III. Entwicklung der Treibhausgase

Ein entscheidender Grund für die Erwärmung der Erde ist die Zunahme der so genannten Treibhausgase in der Atmosphäre. Im Wesentlichen sind dies Wasserdampf (H2O), Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Ozon (O3) und Distickstoffmonoxid (N2O, Lachgas) und einige fluoride Treibhausgase wie Schwefelhexafluorid (SF6). Treibhausgase stören die Energiebilanz der Erde und führen zu einer Veränderung des Klimas. Denn die Temperaturen auf der Erde hängen zum Großteil von den Treibhausgasen in der Atmosphäre ab. Die Gase halten die Wärmestrahlung der Sonne in der Atmosphäre fest (Treibhauseffekt). Langwellige Strahlung, also Wärme, wird von den CO2-Molekülen reflektiert. Sie haben den gleichen Effekt wie ein Treibhausglas. Durch die natürlichen Treibhausgase betragen die Temperaturen in der Atmosphäre an der Erdoberfläche im Durchschnitt zirka 14 Grad Celsius. Ohne Treibhausgase betrügen die Temperaturen auf der Erde zirka 18 Grad Minus.

Treibhausgase

Durch vom Menschen verursachte Emissionen (anthropogene Emissionen) hat die Konzentration von CO2, O3, CH4 und N2O stark zugenommen, sie verstärken den Treibhauseffekt. Das niederländische Planbureau voor de Leefomgeving (PBL) notiert, dass 60 Prozent des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre mittlerweile von Menschen beeinflusst ist. CO2 wird vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Öl, Kohle, Gas und Holz) freigesetzt. „Seit Beginn der Industriellen Revolution (circa 1750) ist die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre um gut 38 Prozent gestiegen“, so das PBL.[1] Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs erfolgte nach 1970. Auch der weltweite Ausstoß von Methan und Distickstoffmonoxid hat seitdem um 35 Prozent zugenommen. Besorgniserregend ist, dass in den Jahren 2000 bis 2007 die Kohlenstoffdioxide weltweit vier Mal schneller gestiegen sind als in den Jahren 1990 bis 2000, so das KNMI.[2] Die Konzentration von CO2 beträgt heute 385 ppm[3]und dies sind gut 100 ppm mehr als vor dem Industriezeitalter. Unbestritten ist mittlerweile, dass die starke Zunahme der CO2-Gase für die Erderwärmung verantwortlich ist: „Es ist nicht möglich, die Entwicklung des Klimas ohne einen dominanten anthropogenen [also von Menschen verursachten] Treibhauseffekt zu modellieren“, schreibt die Potsdamer Klimaforscherin Friederike E.L. Otto. [4]

Sektoren

Schaut man sich den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid genauer an, dann stellt man fest, dass in den Niederlanden vor allem die Industrie und Energiewirtschaft mit 51 Prozent die Hauptemittenten sind. Der Verkehr trägt 17 Prozent zum CO2-Ausstoß bei und die Landwirtschaft 3 Prozent. Die niederländischen Haushalte stoßen 13 Prozent CO2 aus. Nur 15 Prozent der gesamten Treibhausgase entfallen in den Niederlanden auf Methan oder Distickstoffmonoxid. Insgesamt wird erwartet, dass im Jahr 2010 knapp 240 Megatonnen Treibhausgase in die Luft gepustet werden, so die Angaben des KNMI.

Unsicherheiten

Die Zunahme dieser Gase hat in den vergangenen Jahren die Arbeiten der wissenschaftlichen Forschung stark geprägt. Als Leitformel gilt die Beantwortung der Frage, wie hoch die weltweite Durchschnittstemperatur steigt, sollte sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verdoppeln. Das IPCC hielt 2007 eine Erderwärmung zwischen 2 bis 4,5 Grad für möglich.

Diese Schätzungen sind bislang allerdings noch sehr ungenau. „Noch wissen wir viel zu wenig über die Rolle der Wolken, die im Wesentlichen von der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt abhängig sind“, sagt Pier Vellinga von der Universität Wageningen. Auch die Wirkung von Aerosolen, also kleinste Teilchen in der Luft, sind noch zu wenig erforscht, um über deren Wirkung zuverlässige Aussagen treffen zu können.

