IX. Modellprojekte und Initiativen

Im Laufe der Jahre wurden viele Ansätze entwickelt, um im weitesten Sinne der Idee der Freizügigkeit in der Europäischen Union auf die Sprünge zu helfen. Hiervon profitieren Grenzpendler, Touristen, Austauschschüler, Geschäftsreisende, usw.... Die Zahl der kleinen und sehr kleinen Projekte ist enorm. Anbei eine Auswahl, um das Spektrum der Initiativen ein wenig zu illustrieren.
 
Modellprojekt „IZOM“ bzw. „ZOM“ (Integratie Zorg Op Maat) und GesundheitsCard international (GCi)

Mit den Projekten "IZOM" und "ZOM" machen die Krankenversicherer in Belgien, Deutschland und den Niederlanden seit 1997 die gesundheitliche Versorgung über die Grenze möglich. Damit sind sie Vorreiter. Das Projekt entstand durch die Zusammenarbeit der AOK Rheinland, der niederländischen CZ-Gruppe und der Christlichen Krankenkasse und ist mittlerweile als europäisches Interreg-Projekt auf Dauer anerkannt. Teil des Angebotes ist es, unkompliziert einen Arzt im Nachbarland wählen zu können – nicht nur in Notfällen wie beim herkömmlichen Krankenversicherungsschutz im EU-Ausland. Das Leistungspaket umfasst den Besuch beim Facharzt, Medikamente und die Behandlung im Krankenhaus. Diese grenzüberschreitende fachärztliche Versorgung gilt in der gesamten Euregio-Maas-Rhein (Provinz Lüttich und Limburg in Belgien, Provinz Süd-Limburg und Nordbrabant in den Niederlanden, Region Aachen und die Kreise Bitburg-Prüm und Daun in Deutschland). Hier ist also für Berufspendler, deren Angehörige, sowie Rentner erstmals ein grenzüberschreitendes Wahlrecht bei medizinischen Leistungen zu erkennen.

Europäische Versicherungskarte (European Health Insurance Card)

Im Juni 2004 eingeführt, ersetzt sie den Auslandskrankenschein (E111). Wer sich vorübergehend in einem anderen Mitgliedstaat aufhält, beweist damit seinen Anspruch auf Sachleistungen wie ärztliche Hilfe oder Medikamente. Dadurch soll zum Beispiel ein Arztbesuch im Urlaub, für EU-Bürger in Europa ohne lästigen Papierkrieg über die Bühne gehen. Allerdings gilt das nur für akute Fälle, die nicht bis zur Heimkehr warten können. Patienten legen in der Praxis einfach ihre Europäische Krankenversicherungskarte vor, damit der Arzt nach den Vertragssätzen mit der Krankenkasse abrechnen kann. Berufspendler müssen trotzdem weiterhin mit dem Formular E106 komplett in die Krankenkasse ihres Arbeitslandes wechseln (Tätigkeitslandprinzip).

Grenzgängerberatungsstelle Aachen

Die Grenzgängerberatungsstelle ist eine Einrichtung der Region Aachen. Sie organisiert regelmäßig zwischenstaatliche Sprechtage zu den Themen Sozialversicherung und Rente, an denen Experten aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden teilnehmen. Die persönliche oder telefonische Beratung ist kostenlos. Die Nachfrage ist groß: Der kostenlose Service wurde 2007 etwa 2.500 mal in Anspruch genommen. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2000 etwa 1.500 Kontakte mit Ratsuchenden gezählt. Auch andere Euregios bieten derartige Beratungen und Grenzpendler-Sprechtage.

Eurecard: Dazugehören...grenzenlos

Die Eurecard ist eine Servicekarte, mit der Menschen mit Behinderung Angebote und Vergünstigungen im touristischen, kulturellen und sportlichen Bereich auch in den Nachbarländern nutzen können. Die Eurecard ist in dem Bereich des Versorgungsamtes Aachen und in den restlichen Bereichen der Euregio-Maas-Rhein gültig. Menschen mit Behinderungen sollen dadurch auch über die Landesgrenze hinaus mobiler werden. Dieses Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.

Grenzübergreifende Jobsuche: EDR-Jobroboter

Die fünf Euregios bieten seit einiger Zeit eine grenzübergreifende Suchmaschine für Jobangebote im Internet an. Unter  www.euregio-jobroboter.de können Arbeitssuchende im gesamten deutsch-niederländischen Grenzgebiet Stellenangebote finden. „Damit wird ihnen schnell und einfach ein guter Zugang zu einem größeren Arbeitsmarkt geboten“, heißt es z.B. von Seiten der Ems Dollart Region.

Grenzpendler Info

Das Onlineportal für Grenzpendler in Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen (NRW) bietet Grenzpendlern einen zentralen Einstieg in die vorhandenen Informationen verschiedener Instanzen der drei beteiligten Länder und stellt nützliche Links zu Partnerwebsites bereit. Es bietet Antworten auf Fragen zur unterschiedlichen Gesetzgebung in den drei Ländern und darüber, was man beachten muss, wenn man in einem der Länder arbeitet und einem anderen wohnt Das Portal kann als sehr nutzerfreundlich beschrieben werden, bietet es doch für jeden Besucher der Website individuelle Auswahlmöglichkeiten kann, sodass man schnell Antworten auf seine persönliche Frage bekommen kann. Getragen wird es von öffentlichen Einrichtungen der drei Länder.

Weitere Links für Grenzpendler finden Sie im folgenden Kapitel.


Autorin: Anneke Wardenbach
Erstellt: Oktober 2005
Aktualisiert: Februar 2014, Angelika Fliegner, sowie 2018, Katrin Uhlenbruck