IV. Interessenverbände

Niederländische Vereinigung für ein Freiwilliges Lebensende

Die Niederlande haben eine große Tradition im Vereinsleben. Doch nicht nur in Sport- oder sonstigen Freizeitvereinen schließen die Niederländer sich gerne zusammen, auch Vereine mit gesellschaftspolitisch ausgerichteten Vereinszielen finden regen Zuspruch. Ein gutes Beispiel dafür ist die NVVE, die Niederländische Vereinigung für ein Freiwilliges Lebensende. 1973 gründete Klazien Sybrandy ein Verein zur Unterstützung des Ehepaares Postma – dessen Nachbarin sie war – und aus diesem Verein entstand 1974 die NVVE, dem sich bald prominente Politiker, Ärzte und Juristen anschlossen. Zur Zeit hat die NVVE ca. 105.000 Mitglieder.

Stiftung Freiwillig Leben

Zielsetzung der „Stiftung Freiwillig Leben“ ist die Ermöglichung einer selbstbestimmten Beendigung des eigenen Lebens, mit den dazu geeigneten Mitteln, für jeden willensfähigen Erwachsenen, der sich dafür entscheidet. Weder ist das Vorliegen einer Erkrankung eine Voraussetzung, noch sollten Ärzte bei der Durchführung involviert sein. Die Stiftung strebt eine entsprechende gesetzliche Regelung an. Im Stiftungsbeirat finden sich einige namhafte Wissenschaftler und Politiker.
Allerdings geht die Stiftung manches Mal bei der Verwirklichung ihrer Zielsetzungen sehr weit, unter anderem, indem sie sich aktiv an der Beihilfe zur Selbsttötung beteiligt. Im Frühjahr 2009 ist der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, der als Nichtmediziner bei einer Selbsttötung behilflich war, hierfür von einem Gericht verurteilt worden.

Stichting de Einder

Stichting De Einder: diese Organisation widmet sich erstens „der Förderung und, falls gewünscht, dem Angebot, der professionellen Betreuung von Menschen die mit einem Todeswunsch Hilfe suchen, unter Achtung der Autonomie des Hilfesuchenden.“ Und zweitens möchte sie „die Tatsache, dass es Menschen mit einem Todeswunsch gibt, ins allgemeine Bewusstsein bringen.“ Die Arbeit besteht aus Beratung über und praktische Hilfe bei der Selbsttötung. Die Stiftung hat dazu so genannte suicide counselors – Selbsttötungs-, oder vielleicht besser: Freitodberater – in Dienst. Aufgrund der niederländischen Gesetzeslage machen diese Personen sich grundsätzlich strafbar - sie sind auch tatsächlich regelmäßig Strafverfolgungen ausgesetzt.

Autoren: Jeantine Lunshof und Jaap Visser
Erstellt: Februar 2004
Aktualisiert: Juni 2009