X. AIDS brachte eine Veränderung

Amersfoort 1982. Die homosexuelle Community wird durch die Antihomogewalt am Roze Zaterdag  aufgeschreckt. Der Politik und der Homosexuellenbewegung wird bewusst, dass es noch ein weiter Weg sein wird. Nicht der Organisator des Samstags, die homosexuelle Interessenvereinigung Roze Front (dt. Rosa Front), sondern das COC  tut sich als Interessenvertreter der Homosexuellen hervor. Es ist der Vorstand des COC, der das Gespräch mit dem damaligen Premier sucht, um Gewalt zukünftig entgegenzuwirken.

Diese enge Verbindung, die zwischen dem COC und der Staatsregierung bestand, wurde noch einmal durch einen gemeinsamen Feind gestärkt, der in den 1980er Jahren auftauchte: die neue, geheimnisvolle Krankheit, die vor allem unter homosexuellen Männern viele Opfer forderte.[1] Während gerade die AIDS-Epidemie in vielen Ländern den Dialog zwischen Homosexuellenbewegung und Regierung behinderte, hat die schreckliche Krankheit in den Niederlanden die Position des COC fest verankert. Das COC kämpfte gegen die Epidemie und blieb auch für die Zukunft Gesprächspartner der Regierung, wenn es um Fragen in Bezug auf Homosexualität ging. Möglicherweise ist das auch der Grund dafür, dass das COC bereits seit 65 Jahren existiert, während viele andere Homosexuellenorganisationen und Aktionsgruppen verschwunden sind.[2]

Trotz der offiziellen Anerkennung als Interessenvertretung dauerte es einige Zeit, bis das Gesetz gegen Diskriminierung, das Algemene wet van gelijke behandeling, angenommen wurde. Nach jahrelanger Lobbyarbeit, unter anderem vom COC, war dies 1994 der Fall. Dieses Gesetz ging der Homosexuellenbewegung zufolge allerdings eigentlich nicht weit genug: Homosexuelle können zum Beispiel von christlichen Organisationen nicht abgelehnt oder entlassen werden, weil sie „homosexuell“ sind, wohl aber wegen anderen Verhaltens, zum Beispiel wegen häufigen sexuellen Kontakten (die sogenannte „enkele feit constructie“, dt. Einzelfaktenkonstruktion).[3]

Um gleiche Rechte zu erlangen, musste das COC oft zustimmen, dass Homosexualität an sich nichts zur Sache tut. Damit befand sich die Vereinigung, die als Gesprächspartner des Parlaments den Druck verspürte, ihre gesamte Basis vertreten zu müssen, in einer schwierigen Situation. Es waren nun gerade die 1970er Jahre, in denen Aktionsgruppen von Schwulen und Lesben das COC auf die Wichtigkeit hinwiesen, eine eigene schwule und lesbische Identität zu besitzen. Bei der Diskussion um die Öffnung der zivilen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wird dieses Ringen innerhalb des COC in diesen Jahren deutlich.


[1] Schuyf, Judith: Doe maar gewoon dan doe je al gek genoeg, in: Tijdschrift voor humanistiek, Jg. 33-34 (2008), S. 26–33.
[2] Burgers, Clé/Fransen, Jan: Tussen verlangen en belangen. De Nederlandse homo- en lesbische beweging, in: Duyvendak, Jan Willem (Hrsg.): Vijfentwintig jaar nieuwe sociale beweging in Nederland, Amsterdam 1992, S. 186–191.
[3] Schuyf, Judith: Doe maar gewoon dan doe je al gek genoeg, in: Tijdschrift voor humanistiek, Jg. 33-34 (2008), S. 26–33.

Autorin: Elise van Alphen
Übersetzung: Susan Fittkau
Erstellt: April 2012