XVIII. ‘Duizend-banenplan Molukkers’ – Vom missglückten Projekt zum Integrationsmotor

Nach den ernsten Zahlen bezüglich der Arbeitslosigkeit und den Bildungsrückständen der Molukker aus dem Jahr 1983 wurde der Bericht Een lange weg. Molukkers op de arbeitsmarkt 1990 vom Instituut voor Sociologisch-Economisch Onderzoek (ISEO) mit Spannung erwartet. [18] Die Hoffnung, dass sich die Situation für die Molukker auf dem Arbeitsmarkt verbessern würde, wurde mit einer von 38% im Jahr 1983 auf nur noch 15% im Jahr 1990 gesunkenen Arbeitslosenquote Wirklichkeit. Die Arbeitslosigkeit unter jugendlichen Molukkern zwischen 15 und 30 Jahren sank im Zeitraum von 1983 bis 1990 von 48% auf 22%. Die verbesserten Arbeitslosenzahlen wurden jedoch dahingehend relativiert, dass die Langzeitarbeitslosigkeit noch immer sehr hoch war.[19]

Die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt von 1983 zu 1990 lassen sich in abgeschwächter Form, ebenfalls auf den Bildungssektor übertragen. Festzumachen ist dies an der Anzahl der Drop-outs. Brachen 1983 noch rund 25% der molukkischen Jugendlichen zwischen 15 und 30 Jahren die Schule ohne einen Abschluss ab, so waren es 1990 nur noch 17% gegenüber 12% unter den niederländischen Jugendlichen. Trotz des langsam steigenden Bildungs- und Ausbildungsniveaus musste weiterhin von einem Bildungsrückstand gegenüber den niederländischen Jugendlichen gesprochen werden. Hierbei spielte nicht nur die sozialökonomische Situation der molukkischen Eltern eine wichtige Rolle, sondern auch die Beherrschung des Niederländischen als zweite Sprache. [20]

Vor allem die gesunkenen Arbeitslosenzahlen zeigten, dass im Laufe der achtziger Jahre im Bereich der molukkischen Arbeitsmarktpolitik Maßnahmen ergriffen worden waren, die ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Nachdem zu Beginn der achtziger Jahre kleinere Projekte, die molukkischen Langzeitarbeitslosen und Drogenabhängigen den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt weisen sollten, nicht den gewünschten Erfolg hatten, beschlossen die niederländische Regierung und die BP in der ‘Gezamenlijke Verklaring’ den ‘Duizend-banenplan Molukkers’. [21] Dieser Plan sah vor, in den Jahren 1987 und 1988 jedes Jahr 500 Stellen im Staatsdienst mit Molukkern zu besetzten. Als jedoch im September 1986 die niederländische Regierung Kürzungen und Einsparungen in allen Ministerien beschloss und es unmöglich schien, die versprochenen Jobs für die Molukker bereitzustellen, kreierte die niederländische Regierung im Januar 1987 einen neuen Plan, welcher nur noch 300 Stellen im Staatsdienst und 700 Stellen bei Gemeinden oder in vom Staat subventionierten Organisationen vorsah. [22]

Nachdem die BP das zögernde Vorgehen der niederländischen Regierung bei der Umsetzung der gemachten Abmachung kritisiert hatte, willigte sie ein, den neuen ‛300-banenplan Molukkers’ zu unterstützen. Die niederländische Regierung schloss im November 1987 Verträge mit zwei privaten Jobinstituten, welche die Schulung und jeweils 350 Jobs für Molukker garantieren sollten. [23] Von molukkischer Seite wurde das Angebot der zwei Jobinstitute gut angenommen, und es meldeten sich mehr Molukker für die Maßnahmen an, als Plätze vorhanden waren. Bis Juli 1989 sollten die ersten 500 Jobs mit Molukkern besetzt worden sein – ein Ziel, das nicht erreicht wurde. Die niederländische Regierung und die zwei Jobinstitute hatten nur 378 Molukkern auf den Arbeitsmarkt geholfen, wobei die Zahl nach Untersuchungen der BP sogar nur bei 272 Jobs lag, da nicht alle geschaffenen Jobs den formulierten Kriterien entsprachen. [24]

Damit schien der ‘Duizend-banenplan Molukkers’ gescheitert zu sein. Nachdem der Vertrag mit einem der Jobinstitute aufgrund der schlechten Ergebnisse gekündigt worden war, machten sich das Innenministerium, das IVIO und die BP daran, den ‘Duizend-banenplan Molukkers’ doch noch zum Erfolg zu führen. Die gute Zusammenarbeit und Arbeitsteilung führte dazu, dass 1992 1.264 Molukker durch den ‘Duizend-banenplan Molukkers’ einen Job bekamen und mit über drei Jahren Verspätung wurde das Jobprojekt doch noch zum Erfolg.

