Müttererwerbstätigkeit im Vergleich


I. Einleitung:

„Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich um das Heim, den Herd, die Kinder und stärkte ihrem Mann den Rücken durch weibliche Fähigkeiten wie Empathie, Verständnis, Vorsicht.“ So die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Herman im Jahr 2006. Obwohl selbst eine Frau mit moderner Erwerbs- und Familienbiografie, riet sie der deutschen Gesellschaft zu der beschriebenen „schöpfungsgewollten“ Arbeitsteilung zurückzukehren. Hermans Botschaft: Entweder Kind oder Karriere.

Ein Jahr später, im September 2007, setzte dann die damalige christdemokratische Familienministerin Ursula von der Leyen den Gesetzentwurf zum Ausbau der Krippenplätze gegen die Linie ihrer eigenen Partei durch. Ein besseres Kinderbetreuungsangebot, so die Idee, erleichtere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von der Leyens Ansinnen: Kind und Karriere.

Spätestens jetzt führte man in Deutschland eine gesellschaftliche Debatte über die Erwerbstätigkeit von Müttern. Zeitschriften und Wochenzeitungen wie Die Zeit, Der Spiegel, Focus oder Stern widmeten diesem Thema seitdem diverse Artikel oder sogar ganze Ausgaben.

Zeitungen Müttererwerbstätigkeit
Zeitungen und Zeitschriften thematisieren die Müttererwerbstätigkeit, Quelle: A. Fliegner

In den Niederlanden beobachtete man das deutsche mediale Gerangel um die Mütter relativ gelassen. Hermans Thesen hatten kein großes Echo in der niederländischen Presse ausgelöst und Von der Leyens Politikwechsel auch nicht. Doch dann im April 2008 eine kleine Randnotiz: der niederländische Familienminister André Rouvoet trifft sich mit der deutschen Kollegin Von der Leyen. Die neue Familienpolitik der deutschen Regierung sei sehr interessant. Sein Besuch diene dem Austausch von Erfahrungen.
Die harmlose Meldung war auf ihre Art eine bemerkenswerte Nachricht. Der niederländische Familienminister war zu Besuch in Deutschland, um sich von den dortigen Konzepten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf inspirieren zu lassen?! – Was sollten denn die Niederlanden mit ihrer hervorragenden Reputation als emanzipiertes und frauenfreundliches Land von uns Deutschen noch lernen können? Dort ist man doch viel gleichgestellter als hier – oder etwa nicht?

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt:
Oktober 2010


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Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

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Damsma, Dirk: Van Hoeksteen tot fundament. Het gezin in Nederland 1850-1960, in: Peeters, H./Dresen-Coenders, L./ Brandenbarg, T. (Hrsg.): Vijf eeuwen gezinsleven. Liefde, huwelijk en opvoeding in Nederland, Nijmegen 1988, S. 209-248.

E-Quality (Hrsg.): Nederland werkt en moeder ook, Den Haag 2007.

Holst, Elke: Women in Managerial Positions in Europe: Focus on Germany, in: DIW Berlin Discussion Papers 557, Berlin 2006. Online

Kurz, Karin: Das Erwerbsverhalten von Frauen in der intensiven Familienphase. Ein Vergleich zwischen Müttern in der Bundesrepublik und in den USA, Opladen 1998.

Pfau-Effinger, Birgit: Kultur und Frauenerwerbstätigkeit in Europa, Opladen 2000.

Plantenga, J./Remery, C.: Reconciliation of work and private life. A comparative review of thirty European countries, Luxemburg 2005.


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