X. Ein Strich in der Landschaft

Zwischen Maas und Niederrhein erstreckt sich der Nationalpark De Maasduinen – eine wundervolle Heideregion.

AFFERDEN. Von Natur möchte man eher nicht sprechen. Hier sieht es aus wie eine Trümmerlandschaft: Kahle Hügel, übersät von Baumstümpfen, hie und da eine umgekippte Kiefer, kein Strauch, kein Grün am Horizont. Und das sollen die schönen Maasduinen sein, die jährlich Hunderte Wanderer, Naturkundler und Wochenendausflügler locken? „Keine Angst, das wird schon wieder”, sagt Frank Kalleveen.

Information

Staatsbosbeheer bietet auch Führungen in deutscher Sprache durch die Maasduinen an. Informationen unter Telefon 0031/485/53 15 58.

Adresse:
Staatsbosbeheer,
Kapelstraat 71,
Afferden.

In dem Gebiet gibt es auch einen Natur-Campingplatz. Der Verein „IVN Maas en Niers” bietet regelmäßige Wanderungen an.

Information: Judie Hermens, Telefon: 0031/485/441084 in Siebengewald.

„Die Natur muss sich eben auch erneuern können. In ein paar Jahren haben wir hier eine wundervolle Heidelandschaft.” Manchmal muss man der Natur Gewalt antun, um ihr neues Leben einzuhauchen. Frank Kalleveen ist so einer, der gerne die radikale Kur wählt. Der Förster des Nationalparks De Maasduinen bei Goch hat in den letzten Jahren viele Bäume fällen lassen, um Platz zu schaffen für Heidegrund, für Schmetterlinge, Salamander, Frösche und andere Amphibien. 20 Hektar Wald sind verschwunden. „Die Natur erholt sich so schnell”, sagt er. „Und wir wollen gerne die Heidelandschaft bewahren, denn das ist die typische Landschaft für diese Region. Was viele gar nicht wissen: 70 Prozent aller Heideflächen liegen in Deutschland und in den Niederlanden.”

Frank Kalleveen ist sich seiner Verantwortung bewusst: „Wir müssen diese Landschaft bewahren und in den dicht besiedelten Niederlanden ist es umso wichtiger, die Natur wirklich vor äußeren Einflüssen zu schützen.” Der Förster will seinen Beitrag leisten. Er ist verantwortlich für den nördlichen Teil der Maasduinen, den so genannten Bergerbos.

Natur zu schützen, heißt für Frank Kalleveen aber keineswegs, sie von den Menschen fern zu halten: „Im Gegenteil. Früher haben wir gesagt: Da wo es schön wird, da dürfen wir die Besucher nicht hinführen. Heute denken wir genau anders herum: Gerade die ursprünglichen Landstriche müssen wir zeigen, denn nur dann wissen die Besucher, was auf dem Spiel steht.”

Der Nationalpark De Maasduinen ist eine lang gestreckte Wald-, Dünen-, Moor- und Wasserlandschaft, die sich entlang der Maas und deutscher Landesgrenze von Gennep nach Venlo zieht. Die Gemeinde Bergen, Limburgs Landschap und Staatsbosbeheer kümmern sich um den Erhalt und die Pflege dieses einzigartigen Landstrichs, welcher von Maas und Rhein geformt worden ist und in dem sich die Natur über Jahrhunderte beinahe ungestört entwickeln konnte. Die hochgelegenen Sandböden sind vor mehr als 150 000 Jahren entstanden, nach und nach bließ der Wind den Sand zu Dünen auf, die so typisch sind für die Landschaft entlang der Maas.

Frank Kalleveen hat in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Rad-, Wander- und Reitwegenetz anlegen lassen, das zu den schönsten Punkten des Parks führt. Darunter das Naturreservat Quin, in dem die seltene Nachtschwalbe brütet, der Dachs zu Hause ist und die „Niederländische Landziege” grast – eine selten gewordene Haustierrasse. Die Natur verändert hier fortlaufend ihr Gesicht. Gräser, Lavendel und Heidekraut tauchen die Landschaft je nach Jahreszeit in prachtvolle Farben.

Um den Besuchern einen gewissen Nervenkitzel zu geben, hat Staatsbosbeheer mehrere schottische Hochlandrinder angesiedelt, die mit ihren enormen Hörnern furchteinflößend wirken. „Die Tiere haben sich im Park sehr gut bewährt”, sagt Kalleveen, „sie sind überhaupt nicht aggressiv, verhalten sich ruhig und gehen weg, wenn man sich ihnen nähert.” Die großen Graser halten die Heide kurz und sorgen dafür, dass Sträucher nicht zu hoch wachsen.

Geschützt vom niederländischen Staat unterliegen Landwirtschaft und Wohnbebauung in den Maasduinen strengen Auflagen. Die Organisation Staatsbosbeheer erwirbt seit Jahren weitere Grundstücke, um das Naturschutzgebiet zu erweitern und um wieder einen natürlichen Zugang zur Maas zu bekommen. Alle Maßnahmen von Staatsbosbeheer werden von externen Beratungsfirmen kontrolliert.


Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Januar 2009