XVII. Die ‘Gezamenlijke Verklaring’ – Späte Wiedergutmachung

Während die Molukker zu Beginn der achtziger Jahre mit einer hohen Arbeitslosigkeit und Bildungsrückständen zu kämpfen hatten, war die niederländische Regierung damit beschäftigt, das bereits 1959 gestartete Wohnviertelprojekt abzuschließen und die bereits existierenden Wohnviertel aus staatlicher Hand zu geben. Durch die Übergabe der Wohnviertel in die Hände von Gemeinden und privaten Wohnungsbaugesellschaften sollte es zu einer weiteren Normalisierung der Beziehung zwischen den Molukkern und der niederländischen Regierung kommen.

Auf molukkischer Seite traf diese Maßnahme auf wenig Verständnis, da die Übertragung der Wohnviertel von staatlicher in private Hand sowie die damit verbundene Renovierung zu einer Erhöhung der Mieten führte. Ein weiterer Grund für den Widerstand der Molukker war abermals das Festhalten an ihrem militärischen Status und den damit verbundenen Privilegien. Auf diese Weise bahnte sich ein Interessenkonflikt zwischen der niederländischen Regierung, welche für eine Normalisierung der Beziehungen eintrat, und den Molukkern, die den Wegfall der letzten niederländischen Unterstützung befürchteten, an. [14]

Die Diskussion um die Wohnviertel verhinderte Mitte der achtziger Jahre die fortschreitende Normalisierung im Verhältnis zwischen der niederländischen Regierung und den Molukkern und wurde durch die Pattsituation zur unlösbaren Aufgabe. Vor dem Hintergrund, dass durch die neue Minderheitenpolitik der Einfluss der molukkischen Organisationen in den folgenden Jahren sinken würde, brachte die größte molukkische Partei, die Badan Persatuan (BP), einen Lösungsvorschlag hervor: Die BP würde bei der Wohnungsproblematik vermitteln und im Gegenzug sollte den Molukkern der ersten Generation eine symbolische und finanzielle Anerkennung für ihre Dienste als Ex-KNIL-Militärs angeboten werden. Damit sollte die erste Generation der Molukker die Vergangenheit zugunsten der zweiten Generation ruhen lassen und eine Normalisierung der Beziehungen ermöglichen. [15]

Auf dieser Verhandlungsbasis und unter dem Motto der Wiederherstellung der besonderen Beziehung zwischen der niederländischen Regierung und den Molukkern kam es am 21.4.1986 zur ‘Gezamenlijke Verklaring’, welche auch als ‘Metiarij-Lubbers-Abkommen’ bekannt ist. Dieses Abkommen beinhaltete einerseits die öffentliche Anerkennung der Dienste der Ex-KNIL-Militärs sowie andererseits Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungs- und Arbeitsmarktproblematik der Molukker. In Bezug auf die öffentliche Anerkennung der Dienste der ersten Generation der Molukker wurde die Gründung eines Museums für die Geschichte der Molukker und zur Förderung der molukkischen Kunst und Kultur vereinbart. Auf schriftliche Anfrage sollten die Molukker, die als KNIL-Soldaten für die Niederlande gekämpft hatten, ein Ehrengeld von jährlich 2.000 Gulden und eine Gedenkmünze, welche die erwiesenen Dienste und ihren nicht freiwilligen Aufenthalt in den Niederlanden bewies, erhalten. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sollte der Staatsdienst für Molukker geöffnet werden und bis 1990 7,4 Mio. Gulden für die Vermittlung und Begleitung von Arbeitssuchenden sowie für bestehende Projekte bereitgestellt werden. Auch der ‘Duizend-banenplan Molukkers’ (Plan zur Schaffung von tausend Jobs für Molukker) entstammte der ‘Gezamenlijke Verklaring’. [16]

Das Abkommen von 1986 wurde zum Meilenstein der niederländisch-molukkischen Beziehungen. Die Molukker rückten von ihren politischen Idealen ab, um die anstehenden sozialökonomischen Probleme angehen zu können. Die niederländische Regierung erwies den Molukkern der ersten Generation durch eine jährliche Rente und die Gedenkmünze ihre Ehre und erfüllte ihren Teil der Abmachung. Die Umsetzung der molukkischen politischen Ideale spielte daher bei den Verhandlungen zur ‘Gezamenlijke Verklaring’ keine Rolle, wofür es folgende Gründe gab: Die pragmatische und nicht prinzipielle Herangehensweise beider Parteien an die Probleme führte dazu, dass die Situation der Molukker in den Niederlanden und nicht die Umsetzung und Anerkennung der RMS im Mittelpunkt stand. Für die meisten Molukker bestand Mitte der achtziger Jahre kein Zusammenhang mehr zwischen Wohnen und Leben in den Niederlanden und ihren politischen Idealen, wodurch es zur Verschiebung der Themenschwerpunkte kam. [17]

Die ‘Gezamenlijke Verklaring’ war ein Schritt in Richtung Integration, welcher auf niederländische und molukkische Initiative hin gemacht wurde. Gründe dafür waren die molukkischen Organisationen wie das IWM und die größte molukkische politische Partei, die BP, welche sich als kompetente Gesprächspartner der niederländischen Regierung etablierten. Das sinkende RMS-Ideal und die Fokussierung auf die sozialökonomischen Probleme der Molukker schafften die Rahmenbedingungen für eine Erneuerung der Beziehungen zwischen der niederländischen Regierung und den Molukkern in den Niederlanden.


[14] Vgl. Smeets: Molukkers in Nederland, S. 51 f.; Steijlen: RMS – van ideaal tot symbool, S. 194.
[15] Vgl. Smeets: Molukkers in Vught, S. 125.
[16] Vgl. Rinsampessy: Saudara Bersaudara, S. 212 ff.
[17] Vgl. Bartels, D.: Ambon is op Schiphol. Socialisatie, identiteitsontwikkeling en emancipatie bij Molukkers in Nederland, Leiden/Utrecht 1990, S. 523.

Autor: Frederic Arntz
Erstellt:
September 2010