VIII. Euregios und Eures

Die beiden wichtigsten „Ansprechpartner“ für Grenzpendler sind die jeweilige Euregio (Das sind regionale, überkommunale und grenzüberschreitende Zusammenschlüsse.) und das EURES-Netzwerk (die Arbeitsverwaltung der EU). Zwischen beiden gibt es sowohl personell als auch institutionell häufig Überschneidungen. Eine zentrale deutsch-niederländische Anlaufstelle für Grenzpendler gibt es nicht.

Die europäische Arbeitsverwaltung Eures


Der EURES – Verbund bietet Arbeitssuchenden europaweiten Zugang zum Arbeitsmarkt. Er ist das zentrale Instrument der EU, um die Mobilität von Arbeitskräften zu fördern. EURES steht für „EURopean Employment Services“. Es ist ein Kooperationsnetz der Europäischen Kommission und der öffentlichen Arbeitsverwaltung im Europäischen Wirtschaftsraum. In bestimmten Regionen sind weitere Organisationen aus dem Bereich Beschäftigung angeschlossen, z.B. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und andere regionale Einrichtungen wie die Euregios.

Die deutsch-niederländisch-belgischen Euregios bilden zusammen mit Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen das „EURES“- Netzwerk. Sie betreiben Beratungsstellen, sammeln Informationen und veranstalten Grenzpendler-Sprechtage.

Viele der regionalen EURES-Einrichtungen beruhen auf wesentlich älteren regionalen Kooperationen. So gründeten die Sozialpartner schon 1979 in der Euregio Ems Dollart einen interregionalen Gewerkschaftsrat. 1994 schlossen das Arbeitsamt Nordhorn und die Arbeitsverwaltung Drenthe einen Kooperationsvertrag mit dem Leitgedanken eines gemeinsamen Arbeitsmarktes.

Die Aufgaben der etwa 500 EURES-Berater sind:
•    Beratung für Arbeitskräfte, die jenseits der Grenze arbeiten wollen.
•    Unterstützung von Arbeitgebern, die Arbeitskräfte aus anderen Ländern einstellen wollen
•    spezielle Beratung und Hilfe für Arbeitskräfte und Arbeitgeber, die schon im Nachbarland arbeiten.

EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou eröffnete im September 2003 offiziell das europäische Portal zur beruflichen Mobilität: www.eures.info (Es führt wiederum zu den regionalen EURES-Portalen). Die im Juli 2003 vom Rat verabschiedeten beschäftigungspolitischen Leitlinien sehen vor, dass Arbeitssuchende ab 2005 überall in der Europäischen Union Zugang zu sämtlichen von den Arbeitsverwaltungen der Mitgliedstaaten bekannt gegebenen Stellenangeboten haben sollen. Stellensuchende haben hier die Möglichkeit, Angebote direkt über die EURES - Datenbank zu finden und sich zu bewerben:

Europa-Service der Bundesagentur für Arbeit

In Deutschland hat sich mit der Umstrukturierung der Arbeitsagentur auch der Europaservice neu formiert. Zur Steigerung der grenzüberschreitenden Mobilität werden im Europaservice nun die Kräfte der EU-Arbeitsverwaltung (EURES), der Zentren für Berufsberatung „Euroguidance“ und der Rückkehrerberatung für Migranten gebündelt. In Nordrhein-Westfalen ist EURES seit Herbst 2004 mit den Europäischen Berufsberatungszentren (EBZ) zusammengelegt. Darüber hinaus vermitteln auch die Berater der grenznahen Arbeitsagenturen ins Nachbarland.

Die Euregios

Europa soll zusammenwachsen. Mittels der Euregios soll der Flickenteppich Europa an den „Nähten“ besseren Zusammenhalt finden. Die Euregios sollen den gebrochenen Raum namens Europa binden und den Grenzregionen helfen, von ihrem „Hinterland“-Image wegzukommen.

Euregio bezeichnet länderübergreifende regionale Zusammenschlüsse in Europa. Sie sollen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit vor allem wirtschaftlich, aber auch in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht fördern. Die Begriffe selbst sind nicht klar definiert, daher sind Euregios in unterschiedlichen Rechtsformen anzutreffen, z.B. als eingetragener Verein oder Stiftung. Insgesamt bestehen zwischen Deutschland und den Niederlanden fünf Euregios.

