VII. Verändertes Energiekonzept für Wind

Das veränderte Energiekonzept der neuen niederländischen Regierung sieht vor, die Zuschüsse für Methoden in der Erneuerbaren Energiegewinnung von vier Milliarden Euro pro Jahr auf 1,5 Milliarden zu streichen. Das Ziel lautet Kosteneffizienz und Kostenreduzierung. Dazu zählt insbesondere der Plan, zukünftig auf den Ausbau der als zu teuer angesehenen Offshore-Windkraft zu verzichten und mehr in die Windenergieerzeugung an Land zu investieren. Der European Energy Review hat in seiner Ausgabe die neuen Regeln detailliert beschrieben. In der Übersetzung und Darstellung des Europäischen Instituts für Klima und Energie[1] sind es folgende Neuerungen, die Mitte 2011 in Kraft treten sollen. Im sogenannten Windhund-Verfahren sollen die Subventionen in vier Stufen zugewiesen werden.

  1. In der ersten Stufe wird eine Subvention von neun Cent pro kWh (oder 79 Cent pro Kubikmeter Gas) angeboten, aber nur für Erzeuger mit Techniken, die „Defizite“ von unter neun Cent haben. Aufgrund der Zahlen vom ECN sind das: Biogas, Wasserkraft, Müll-Energieerzeugung, Gas aus Fermentierungsprozessen.
  2. Wenn Geld übrig ist, geht es in die zweite Stufe, wo eine Subvention von elf Cent pro kWh (oder 97 Cent pro Kubikmeter Gas) angeboten wird. Diese Stu-fe steht für die Erzeuger von landgestützter Windkraft und Gaserzeugern aus Dünger offen.
  3. Wenn immer noch Geld übrig ist, wird in der dritten Stufe mit 13 Cent pro kWh (oder 114 Cent pro Kubikmeter Gas) unterstützt. Diese Stufe ist für die Ener-gieerzeuger aus Wasserkraft und kleiner Biomasse.
  4. Die vierte und letzte Stufe (15 Cent pro kWh oder 132 Cent pro Kubikmeter Gas) steht den Energieerzeugern aus aller Art von Fermentierungsprozessen zur Verfügung.

Nicht eingeschlossen in allen vier Kategorien sind Solarkraft, Biomasse in großem Umfang und Offshore-Windkraftwerke, weil sie zu teuer sind.

So reglementiert  die neuen Maßnahmen klingen – laut European Energy Review gibt es aber auch einen Vorteil: „Die Regierung hat eine freie Kategorie von Antragstellern definiert. Die können sich um Subventionen in allen vier Kategorien bewerben“. Für die freie Kategorie können sich alle qualifizieren, „die in einer der in den vier Stufen genannten Energieerzeugungsarten tätig sind. Zweitens die Erzeuger einer begrenzten Anzahl von erneuerbaren Energieformen mit Defiziten über 15 Cent pro kWh, vor allem thermische Umwandlung von Biomasse (< 10 MW), Solarenergie (> 15 kWp), Osmose und Geothermie.“

Weiter schreibt der European Energy Review: „So können sich z.B. Firmen aus dem landgestützten Windenergiegeschäft (eine Technik aus der zweiten Stufe) für Sub-ventionen von neun Cent pro kWh in der ersten Stufe bewerben. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, Solarenergieerzeuger können sich für Subventionen in allen vier Stufen bewerben, aber im Falle der Gewährung müssen sie sich mit einer deutlich geringeren Unterstützung abfinden als unter dem von der ECN definierten Defizit-Regime. Große Biomasse- und Offshore-Windkraft-Erzeuger befinden sich noch nicht einmal in der freien Kategorie. Anders gesagt, sie werden überhaupt keine Subventionen erhalten. Die Großbiomassenerzeuger werden laut Ministerium deswegen ausgeschlossen, weil sie dazu tendierten, ein großes Stück der Subventionen in der Vergangenheit abzugreifen. Dennoch hat die Regierung den Energieerzeugern versprochen, einen alternativen Weg zu finden, um diese Form der erneuerbaren Energie zu fördern. Das wird wahrscheinlich eine Art von Regierungsauflage zur Verbrennung eines Anteils von Biomasse in Kohlekraftwerken sein. Für die Offshore-Winderzeuger sieht die Zukunft sehr düster aus: Sie werden nirgendwo im neuen Konzept erwähnt. Hier zeigt sich eine scharfe Kehrtwendung zur Politik der vergangenen Regierungen, die ein Ziel von 6.000 MW Offshore-Windkrafterzeugung für 2020 gesetzt hatten. Bislang sind nur 220 MW Offshore-Windkraftkapazität im niederländischen Teil der Nordsee installiert worden. Jetzt sieht es so aus, dass die beiden hochsubventionierten 300 MW Parks von Bard Engeneering die einzigen sind, die in absehbarer Zukunft hinzukommen, mit der Ausnahme eines etwa 100 MW Parks, der noch nach den Regeln des auslaufenden Regimes  gefördert wird.“


[1] Vgl. www.eike-klima-energie.eu

Autor: Martin Roos
Erstellt: Juli 2011