Demografischer Wandel in den Niederlanden


IX. Die „vergrijzing“ – ein weltweites Phänomen

Die Niederlande stehen mit der vergrijzing nicht alleine da. Der demografische Wandel ist ein weltweites Phänomen, das vor allem die entwickelten Länder betreffen wird. Die Gesamtbevölkerung der EU (EU-25) wird leicht zurückgehen, aber ein viel höheres Durchschnittsalter aufweisen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeutet die vergrijzing für Europa, dass die arbeitsfähige Bevölkerung (15-64 Jahre) bis 2050 um 48
Millionen schrumpfen wird. Der grrijze druk, das Verhältnis der arbeitsfähigen Bevölkerung zum Bevölkerungsteil der über 65jährigen, wird sich nach Berechnungen der EU verdoppeln und 2050 51 Prozent erreicht haben. Das bedeutet, dass zukünftig nicht mehr vier jüngere auf eine ältere Person kommen, sondern nur noch zwei.

Große Unterschiede zwischen entwickelten und weniger entwickelten Ländern

Weltweit betrachtet gehen UNO-Prognosen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2050 weiter zunimmt und die 9 Milliardenmarke knapp überschreiten wird. Dieses Wachstum wird nahezu vollständig (zu 95%) in den Entwicklungsländern stattfinden und sich die Bevölkerung der 50 am wenigsten entwickelten Länder verdoppeln.
In Hinblick auf das globale Bevölkerungswachstum wird sich der Anteil der EU an der Weltbevölkerung reduzieren. Der demografische Wandel ist daher auch ein zentrales Thema auf der europäischen Agenda. Doch innerhalb der EU wird die vergrijzing unterschiedlich ablaufen. Die Niederlande nehmen im europäischen Vergleich insbesondere im Vergleich zu ihrem östlichen Nachbarland eine vergleichsweise günstige Position ein.
Die Niederlande im europaweiten Vergleich auf einem günstigen Platz

Die Niederlande gehörten 2004 zu einer der am wenigsten alternden Länder der EU. Dieses hängt damit zusammen, dass im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in den Niederlanden ein großer Frauenanteil der Babyboomgeneration (1946-1970) bestand, der relativ viele Kinder hervorbrachte. Dadurch ist die niederländische Bevölkerung noch vergleichweise jung. In den kommenden Jahrzehnten wird sich dies durch die zunehmende Alterung zwar ändern, im europäischen Vergleich werden die Niederlande aber dennoch eine günstige Position einnehmen.

Altersquotient gering, Rentenkassen gefüllt – kein Grund zur Sorge?

Während in Deutschland der Altersquotient oder der „grijze druk“ europaweit am größten sein wird, gehören die Niederlande auf Grundlage aktueller Berechnungen zu einem der Länder mit dem niedrigsten Altersquotienten. Und auch ein Blick auf die Rentenlage zeigt für die Niederlande aktuell ein weniger dramatisches Bild als Deutschland und Europa. Ende 2006 werden in den Rentenfonds und Lebensversicherungen gute 941 Milliarden Euro verwaltet. Damit umfasst die niederländische Rentenvorsorge das 1,8fache des BIP und damit im EU-Vergleich die meisten Mittel.

Dieses ist vor allem der gut gefüllten zweiten und dritten Säule des niederländischen Rentensystems geschuldet. Zukünftig ist aber auch in den Niederlanden zu erwarten, dass es durch die vergrijzing vorallem in der AOW zu finanziellen Konflikten und zudem vor allem zu Konflikten der Solidarität kommen wird. In der nahen Zukunft wird dies zweifelsohne zu einer stetigen Anpassung des niederländischen Rentensystems führen, in der vermutlich auch die Frage nach dem Für und Wider von progressiven oder degressiven Rentensystemen neu gewichtet werden wird. Die Anpassungen des Rentensystems durch das WET VPL können somit als ein erster Schritt einer längerfristigen Reformagenda angesehen werden.

Autor: Boris Krause
Erstellt: Januar 2008


Links

Wichtige Links im Bereich Soziales finden Sie unter Institutionen

Homepage des Gewerkschaftsdachverbandes Federatie Nederlandse Vakbeweging (FNV) Nederland FNV

Dachverband der niederländischen Vereinigungen von Rentnerorganisationen NVOG

Sammlung zur Altenpolitik UNO- Wirtschaftskommission

Der Gesundheitsrat ist ein unabhängiges Beraterorgan für die niederländische Regierung Gesundheitsrat

nternet-Projekt der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP). Gemeinsam mit Experten werden Visionen und Handlungsempfehlungen zu vier Themenbereichen und deren Veränderungen im demographischen Wandel entwickelt: - Kommune, Arbeitswelt, Generationen, Markt Zukunftsradar 2030

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Brink, v.d. R.C.G/ Heemsker, F.: De vergrijzing leeft. Kansen en keuzen in een verouderende samenleving, Amsterdam 2006.

Dietvorst, G.: De invoering en de uitvoering van de levensloopregeling, Houten 2006.

Dietvorst, G.J.B./Graaf, A.M. de/ Lange, P.M.C. de: Toekomstvoorzieningen en fiscus, Deventer 2007.

Duynstee, L.: Pensioenbeleid en pensioenkosten, Alphen aan de Rijn 2005.

Haas, M.B. de: Pensioenfondsen in zwaar weer, Deventer 2004.

Koelemeijer, Judith: Het zwijgen van Maria Zachea, Apeldoorn 2003.

Müller, Bernd (Hrsg.): Vorbild Niederlande? Tipps und Informationen zu Alltagsleben, Politik und Wirtschaft. Mit Niederlande-Lexikon, Münster 1998

Schouten, E. A. P.: Alles over VUT prepensioen en levensloopregeling, Houten 2005.


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