Das PCCC bemerkt, dass gerade in China und Indien durch die rasche wirtschaftliche Entwicklung viele Treibhausgase ausgestoßen werden. 2008 stießen die Entwicklungsländer erstmals mehr CO2 aus als die Industrieländer. Dabei ist auffällig, dass durch den hohen Ölpreis und die rasche weltweite Wirtschaftsrezession sich die Zunahme der CO2-Emissionen halbiert hat. „Im Jahr 2009 gab es wahrscheinlich eine Abnahme des CO2-Ausstoßes“, so das PCCC. Seit 1981 sei dies nicht mehr vorgekommen.

CO2-Ausstoß in den Niederlanden

In den „alten“ Industriestaaten der Europäischen Union sank der CO2-Ausstoß 2008 um 1,3 Prozent. Auch in den Niederlanden nahm der Ausstoß von Treibhausgasen im vierten Jahr in Folge ab. 2008 waren dies 1,5 Millionen Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Dies hängt vor allem mit der Reduktion von Distickstoffmonoxid zusammen, aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe für Fabriken, die Salpetersäure verarbeiten. Das PCCC erwartete für 2009 eine weitere Abnahme und für 2010 einen leichten Anstieg von Treibhausgasen. Damit würden die Niederlande die Kriterien des Kyoto-Protokolls auch ohne „Kyoto-Mechanismen“ erreichen.
 Und genauso ist es dann auch gekommen. In der Zeit zwischen 2010 und 2015 nahm der CO2-Ausstoß langsam, aber stetig ab. Bis 2015 verringerte man den Ausstoß von Treibhausgasen um 6,4 %. Der letzte Wert von 2016 verzeichnete zuletzt aber wieder einen leichten Anstieg von 0,7 %., aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage, wie das CBS 2017 berichtete. [5]

CO2-Reduzierung

Die Niederlande und die Europäische Union haben erklärt, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Das würde eine Reduktion der Treibhausemissionen um mindestens 50 Prozent bis zum Jahr 2050 bedeuten. Eine enorme Aufgabe. Denn sollte sich der globale Energieverbrauch in derselben Geschwindigkeit wie bisher vollziehen, würde sich der CO2-Gehalt von heute 385 ppm auf 1.900 ppm bis zum Jahr 2200 erhöhen, führt Friederike Otto vor Augen: „Da CO2 nur sehr langsam abgebaut wird, wäre die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration über mehrere tausend Jahre extrem hoch. Ein derartiges Szenario wäre wahrscheinlich mit einer Temperaturerhöhung von über 6 Grad Celsius globaler Mitteltemperatur verbunden“, so Otto. Und sie spitzt zu: „Ändert sich in absehbarer Zeit nichts am weltweiten Emissionsverhalten, ist der Weg in eine katastrophale Entwicklung des Klimas nahezu sicher.“

Die Niederlande sind weiterhin bestrebt, den Ausstoß von umweltschädlichen Treibhausgasen zu reduzieren. Seit 2015 besteht hierzu sogar eine richterliche Anordnung: Das Zivilgericht in Den Haag urteilte aufgrund einer Klage der Klimaschutzorganisation „Urgenda“, dass der CO2-Austoßt bis 2020 um 25 % im Vergleich zu 1990 verringert werden muss.[6]


[1] Compendium voor de Leefomgeving: Werking van het broeikaseffect, Onlineversion.
[2] Vgl. Klein Tank, Albert/Lenderink, Geert (Hrsg.): Klimaatverandering in Nederland. Aanvullingen op de KNMI’06 scenatio’s, De Bilt 2009, Onlineversion.
[3] Parts per million; gibt die Teile einer Millionen an. In einem Volumen von einer Million Teilchen befinden sich 387 CO2-Moleküle.
[4] Otto, Friederike E.L.: Auf dem Weg in die Klimakatastrophe?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 52, 2009, S. 35-40.
[5] CBS: Uitstoot broeikasgassen in 2016 licht gestegen. Online unter https://www.cbs.nl/nl-nl/nieuws/2017/36/uitstoot-broeikasgassen-in-2016-licht-gestegen
[6] Reuter, Gero: Gericht verurteilt Niederlande zu mehr Klimaschutz. In: Deutsche Welle vom 25.06.2015, online unter http://www.dw.com/de/gericht-verurteilt-niederlande-zu-mehr-klimaschutz/a-18540241.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: September 2010
Aktualisiert: März 2018 von Katrin Uhlenbruck