XVI. Außerschulische Betreuung „Alles Ki(d)ts“ in Heerlen

Roels erste Arbeit am Nachmittag um zwei ist eine kleine Spazierfahrt durch die Stadt. Denn der Sozialarbeiter in der außerschulischen Kinderbetreuung „Alles Ki(d)ts“ in Heerlen holt seine Schützlinge mit dem Bus von der Schule ab. Als er alle seine Schäfchen beisammen hat – heute sind es 17 Kinder – gibt er die Großen bei Kollege Nico im Café ab. Hier sieht es ein bisschen aus wie in der Villa Kunterbunt. Verschiedenfarbige Hängelampen und weiße Lüster mit bunten Birnen, großformatige Poster und farbenfrohe Wände verbreiten eine fröhliche, unkonventionelle Atmosphäre. Auf der langen, geschwungenen Tafel hat Nico schon eine kleine Zwischenmahlzeit – Reiswaffeln mit Margarine und Wurst – vorbereitet. Gierig stürzen sich die Kinder darauf, während sie sich gegenseitig von ihrem Schulalltag erzählen.

Nach Alter getrennte Gruppen

Erzieherin Astrid zieht sich derweil mit den 4 bis 6-jährigen Kindern in einen extra Raum zurück. „Die Kleinen brauchen einfach noch ein bisschen mehr Ruhe und Struktur“, erklärt sie. In dem hellen freundlichen Raum, dessen große Fenster Astrid mit einer Girlande aus Blumen bemalt hat, können die Kleinen in der Puppenküche kochen, sich im ersten Stock eines Spielhauses auf dem Sofa gemütlich einkuscheln oder sich aus dem zahlreichen Angebot an Duplo- und Legosteinen oder altersgerechten Puzzles bedienen.

Aus den Räumen der älteren Kinder sind inzwischen abwechselnd Begeisterungs- und Enttäuschungsschreie zu hören. Karen (8) und Betreuer Nico kämpfen gegen Rek (7) und Brian (11 Jahre) am Tischfußball um den Sieg. Eine etwas unanstrengendere Form des Wettbewerbs haben sich Jeroun, Joup (beide 7) und Emil (6 Jahre) ausgesucht. Sie verfolgen in ihrem Computerspiel ein Hündchen, das über eine lange Mauer hüpft und dabei versucht, Hindernisse zu zerstören.

Am liebsten am Computer

„Natürlich ist der Computer Lieblingsspielzeug Nummer eins“, erklärt Nico, noch außer Atem vom verlorenen Fußballspiel. Und die Kinder dürfen auch ran. Denn zuhause, so Nicos Argument, wäre das ja auch so. Militärische oder gewalttätige Spiele sind allerdings tabu. Nico und Roel kontrollieren regelmäßig, dass sich keines der Kinder im Internet auf so einer Seite verirrt. Und nach 20 Minuten ist eigentlich ein Wechsel angesagt, damit jeder mal an die Reihe kommt. Heute haben Jeroun, Joup und Emil allerdings Glück, keiner macht ihnen den Platz streitig.

Überhaupt ist es auffällig ruhig in den liebevoll gestalteten Räumen. Die romantische Mädchenecke wo überm rosafarbenen Sofa ein weißer Schleier hängt ist ebenso verwaist wie die mit einer geschwungenen silberfarbenen Wand davon abgetrennte, robuster eingerichtete Jungenecke. Das neue Gesetz, nach dem Eltern einkommensabhängig und nur noch für die Tage finanzielle Unterstützung bekommen, an denen beide arbeiten, zeigt offensichtlich Wirkung. „Vorher hatten wir weit mehr als 20 Kinder pro Tag hier“, erzählt Nico. Heute verlieren sich die 17 Kinder in den vielen Räumen.

Karen hatte sich im großen Bastelraum alleine an einen Tisch gesetzt und ein Puzzle gelegt. Doch jetzt zieht es sie nach draußen. Nachdem das Spielzeug ordentlich im Schrank verstaut ist, meldet sie sich bei Nico ab und verschwindet mit Rek und Brian auf der großflächigen Dachterrasse zum Toben. „Ich finde es toll, dass ich hier mit Karen und Brian draußen spielen kann“, erzählt Rek, der zweimal die Woche bis 18 Uhr in die Einrichtung kommt. „Irgendjemand ist immer da, mit dem man Fußball oder Fangen spielen kann.“ Und sieht es mal ganz mau aus, dann ist da ja immer noch Betreuer Nico. Der hat dann zum Beispiel die gute Idee, eine Runde Tischfußball zu spielen...

Autorin: Stefanie Tyroller
Erstellt: Juni 2005