XVI. Niederländische Forschung

Die Niederlande gehören laut Global Competitiveness Report 2009-2010 zu den zehn wettbewerbsfähigsten und innovativsten Nationen weltweit. Sie verfügen über ein sehr gutes Bildungssystem (Platz 10) und exzellente Forschungsinstitute (Platz 7). Im Jahr 2007 investierten die Niederlande 9,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Im Hinblick auf die Investitionen in Forschung und Entwicklung (BIP) lag 2008 bei 1,75 Prozent und damit etwas unterhalb des EU-Durchschnitts von 1,85 Prozent. Davon betrug der Anteil der Unternehmen weniger als 60 Prozent und war damit insgesamt im internationalen Vergleich gering (1,03 Proeznt des BIP).

Anders als in der tatsächlichen Umsetzung nachhaltiger Methoden für die Energie-gewinnung sind die Niederländer in der Forschung und Entwicklung im Energiesektor weltweit top. Sie gehören mit Japan und den Vereinigten Staaten zur Weltspitze. Seit über dreißig Jahren investieren die niederländischen Regierungen in ihre Forschung. Kein Wunder dass sich über ein hohes Pro-Kopf-Energieforschungsbudget verfügen: Der Betrag schwankt zwischen neun und elf US-Dollar (2003).[1] Der größte Teil dieser Mittel wird für Forschung in den Bereichen Energie und Energieeinsparung verbraucht.

Auch in Patentanmeldungen sind die Niederländer auf dem Gebiet der nachhaltigen Energien weltweit unter den Top-Ten. Es gibt verschiedene Entwicklungskonsortien, so das WE@Sea (Wind Energy at Sea), das das Wissen über die Nutzung von Windenergie auf hoher See sammelt. In diesem Konsortium sind dreißig Unternehmen und Forschungseinrichtungen vertreten.

Weltruhm genießt vor allem das ECN (Energieonderzoek Centrum Nederland) in Petten. Es gilt als das führende Institut für Energieforschung in den Niederlanden, führt Grundlagenforschung und angewandte Forschung durch auf den Gebieten: politische Studien, Energieeffizienz in der Industrie, Sonnenenergie, Erneuerbare Energien, Windenergie, Biomasse, saubere fossile Brennstoffe und Brennstoffzellentechnologie.

Ein anderes Konsortium heißt Dowec (Dutch Offshore Wind Energy Converter)[2]. Es hat Forschungsarbeiten im Hinblick auf das Design von Offshore-Windturbinen und -parks hervorgebracht. In diesem Konsortium arbeiten sechs Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammen.

Wichtige weitere Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Nutzung der Windenergie auf hoher See sind das ECN, die TU Delft und Ecofys. Das ECN, aber auch zum Beispiel die TU Eindhoven, forschen zudem im Bereich der Biomassevergasung für eine kommerzielle Energieproduktion oder auch zu Themen wie der indirekten Bio-massevergasung, der Umwandlung von Biosyngas in Biodiesel, der direkten Wasserstoffproduktion aus Biomasse oder der Verbrennung von Biomasse in kleinerem Maßstab in Kombination mit Stirlingmotoren.

In der Solartechnologie sind das ECN, die TU Delft und die TU Eindhoven die wichtigsten Forschungseinrichtungen. Für den CO2-Auffang und die anschließende -Einlagerung leisten ECN, Ecofys, TNO Bouw en Ondergrond (Einlagerung), TNO MEP (Auffang) und verschiedene Universitäten (Utrecht, Leiden, Delft, Twente) sowohl Grundlagen- als auch praxisorientierte Forschungsarbeit.

Anfang 2010 entstand zudem die NL Agency aus dem Zusammenschluss der Agency for International Business and Cooperation EVD, dem Netherlands Patent Office und SenterNovem. Primär arbeitet die NL Agency für das niederländische Wirtschaftsministerium mit dem Auftrag Programme in der Innovationsförderung umzusetzen. NL Agency bezeichnet sich selbst als Kontaktstelle für Information, Beratung, Finanzierung, Netzwerkaufbau und rechtliche Fragen. Die Projekte von NL Agency konzentrieren sich zurzeit auf die Themen Innovationsförderung, Klimawandel, Nachhaltige Energie und Umweltschutz.

Die Atomforschung liegt zu größten Teilen in den Händen der Nuclear Research and Consultancy Group (NRG) – einem Zusammenschluss des ECN und dem Energieberatungsunternehmen Kema. Zu diversen Themen gibt es internationale Kooperationen, zum Beispiel zu „Wärmemessung in Reaktoren“ mit Deutschland, Japan und Südafrika.

Das hohe Niveau niederländischer Forschung spiegelt sich, dem niederländischen Wirtschaftsministerium zufolge, zwar in der hohen Anzahl der Patente – wobei ein Großteil über den privaten Sektor (z.B. Philips) eingereicht werden. Eine Schwäche der niederländischen Forschungslandschaft ist aber der relativ geringe Anteil von Wissenschaftlern an der werktätigen Bevölkerung. Hier versucht die Regierung mit verschiedenen Programmen entgegenzusteuern.


[1] Vgl. www.hollandtrade.com
[2] Vgl. www.ecn.nl

Autor: Martin Roos
Erstellt: Juli 2011