III. Die Entstehung der molukkischen militärischen Tradition in der Königlich  Niederländisch-Indischen Armee

Das ‘Koninklijk Nederlands-Indisch Leger’ (Königliche Niederländisch-Indische Armee/KNIL) wurde 1830 nach dem Javakrieg (1825-1830) gegründet und durfte seit 1833 den Beinamen ‘Koninklijk’ tragen. [12] Es nahm an militärischen wie an polizeilichen Einsätzen im gesamten Archipel teil und wahrte dort die innere Sicherheit. Durch die Gründung des KNILs sollte die Anzahl einsatzbereiter Soldaten von 20.000 Mann im Jahr 1849 auf bis zu 40.000 kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs anwachsen. Die meisten Soldaten waren Einheimische, die bei der Niederschlagung von Aufständen gegen ihre eigenen Landsleute kämpften. [13]

K.N.I.L. Offizier
K.N.I.L. Offizier
© unknown, Public Domain, Koninklijk Instituut voor de Tropen

Die molukkische Militärtradition kann nicht als eine jahrhundertealte Tradition bezeichnet werden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Niederlande zu einer offensiven Expansionspolitik auf dem Archipel übergingen, stieg der Anteil der Molukker im KNIL. Die niederländische Armeeführung in Niederländisch-Indien war auf der Suche nach vertrauenswürdigen Soldaten, die zusammen mit den europäischen Soldaten ein Gegengewicht zu der großen Anzahl an indonesisch-islamischen Soldaten im KNIL bilden sollten. Um das Jahr 1870 wurde daher damit begonnen, molukkische Christen anzuwerben, um sie im Atjehkrieg einzusetzen. Mit Hilfe finanzieller Anreize und Bildungsangeboten wurden mit Erfolg vor allem Männer von der Insel Ambon für das KNIL angeworben.[14]

Parallel zu dieser Zeit der Anwerbung von Molukkern entstand auch das Bild des loyalen molukkischen Militärs. Sie betrachteten sich als auserwählte Soldaten, die stolz auf ihre christliche Bindung zu den Niederlanden und zum Haus Oranien waren. Ihre Arbeit als Soldaten erhielt einen religiös-patriotischen Charakter und sie genossen zahlreiche Privilegien. [15] Durch die bevorzugte Behandlung der Molukker nannten sie sich selbst ‘de zwarte Nederlanders’ (die schwarzen Niederländer) und nahmen gegenüber den anderen Ethnien des indonesischen Archipels eine übergeordnete Rolle ein. [16]

Einer der ausschlaggebenden Gründe für die herausragende Rolle der Molukker war sicherlich die Tatsache, dass sie Christen waren und zum Teil lesen und schreiben gelernt hatten. Diese Eigenschaften öffneten vielen Molukkern die Tür in die Kolonialverwaltung und zur Missionsarbeit für die Kirche. Ein weiterer Grund war die Tatsache, dass es sich bei den Molukkern um eine kleine ethnische Minderheit mit einem schwachen sozialökonomischen Hintergrund handelte, die keine Bedrohung für die Kolonialherrschaft darstellte.

Es bestand eine starke militärische Tradition zwischen Molukkern und Niederländern, die sich jedoch erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte. Innerhalb weniger Jahrzehnte hatte sich eine Bindung zwischen Niederländern und Molukkern aufgebaut, die dazu führte, dass im Zweiten Weltkrieg wie in der Zeit der Dekolonisierung die molukkischen Einheiten an niederländischer Seite gegen Japaner und später gegen die nationalistisch-indonesische Bewegung kämpften.


[12] Vgl. Buiter: Nederlands-Indië (1830-1949), S. 60.
[13] Vgl. Pollman/Seleky: Istori-istori Maluku, S. 13.; Heshusius, C.A.: Soldaten van de kompenie KNIL 1830 – 1950. Een foto-documentaire over het dagelijks leven van het koloniale leger in Nederlands-Indië, Houten 1986, S. 15.
[14] Vgl. Pollman/Seleky: Istori-istori Maluku, S. 14; Decker, Günter: Republik Maluku Selatan, Göttingen 1957, S. 30.
[15] Vgl. Smeets/Steijlen: In Nederland gebleven, S. 31 f.
[16] Vgl. Pollman/Seleky: Istori-istori Maluku, S. 21 f.

Autor: Frederic Arntz
Erstellt:
September 2010