VIII. Rabenmütter? Von wegen!

65 Prozent der Niederländer(Innen) haben überhaupt kein Problem damit, wenn Mütter auch arbeiten gehen. Allerdings denken 40 Prozent, dass eine Frau, die Vollzeit arbeitet, für das Familienleben eher schädlich ist. Es sind auch nur wenige Frauen – nämlich 6 Prozent- die gerne Mutterschaft und Vollzeitjob kombinieren wollen. Bei einer Blitzumfrage unter zwölf Müttern aus Amsterdam, Westerbork (Nähe von Groningen) und Vaals (an der deutschen Grenze zu Aachen) bestätigten sich diese Umfrageergebnisse der Abteilung Emanzipationspolitik aus dem Arbeits- und Sozialministerium. Elf der befragten Frauen arbeiten Teilzeit. Manchmal hat auch der Partner seine Stunden reduziert. Eine Frau ist arbeitslos und alleinerziehend, will aber auch nur Teilzeit arbeiten, wenn sie wieder einen Job gefunden hat. Die meisten Frauen haben ihre Kinder zwischen dem dritten und sechsten Monat in Fremdbetreuung gegeben. Eine Mutter begann schon elf Wochen nach der Geburt wieder zu arbeiten.

Eine arbeitende Mutter ist eine bessere Mutter

Den Begriff Rabenmutter, wie ihn die Deutschen im negativen Sinn für eine arbeitende Mutter gebrauchen, kennen die Niederländerinnen nicht. „Ich bin eine viel bessere Mutter für meine Kinder, wenn ich auch arbeiten gehe“, sagt Géke auf die Frage, ob sie sich schlecht fühle, wenn sie ihre Kinder weggibt. Keine einzige der zwölf befragten Mütter hat ein Problem damit, dass ihre Kinder zeitweise von anderen betreut werden. Nicht nur, dass sie wie Géke eine ausgeglichenere Mutter sind, wenn sie nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen. „Die Kinder haben selbst so viele Vorteile davon, sie bekommen soziale Kontakte und lernen, mit anderen Kinder umzugehen“, findet Evelyn. „Selbst mein Mann findet es gut, wenn ich arbeite. Dadurch werden die Kinder selbständiger“, berichtet Simone. Und wie alle Mütter weiß auch Karin, dass ihr Kind dann gut aufgehoben ist: „Mein Kind wird von der Oma betreut. Da wird es richtig verwöhnt!“

So finden auch acht der befragten Frauen es überhaupt nicht schwierig, die Doppelrolle von Mutterschaft und Arbeit zu kombinieren. Simone stört daran ein bisschen, dass im Haushalt vieles liegen bleibt. Klare Absprachen zwischen den Partnern sind in solchen Situationen unerlässlich, betont Ina. Kompliziert wird es eigentlich nur dann, wenn die Kinder krank sind. „Jetzt wo die Kinder größer sind, muss ich da nicht mehr so viele Krisensituationen meistern“, ist Henriette froh, deren Kinder 8 und 6 Jahre alt sind. Für Petra, die alleinerziehend ist und wieder in ihrem Pflegeberuf arbeiten will, wird die Doppelrolle schwierig, wenn sie Überstunden machen oder Wochenend- oder Notdienste übernehmen soll.

Qualität

Elf der zwölf befragten Frauen sind mit der Qualität ihrer Kinderbetreuung zufrieden. Drei von ihnen lassen ihre Kinder von den Großeltern betreuen. Eine Mutter kombiniert die Großeltern- mit der Krippenbetreuung. Drei kritisieren die mangelnde Flexibilität der Kinderbetreuungseinrichtungen, die sich nur an den klassischen Bürozeiten von 8 bis 17 Uhr orientiere. „Die Kinder sollten auch etwas Warmes in der Kinderkrippe zu essen bekommen, damit sie gut gegessen haben, wenn wir sie mit nach Hause nehmen“, findet Evelyn, die als Journalistin oft abends länger arbeiten muss.

Quantität

Das Angebot an Betreuungsmöglichkeiten variiert in den Niederlanden sehr stark. Während das Angebot in Westerbork offensichtlich zufriedenstellend ist, sieht es in anderen Gebieten wohl schlechter aus. „Die nächste Kinderbetreuung ist 11 Kilometer entfernt“, ärgert sich Petra aus Vaals. „Wir stehen immer noch auf der Warteliste für unsere Wunschbetreuungstage“, ist Linda unzufrieden.

Kosten

Fünf Frauen sind mit den Kosten für die Kinderbetreuung zufrieden. „Für uns ist es günstig, weil wir ein geringes Einkommen haben“, freut sich Grietje. Allerdings findet sie den bürokratischen Aufwand viel zu hoch. Auch für Géke und Henriette sind die Kosten für die Betreuung nach der Einführung des neuen Kinderbetreuungsgesetzes niedriger geworden. Für drei Frauen sind die Kosten nach wie vor sehr hoch. Evelyn kann dem jedoch auch einen guten Aspekt abgewinnen: „Es ist natürlich teuer, aber die Betreuerinnen sollen auch gut bezahlt werden. Ich will meine Kinder nicht bei unterbezahlten, unmotivierten Arbeitskräften zurücklassen.“

Autorin: Stefanie Tyroller
Erstellt: Juni 2005