achtspurige Ausbau der A27 zwischen Breda und Utrecht, nicht zuletzt weil auch auf dieser Strecke die Staugefahr an verschiedenen Punkten relativ hoch ist. 2014 rechnete man noch damit, dass die Vorplanungen bis 2017 abgeschlossen sein sollten und mit dem Ausbau begonnen werden kann. Im MIRT Projectenboek 2018 rechnet man nun mit einem Baubeginn im Jahr 2019. Trotz des sich verzögernden Projektablauf, wird mehr Geld investiert, als zunächst gedacht: 2014 wollte das Ministerium noch 721 Millionen Euro dafür aufwenden, 2017 wurden schon über eine Milliarde bis zur geplanten Fertigstellung um 2025 kalkuliert. [9]


Gelderland

Ähnlich wie die Provinz Noord-Brabant besitzt auch das Gelderland eine wichtige Hinterlandfunktion für den Rotterdamer Hafen und ist gleichzeitig an mehreren Stellen Schauplatz langer Autoschlangen. Die Zentren Apeldoorn, Nimwegen und Arnheim sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und damit auch deren Verkehrsprobleme. In der Provinz Gelderland gibt es mit der A1, der A12 sowie der A15 drei große internationale West-Ost-Verbindungen. Vor allem die A15 und die A12 sind die Hauptverbindungen für den internationalen Fernverkehr nach Mittel- und Osteuropa Die Region Arnheim-Nimwegen gilt als eine der am stärksten belasteten Regionen im Umkreis. Nicht nur der Pendlerverkehr zwischen den Städten ist groß, auch die Grenznähne nach Deutschland befeuert die Verkehrsdichte auf den Straßen. Verschiedene Projekte haben bereits an dem Problem der hohen Verkehrsbelastung gearbeitet. So wurde z.B. in Nimwegen eine neue Brücke über Die Waal gebaut oder Pendler wurden im Programm „spitsmijden“ mittels finanzieller Belohnungssysteme dazu angehalten, aufs Auto in der Rush Hour zu verzichten. Bis 2023 sollen außerdem die A15 zwischen dem Kreuz Ressen und dem Kreuz Oudbroeken sowie die A12 zwischen Duiven und Didam um weitere Spuren ergänzt werden. Hierfür sind bis Projektende ca. 835 Million Euro veranschlagt. [10]


[1] Melanie Schultz van Haegen: Rede „75 jaar snelweg“ vom 17. April 2012,.
[2] Ebd.
[3] MinIenM: MIRT Projectenboek 2014. Den Haag 2013,.
[4] Ebd.: S. 16.>
[5] Rijksbegroting: TK 2013-2014, 33750 XII, Nr. 1, S. 8, Onlineversion.
[6] Rijksbegroting: TK 2013-2014, 33750 XII, Nr. 2, S. 11, Onlineversion.
[7] MIRT 2018, S. 31, S. 314, 221-222.
[8] MinIenM: MIRT Projectenboek 2014. Den Haag 2013, S. 198. Sowie MIRT 2018, S. 277 -278.
[9] MIRT Projectenboek 2018,  S. 272,273
[10] MIRT Projectenboek 2018, S.313-314.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Februar 2014
Aktualisiert: 2017, Katrin Uhlenbruck