VI. Auswirkungen des Klimawandels

Ein Temperaturanstieg auf der Erde hat für den gesamten Globus erhebliche Konsequenzen. Da unser Weltklima ein komplexes System darstellt, können auch kleine Störungen erhebliche Auswirkungen haben. „Denn innerhalb des Klimasystems gibt es Regime und Prozesse, die besonders sensibel auf Klimaveränderungen reagieren“, schreibt Klimaforscherin Friederike F.L. Otto und weist auf die so genannten „Kippschalter“. Sind diese einmal umgelegt, setzen sich Prozesse in Gang, die unumkehrbar sind und das Klima in einen anderen Zustand „kippen“ können.

Als bislang wichtigstes, festgestelltes Kippelement wurde das Abschmelzen der Polkappen ausgemacht. Sollte die Arktis eisfrei werden, hätte dies nicht nur Folgen für das arktische Ökosystem, sondern würde auch zu starken Veränderungen der nordatlantischen Luftzirkulation führen, „des Zusammenspiels zwischen den arktischen Hochdruckzonen und den atlantischen Tiefdruckgebieten“, so Otto. Und dies bestimmt bislang die Wetterlage in Europa und Nordamerika. „Und sie verändert sich bereits eindeutig“, schreibt Klimaforscherin Otto[1].

Sollte sich die Erde um zwei Grad erwärmen, ist ein Abschmelzen des grönländischen Eisschildes wahrscheinlich – wenn auch die Dauer des Abschmelzens bislang niemand vorhersagen kann. Sollte das grönländische Eis in Gänze auftauen, würde dies einen Anstieg des Meeresspiegels von gut sieben Metern bedeuten. Für die Niederlande würde dies eine starke Bedrohung darstellen.

Auch die Ozeanzirkulation könnte sich verändern und auch dies hätte erhebliche Auswirkungen. Eine Veränderung des Golfstromes würde ein Absterben des Amazonas-Regenwaldes nach sich ziehen und ein Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes, so Klimaforscherin Otto. Auch dieses Szenario hält Klimaforscher Elmar Kriegler ab einer Erderwärmung um 2 Grad Celsius für möglich und ab 4 Grad Celsius für wahrscheinlich[2].

Eine Gruppe von Klimaforschern gibt an, dass man bisher an den Kippschaltern getippt und in einigen Fällen auch schon zu weit gegangen sei[3]. Etwa beim CO2-Ausstoß. Die Forschergruppe sieht eine Grenze der globalen Erwärmung auf eine Kohlenstoffdioxidkonzentration von 350 ppm. Bereits heute ist dieser Wert mit 387 ppm überschritten. Noch deutlicher zeigt sich der Wandel beim Aussterben der Arten: Während im vorindustriellen Zeitraum jährlich weniger als eine von einer Millionen Arten ausstarb, sind es heute mehr als hundert. Die Gründe dafür sind die landwirtschaftliche Nutzung und die Urbanisierung. Johan Röckström, führender Autor der Klimaforschergruppe: „The human pressure on the Earth System hat reached a scale where abrupt global environmental change can no longer be excluded.” Friederike Otto macht deutlich: „Steigt die globale Mitteltemperatur um mehr als 2 Grad Celsius an, steigen die Risiken für katastrophale Klimaveränderungen auf allen Skalen dramatisch.“


[1] Otto, Friederike E.L.: Auf dem Weg in die Klimakatastrophe?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 52, 2009, S. 35-40.
[2] Vgl. Kriegler, Elmar et al.: Imrecise probability assessment of tipping point in the climate system, in: PNAS 13, 2009, S. 5041-5046.
[3] Rockström, Johan et al.: A safe operating space for humanity, in: Nature 461, 2009, S. 492-475.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: September 2010