XI. Ziele der neuen Energiepolitik

Schon zwei Monate vor dem Unglück von Fukushima konnte man in der European Energy Review vom Januar 2011 die empörten Zeilen lesen: „Die Niederlande steigen aus der Förderung von Offshore Windrädern aus und fördern stattdessen die Kernkraft“. In ausführlicher Darstellung geben sich die Autoren die Mühe, den radikalen Schritt der neuen niederländischen Regierung in Bezug auf ihre Energiepolitik zu analysieren.[1]

Überraschend ist diese Nachricht höchstens für diejenigen, die die Niederlande immer nur als liberal, avantgardistisch und nachhaltig angesehen haben. Was hinter der scheinbar radikalen Überarbeitung des niederländischen Energiepolitik steht, ist vor allem die Hoffnung, durch die Stormversorgung auch in Zukunft für Wachstum und Wohlstand sorgen zu können Dass auch die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wachsen wird und soll, steht außer Frage. Nur ist der Anteil dieser Energien in den Niederlanden zurzeit gerade mal halb so groß wie beispielsweise der Anteil in Deutschland. Bis in Holland also eines Tages mehrheitlich Strom durch Erneuerbare Energien erzeugt werden kann, wird es noch sehr viel länger dauern als beim Nachhaltigkeitsprimus Deutschland, der schon ab 2022 ganz auf atomkraftfreie Stromversorgung setzt.

Auch will die niederländische Regierung mit ihrem nun neu eingeschlagenen Energieweg ihren EU-Verpflichtungen nachkommen und im Bereich der Industrie und Energieproduktion bis 2020 zwischen 56 und 61 Megatonnen CO2 eingespart haben. Durch neue Kraftwerke erhofft sie sich, höhere Wirkungsgrade zu erzielen, um damit ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Im „Energierapport 2011“ des Wirtschaftsministeriums heißt es dazu: „Die Kernkraft ist für das Kabinett ein unumgänglicher Schritt in eine CO2-arme ökonomische Zukunft. Darum gibt das Kabinett für Unternehmen den Weg frei – unter der Auflage von sämtlichen Sicherheit und Umwelt schonenden Maßnahmen – in den Niederlanden in neue Kernkraftwerke investieren zu können. Der kürzlich gefasste Beschluss Deutschlands, ab 2022 ohne Kernkraft auszukommen, ändert daran nichts. Mit diesem Standpunkt befinden sich die Niederlande innerhalb der Europäischen Union in guter Gesellschaft.“

Zudem verspricht sich die Regierung künftig nicht nur Kernenergie-Ausfuhr nach Deutschland, sondern auch europaweit. Sie setzt auf einen gut funktionierenden europäischen Energiemarkt mit einer geeigneten Infrastruktur, in der grenzüberschreitende Integration regionaler Energieanbieter möglich sein soll und muss.


[1] Vgl. www.europeanenergyreview.eu

Autor: Martin Roos
Erstellt: Juli 2011