VI. Die Demobilisierung der Königlich Niederländisch-Indischen Armee

Zum Zeitpunkt der Übertragung der Souveränität an die Vereinigten Staaten von Indonesien zählte das KNIL noch 65.000 Mann. Am Tag der Auflösung des KNILs (26.7.1950) befanden sich noch immer 16.750 Soldaten im Dienst, 26.000 waren in die indonesische Armee eingetreten, 17.400 wurden an dem von ihnen gewünschten Ort demobilisiert, 3.250 waren in die Niederlande gegangen und 1.600 waren aus ihrem Dienst entlassen worden. Wie viele molukkische Soldaten unter diesen Zahlen zu finden waren, ist schwer nachzuvollziehen. Sicher ist nur, dass vor dem Ausrufen der RMS 1.000 molukkische Militärs der indonesischen Armee beigetreten waren und dass im Oktober 1950 weitere 4.000 molukkische Ex-KNIL-Militärs, welche auf Java stationiert waren, auf ihre Aufnahme in die indonesische Armee oder auf die Demobilisierung auf Ambon warteten. [18]

Die Gründe für die Verzögerungen waren vielseitig: Es ging um Garantien bezüglich Sold, Dienstgraden und Renten. Außerdem forderten die molukkischen Militärs bei einem Übergang in die indonesische Armee, dass ihre Einheiten in Ost-Indonesien stationiert werden sollten. Die Zentralregierung in Jakarta lehnte dies jedoch aus Angst vor dem Erstarken des Föderalismus in diesem Gebiet ab. Im Herbst 1950 waren die Niederländer in eine Pattsituation geraten, da sich die Übertragung ihrer treuesten einheimischen Soldaten in die neu gegründete indonesische Armee als schwierig erwies. Schon vor der Unabhängigkeitser-klärung der RMS sahen die meisten molukkischen KNIL-Militärs ihre Zukunft nicht in einer indonesischen Armee, gegen die sie wenige Monate zuvor noch gekämpft hatten, sondern auf ihren Heimatinseln, auf denen sie demobilisiert werden wollten. Dass die Republik, die nach und nach den gesamten Archipel unter Kontrolle brachte, den 4.000 Soldaten die Rückkehr nach Ambon verbot, ist eine nachvollziehbare Haltung. Die Niederlande verloren dadurch jedoch das Vertrauen ihrer treuesten Soldaten, da die in Indonesien verbliebenen niederländischen Offiziere, auf welche sich die Molukker stützten, keinerlei Befugnisse mehr hatten, ihnen helfen zu können. [19]

Da sich die indonesische Regierung gegen die Demobilisierung der KNIL-Soldaten auf Ambon stellte, geriet der Termin für die Auflösung des KNILs in Gefahr. Um dies zu verhindern, wurde am 14.7.1950 das Hatta/Hirschfeld-Memorandum in Kraft gesetzt, demzufolge alle KNIL-Soldaten, die noch nicht der indonesischen Armee beigetreten waren, zeitlich begrenzt in die ‘Koninklijke Landmacht’ (Niederländische Landstreitkräfte/KL) aufgenommen werden sollten. So sollte eine ordentliche Abwicklung des Dienstverbundes gesichert werden. Folglich wurden die 4.000 Militärs am 20.7.1950 in die KL aufgenommen und am 26.7.1950 konnte das KNIL somit ordnungsgemäß aufgelöst werden. [20]

In Bezug auf die Auflösung des KNILs hatte man nun eine Lösung gefunden, doch konnte der Übergang der molukkischen Militärs in die KL nur eine Übergangslösung sein. Aus Sicherheitsgründen ließ die Führung der KL alle auf dem indonesischen Archipel kasernierten molukkischen Ex-KNIL-Militärs entwaffnenund brachte sie in militärischen Lagern, die über Java verstreut lagen, unter. [21] Obwohl die Zeit drängte, war eine baldige Lösung nicht in Sicht. So waren noch 5.000 KL-Soldaten, zum Teil Dienstpflichtige aus den Niederlanden, auf Java stationiert, die die molukkischen Soldaten vor Anschlägen und Übergriffen von Seiten der indonesischen Armee schützen sollten. Diese Soldaten mussten bis zum 31.12.1950 zurück in ihre Heimat, da eine Verlängerung ihrer Dienstzeit in Indonesien eine Gesetzesänderung voraussetzte.


[18] Vgl. van Baardewijk: Geschiedenis van Indonesië, S. 128.
[19] Diese ‘politionele acties’ waren Militärexpeditionen gegen die indonesischen Freiheitskämpfer 1947 und 1948/1949. Vgl. van Liempt: Een mooi woord voor oorlog, S. 9; Buiter: Nederlands-Indië (1830-1949), S. 139.
[20] Vgl. van Goor: De Nederlandse koloniën, S. 339 f.
[21] Vgl. Jong, J.J.P. de: De Republiek Indonesië tussen strijd en diplomatie, in: Oorlog en verzet in Nederlands-Indië 1941-1949 en de voorlichting aan de na-oorlogse generaties, Amsterdam 1989, S. 59-71, hier S. 67 ff.

Autor: Frederic Arntz
Erstellt:
September 2010