II. Entwicklung des Kinderbetreuungsangebots

Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen für Kinder von 0 bis 12 Jahren hat sich in den vergangen Jahren versechsfacht. Von 29.000 Plätzen im Jahr 1990 (Beginn des staatlichen Stimulierungspolitik zur Beförderung von Kinderbetreuungsplätzen) stieg die Zahl bis Ende 2004 auf 206.714 Plätze, die von 339.989 Kindern belegt wurden (Quelle: Arbeits- und Sozialministerium der Niederlande). Ein Platz wurde im Durchschnitt von 1,64 Kinder belegt. Zu Kinderbetreuungsplätzen zählen Plätze in Betreuungseinrichtungen für 0 bis 4-Jährige (Tages- und Halbtagsbetreuung), die Betreuung von Schüler (4 bis 12 Jahre) in außerschulischen Betreuungseinrichtungen vor und nach der Schule und in den Schulferien sowie Kinderbetreuung von 0 bis 12 Jahre bei Gasteltern.

Entwicklung der Kinderbetreuungsplätze (nach Betreuungsart)

Quelle: Zentrales Statistikamt der Niederlande (CBS), MOGroep (Interessenvertretung der Unternehmer in der Kinderbetreuung)
1990 1994 1998 2000 2002 2003 2006
Tages- und Halbtagsbetreuung 26.000 52.000 69.000 80.000 107.000 114.000 255.000
Außerschulische Betreuung 3.000 11.000 23.000 38.000 55.000 62.000 165.000
Gasteltern Betreuung    X 11.000 10.000 9.000 10.000 10.000 70.000
Total 29.000 74.000 100.000 126.000 173.000 185.000 490.000

Angebot variiert regional

Das Angebot von Kinderbetreuungsplätzen in den Niederlanden ist von Region zu Region unterschiedlich. Während in der Region Amsterdam für die Altersgruppe der 0 bis 4-Jährigen 22 Betreuungsplätze für 100 Kinder zu Verfügung stehen, sind dies in Friesland nur 8. In den großen Städten ist das Angebot an Betreuungsplätzen generell größer als im Rest der Niederlande. Die Regionen mit dem geringsten Kinderbetreuungsangebot sind Süd-Limburg, Rivierenland und Veluwe-Twente.

Ende 2003 waren laut des Netzwerkes „Ausbau der Kinderbetreuung“ (Netwerkbureau Uitbreiding Kinderopvang) noch 19 von insgesamt 489 Gemeinden ohne Kinderbetreuungsangebot.

Nur ein kleiner Teil der Kinderbetreuung wird offiziell organisiert

Von den insgesamt 2613.000 Kindern in den Niederlanden (davon 817.000 zwischen 0 und 3 Jahren und 1.796.000 zwischen 4 und 12 Jahren) wurden in 2004 wöchentlich etwa 300.000 Kinder in offiziellen Betreuungsformen betreut.

Aus einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Vyvoj wird deutlich, dass im Jahr 2002 nur etwa 30 Prozent des Kinderbetreuungsbedarfs durch offizielle Betreuungsformen abgedeckt wurde. Das bedeutet, dass 70 Prozent der Kinderbetreuungs von Eltern inoffiziell durch Verwandtschaft, Freunde oder andere Varianten verwirklicht wird. [1]

Bei einer weiteren Trenduntersuchung von Vyvoij vom November 2003 stellte sich heraus, dass Familien, in denen sich die Erwerbsarbeit auf einen Voll- und einen Teilzeitjob verteilt, am häufigsten auf die offiziellen Betreuungsformen zurückgreifen.

Da es inzwischen kaum noch eine Kinderbetreuungseinrichtungen mit Wartelisten ist, kann man davon ausgehen, dass die informelle Betreuung nicht nur ihre Ursache in mangelnden Plätzen hat. Sollten die hohen Kosten der Grund für die mangelnde Inanspruchnahme sein, könnte sich dies durch das neuen Kinderbetreuungsgesetz, dass allen arbeitenden Eltern finanzielle Unterstützung gewährt und besonders Familien mit niedrigem Einkommen unterstützt, ändern.


[1]  Trenduntersuchung Kinderbetreuung, Januar 2003, Beratungsbüro Vyvoij.

Autorin: Stefanie Tyroller
Erstellt: Juni 2005
Aktualisiert: Juni 2008