XIV. Gasteltern-Betreuung

Neben der Betreuung von Klein- und Schulkindern in Kinderzentren gibt es auch die Möglichkeit, Kinder in der häuslichen Umgebung von Gasteltern betreuen zu lassen. In Deutschland nennt man sie Tagesmütter. Gasteltern können seit dem neuen Gesetz bis zu 6 Kinder (vorher waren es 4 Kinder) zwischen 0 und 13 Jahren gleichzeitig in ihrem Zuhause betreuen. Etwa 5000 Familien nehmen offiziell in den Niederlanden Gasteltern in Anspruch.

Beinahe wie Zuhause

Das Kind bei Gasteltern betreuen zu lassen war bei vielen niederländischen Eltern nicht nur eine Notlösung, weil Kindertageseinrichtungen in der Vergangenheit keinen Platz zur Verfügung hatten. Ausschlaggebend für die Wahl von Gasteltern ist für viele Eltern die Familiensituation, die dem Kind mehr persönliche Aufmerksamkeit garantiert als in großen Einrichtungen. Gastelternbetreuung bietet darüber hinaus flexiblere Betreuungszeiten und ist daher vor allem für Eltern mit unregelmäßigen Arbeitszeiten interessant. Für einige Eltern ist auch der Preis ausschlaggebend, denn Gasteltern sind in der Regel billiger als Tageseinrichtungen.

Professionelle Vermittlung

Offiziell vermittelt werden Gasteltern durch landesweit agierende oder regionale Gastelternbüros, die oft zu einer Stiftung gehören, die auch andere Betreuungsmöglichkeiten anbietet. Die Gastelternbüros betreuen nach der erfolgreichen Vermittlung die Familie und deren Kinderbetreuerin weiter. Sie sorgen im Krankheitsfall der Gasteltern für Vertretung und besuchen die Gastfamilie, um zu sehen, ob das Wohl des Kindes garantiert ist und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Gasteltern sind keine professionellen Erzieher, werden aber von den Büros auf ihre pädagogische Auffassung hin überprüft. Die Büros bieten den Gasteltern Weiterbildungen für ihre Arbeit an.

Kosten

Gasteltern sind in der Regel billiger als Kindertagesstätten. Sie kosten 3 bis 4 Euro pro Stunde für Kinder von 0 bis 4. Für Kinder von 4 bis 13 Jahren sind die Kosten etwas höher. Für das zweite Kind wird meist etwas weniger bezahlt. Dafür müssen Eltern für jedes Kind eine jährliche Vermittlungsgebühr an das Büro bezahlen, womit die verschiedenen Dienstleistungen des Vermittlers abgegolten werden. Insgesamt summiert sich der Stundenpreis dann im Durchschnitt auf etwa 5 Euro.

Das neue Gesetz

Im Zuge des neuen Gesetzes zur Kinderbetreuung können Eltern auch für Gasteltern Geld vom Staat erhalten. Allerdings muss das Büro dann bei der Gemeinde registriert sein und sich an die Qualitäts- und Sicherheitsregeln des neuen Gesetzes halten. Außerdem müssen die Gastelternbüros in diesem Zusammenhang auch eine Elternkommission einberufen. Sie hat Mitspracherecht in der Ausführung der Qualitätspolitik, in Ernährungsangelegenheiten, Fragen zur Erziehung, Sicherheit, Gesundheit, Spiel- und Entwicklungsaktivitäten, den Öffnungszeiten, die Beschwerdeführung und die Änderung der Preise.

Aus schwarz mach weiß

Einige Gastelternbüros wie etwa das zum 1. Januar 2005 neugegründete, landesweit agierende „Gastouderservice Nederland“ wirbt bei Eltern vor allem damit, dass sie ihre schwarz bezahlten Betreuerinnen legal bezahlen und dabei noch Geld sparen können. Hintergrund ist die Tatsache, dass Eltern eben auch für Gasteltern Betreuungszuschüsse erhalten können. Selbst Großeltern können dann von Eltern ausbezahlt werden und dafür vom Staat Geld kassieren. Allerdings muss die Umgebung, in der die Kinder betreut werden, den staatlichen Sicherheitsstandards angepasst werden. Das ist für viele Familien wiederum ein Grund, das Betreuungsverhältnis nicht zu legalisieren.

Autorin: Stefanie Tyroller
Erstellt: Juni 2005