XV. Nachhaltiges Bauen

Der Bereich nachhaltiges Bauen expandiert in den Niederlanden ungebremst. Wohnen macht zurzeit etwa 30 Prozent des Energieverbrauchs in den Niederlanden aus. Das enorme wirtschaftliche Potenzial für energieeffiziente Produkte und Techniken haben die Niederländer erkannt. Durch zahlreiche Fördermaßnahmen ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage zu rechnen. Durchweg gute Chancen bieten sich neben Architekten und Bauherren auch Lieferanten von Technologie und Maschinen in allen Segmenten.[1]

Die Niederlande gehören mit etwa 400 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche zu den am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der Welt. Im Gegensatz zu Deutschland schrumpft die Bevölkerung noch nicht. Die Zahl der Bewohner wird bis 2012 noch leicht steigen auf bis zu 16,9 Millionen.[2] Ausreichender Wohnraum ist daher kostbar.

Nachhaltigkeit bedeutet im Bereich Wohnen zunächst, dass beim Bau moderne und energiesparende Werkstoffe verwendet werden, die Isolation der Fassaden sorgt für Energieeinsparung. Bei den Niederländern ist nachhaltiges Bauen jedoch nicht nur eine Frage der Kosten- und Energieersparnis, sondern auch der Kultur und Vielfalt. Beispiel: Das Wohnungsbauprojekt im Stadtteil Westerpark im Amsterdam von 1997. Viele Bedingungen waren damals zu erfüllen: Eine Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen musste entstehen, die Elektrizität sollte vor Ort durch Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt und Abfall in unterirdischen Containern gesammelt werden, Wind- und Lärmschutz sowie eine Solaranlage musste installiert und nachhaltige Baumaterialen verwendet werden. Auch sollte die Nachhaltigkeit auf sozialer Ebene zum Ausdruck kommen – also auch Vielfalt in der Auswahl der Bewohner (Migranten, junge und alte Leute, Kinder und Familien) und Möglichkeiten der Begegnung entstehen, zum Beispiel durch eine Grünanlage im Hof, wo sich Eltern, Kinder und Nachbarn treffen sollten.

Nach gut 13 Jahren resümiert das Magazin „Wohnungswirtschaft“ über das Projekt: „Sehr zufrieden sind die Bewohner mit der Isolierung und der Südorientierung der Wohnzimmer, die beide zu einer beträchtlichen Senkung der Energiekosten führten. Weniger effektiv war die Kraft-Wärme-Kopplung. Den größten Effekt hatten die relativ günstigen Energiemaßnahmen. Die Mehrzahl der Bewohner wohnt auch heute noch immer sehr gerne in einer fast autofreien Umgebung.“


[1] Vgl. www.handwerk-international.de
[2] Vgl. Magazin „Die Wohnungswirtschaft“ – Wohnungsbau in den Niederlanden

Autor: Martin Roos
Erstellt: Juli 2011