Der Plan wurde jedoch nicht nur wegen der neuen Jobs für Molukker zum Erfolg, sondern auch wegen der Integrationsimpulse, die davon ausgingen. Die gute Zusammenarbeit zwischen der niederländischen Regierung, den Arbeitsvermittlern und den molukkischen Organisationen hatte nicht nur positive Auswirkungen auf die Teilnehmer, sondern auch auf die gesamte molukkische Gemeinschaft, in welcher durch die geschaffenen Jobs ein Anreiz entstand, auch außerhalb des ‘Duizend-banenplan Molukkers’ auf die Suche nach Arbeit zu gehen. [25]

Der nur langsam in Gang gekommene Integrationsprozess der Molukker beschleunigte sich zu Beginn der neunziger Jahre. Die Gründe dafür waren zum einen die Aufarbeitung der Probleme aus der Vergangenheit, wie dem RMS-Ideal, und die Wiedergutmachung der Entlassung aus dem militärischen Dienst mit Hilfe der Zuwendungen aus der ‘Gezamenlijke Verklaring’, und zum anderen die dadurch entstandenen integrationsfördernden Maßnahmen, wie der ‘Duizend-banenplan Molukkers’ und die gute Zusammenarbeit zwischen niederländischen und molukkischen Institutionen.

Obwohl Anfang der neunziger Jahre alles darauf hindeutete, dass sich der Integrationsprozess der Molukker fortsetzen würde, stellte sich die Frage, wann die Molukker vollwertige Mitglieder der niederländischen Gesellschaft werden würden und ob eine wirtschaftliche Rezession, wie sie Mitte der siebziger Jahre stattfand, die Integration der Molukker erneut gefährden könnte. [26] Trotz der leicht positiven Zahlen aus dem Bildungssektor und der stark gesunkenen Arbeitslosigkeit innerhalb der gesamten molukkischen Gemeinschaft lag die Arbeitslosenquote mit 15% immer noch weit über der der gesamten Niederlanden mit insgesamt rund 6% und machte deutlich, dass der eingeschlagene Weg zwar der richtige war, aber noch ein langer sein würde.


[18] Vgl. Veenman, J./Martens, E.: Een lange weg. Molukkers op de arbeitsmarkt 1990, Rotterdam 1991.
[19] Vgl. Veenman/Martens: Een lange weg, S. 47 ff.
[20] Vgl. Straver: Oog voor Molukse leerlingen, S. 35; Smeets, H./Veenman, J.: Steeds meer ´thuis´ in Nederland. Tien jaar ontwikkelin-gen in de Molukse bevolkingsgroep,  in: Vermeulen, H./Penninx, R.: Het democratisch ongeduld. De emancipatie en integratie van zes doelgroepen van het minderhedenbeleid, Amsterdam 1995, S. 15-45, hier S. 30 ff.
[21] Vgl. Veenman: Omzien naar de toekomst, S. 31.
[22] Vgl. Tweede Kamer: Realisatie 300-banenplan voor Molukkers, 1989-1990, 21 476, Nr.2, Den Haag 1990, S. 4.
[23] Die zwei Institute waren das Instituut voor individuele Onderwijs (Institut für individuelle Bildung/IVIO) und Scholing, Maatschappij en Arbeitsmarkt (Ausbildung, Gesellschaft und Arbeitsmarkt/SMA). Vgl. Smeets, H.: Het duizend-banenplan Molukkers, in: Migrantenstudies 5 (4) (1989), S. 13-24, hier S. 14.
[24] Vgl. Smeets: Het duizend-banenplan Molukkers, S. 13 ff.; Tweede Kamer, Realisatie 300-banenplan voor Molukkers, S. 5.
[25] Vgl. Smeets/Steijlen: In Nederland gebleven, S. 317 ff.
[26] Vgl. Veenman: Omzien naar de toekomst, S. 55 f.

Autor: Frederic Arntz
Erstellt:
September 2010