XIII. Niederländische Energieproduzenten

Die Niederlande sind ein bedeutender Erzeuger und Exporteur von Erdgas. Sie sind abhängig von Energieimporten für Öl und Kohle. Strom wird vorrangig durch Erdgas und Kohle erzeugt. Die vier größten Stromversorger in den Niederlanden sind Electrabel (gehört zu GDF SUEZ), E.ON Benelux, Essent (gehört zu RWE) und Nuon.

Nuon ist in den Niederlanden der größte Stromversorger, der größte Gasversorger im Privatkundenbereich, basierend auf der Kundenanzahl, der drittgrößte Stromerzeuger und der zweitgrößte Wärmeerzeuger. Nuon verfügt auch über ein großes Portfolio an wertschöpfenden Dienstleistungen. Energie wird vor allem in Heizkraftwerken erzeugt. Nuon bedient ungefähr 2,6 Millionen Verbraucher, Unternehmen und Organisationen in den Niederlanden und in Belgien.[1] Nuon hat einen nicht-operativen Anteil an 35 Gasfeldern in der Nordsee, der sich im Bereich von 4 Prozent bis 22,5 Prozent bewegt. Nuon hat auch eine eigene Gasspeichereinrichtung in Epe, Deutschland, wodurch das Unternehmen leichter auf tägliche Schwankungen bei Angebot und Nachfrage auf dem Gasmarkt reagieren kann. Zukünftig wird die Technologie der Kohlendioxidabscheidung und -speicherung eine Schlüsseltechnologie für die Reduktion der CO2-Emissionen sein. Nuon hat eine führende Rolle bei der Entwicklung und Demonstration dieser Technologie eingenommen, indem es eine Pilotanlage zur Kohlendioxidabscheidung im Kraftwerk Willem Alexander in Buggenum (Provinz Limburg) errichtet hat. Da das Kraftwerk auf der Vergasungstechnologie basiert, ist es ein idealer Ort, um die Kohlendioxidabscheidung vor der Verbrennung zu testen.

Die großen Energieversorger in den Niederlanden sind allerdings größtenteils in ausländischer Hand. Die EU-Kommission genehmigte am 23. Juni 2009 die Anträge von der schwedischen Vattenfall und der deutschen RWE zur Übernahme der Energiekonzerne Nuon und Essent, die in den Niederlanden zusammen rund siebzig Prozent des Marktes kontrollieren und sich bis dato in kommunaler Hand befinden.

Zunächst hatten die beiden niederländischen Energiekonzerne selber miteinander fusionieren wollen, um ihre Übernahme durch ausländische Großkonzerne abzuwenden. Besonders auf Nuon hatte RWE bereits ein Auge geworfen. Im Februar 2007 wurde eine Grundsatzvereinbarung über die Fusion von Nuon und Essent getroffen, jedoch ein halbes Jahr später widerrufen, da man sich nicht über die Bewertung beider Unternehmen einigen konnte. Im Januar 2009 verständigte sich RWE mit Essent auf einen Kaufpreis von 9,3 Milliarden Euro. Ende Februar akzeptierte Nuon ein Angebot von Vattenfall in Höhe von 8,5 Milliarden Euro.
Der Financial Times Deutschland zufolge haben neben den beiden großen Energieversorgern auch kleinere Stromfirmen in den Niederlanden Anteile an ausländische Partner verkauft. Damit seien in den Niederlande „mindestens 90 Prozent des Energiemarktes unter ausländischer Kontrolle“.

Auch das einzige Atomkraftwerk der Niederlande, das AKW Borssele, wird künftig von der deutschen RWE mitbetrieben. Der Energiekonzern RWE steht nach über zweijährigen juristischem Tauziehen nun kurz davor, finanziell in das einzige Atomkraftwerk der Niederlande miteinzusteigen. Das Unternehmen habe sich mit dem niederländischen Versorger Delta auf den gemeinsamen Betrieb des AKW Borssele verständigt. RWE soll 20 Prozent an dem 500 Megawatt-Meiler im Südwesten des Landes halten, Delta den Rest.

Absoluter Spitzenreiter in Europa sind die Niederlande als Erdgasproduzent. Sie verfügen über große Erdgas-Vorkommen nahe Groningen und in der südlichen Nordsee. 1959 wurde dort erstmals Erdgas dort gefördert. Heute beliefern die Niederlande den Heimmarkt und das Ausland mit jährlich über 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Die Förderung von Erdöl hingegen ist gering und wird auch nicht in der Weltstatistik erfasst. In der Liste der weltweit tätigen Erdgas-Förderländer standen die Niederlande 2009 an zehnter Stelle. Die bestätigten Erdgas-Reserven der Niederlande belaufen sich auf rund 1.090 Mrd. Kubikmeter. Die grösste Fördergesellschaft des Landes ist der GasTerra-Konzern (früher Teil der Gasunie).


[1] Vgl. www.vattenfall.de

Autor: Martin Roos
Erstellt: Juli 2011