„Der eigentliche Beginn der heutigen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist (…) nicht mehr genau nachzuzeichnen, da sie sich in allen Grenzregionen von individuellen Initiativen Einzelner erst allmählich in Richtung erster Projekte, intensiverer Kontakte, formeller Strukturen und schließlich gemeinsamer Programme entwickelt hat. (…) Der Gründung grenzüberschreitender Arbeitsgemeinschaften ging überall ein längerer Prozess der Verständigung auf persönlicher Ebene voran“, schrieb die Staatskanzlei NRW 2005 in der Broschüre „Nachbar NRW“.

Die Euregios spielen im Grenzgebiet zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der EU-Fördergelder aus dem Interreg-Topf, der gezielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärken soll. 2001 trafen NRW und die Niederlande ein europaweit einzigartiges Abkommen: „Die europäischen Fördermittel fließen in einen gemeinsamen Topf, aus dem Projekte auf beiden Seiten der Grenze finanziert werden, unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze im Einzelfall der Schwerpunkt eines Projektes liegt. Dadurch werden Auseinandersetzungen um die Verteilung der europäischen Mittel vermieden und rückt die Qualität der Projekte in den Mittelpunkt,“ heißt es in der Broschüre der Staatskanzlei NRW von 2005.

Obwohl sich die Aufgaben der Euregios stark ähneln, sind sie sehr eigenständig und arbeiten zum Teil auch nebeneinander her. So hat jede Euregio einen eigenen Internetauftritt, häufig auch mit Informationen und Studien, die insgesamt für das deutsch-niederländische Grenzgebiet interessant sind. Daher lohnt sich bei der Informationssuche auch der Blick in andere Euregios.

Kurzdarstellung der Euregios an der deutsch-niederländischen Grenze:

Euregio Ems-Dollart - EDR

Die Ems Dollart Region (EDR) wurde 1977 mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit in der deutsch-niederländischen Grenzregion zu fördern und Kontakte auszubauen. Mittlerweile gehören dem Verband 105 Mitglieder an. Sie kommen aus den niederländischen Provinzen Groningen und Drenthe und auf deutscher Seite aus Ost-Friesland, dem Emsland und dem Cloppenburger Raum. Mitglieder sind öffentlich-rechtliche Organe: Gemeinden, Zusammenarbeitsverbände von Gemeinden, Städte, Landkreise, Kamers van Koophandel, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und die Ostfriesische Landschaft.

Erklärtes Ziel der EDR: „…dazu beitragen, dass negative Auswirkungen, die aus der Randlage im jeweiligen Land und der Situation in einem (einstigen) Grenzgebiet resultieren, überwunden und die Vorteile eines zusammenwachsenden Europas erkannt und genutzt werden. Jugend, Sport, Kultur, Bildung, Wirtschaft und Infrastruktur sind die Schwerpunkte der EDR.“

EUREGIO Gronau/Enschede

Dieser älteste deutsch-niederländische Zusammenschluss nennt sich einfach nur „EUREGIO“ und verbindet die grenznahen Kreise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit den Provinzen Gelderland, Overijssel und Drenthe. Gegründet 1958, definiert die Euregio als ihre Aufgabe: „…die Förderung der grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung und der soziokulturellen Zusammenarbeit und Begegnung von niederländischen und deutschen Bürgerinnen und Bürgern im euregionalen Raum.“

Euregio Rhein-Waal

Die Euregio Rhein-Waal ist ein Zweckverband von Gemeinden, Städten, Kreisen, niederländischen Provinzen, Industrie- und Handelskammern sowie dem Landschaftsverband Rheinland. Gegründet 1973, umfasst sie ein Gebiet mit mehr als 2,7 Millionen Einwohnern: Auf deutscher Seite die Kreise Wesel und Kleve, sowie die Stadt Duisburg; auf niederländischer Seite die Gebiete West-Veluwe, Arnhem-Nijmegen, Achterhoek, Zuid-West-Gelderland und Nordoost-Brabant. Die Euregio Rhein-Waal beschäftigt 22 Mitarbeiter, Sitz der Geschäftsstelle ist Kleve. Sie fördert deutsch-niederländische Veranstaltungen und Projekte inhaltlich und finanziell. Die Mittel stammen aus den Beiträgen ihrer Mitglieder und öffentlichen Fördergeldern aus der EU, den Niederlanden und NRW. Die Euregio Rhein-Waal arbeitet eng mit der Euregio Rhein-Maas Nord zusammen.

Euregio Rhein-Maas-Nord

Die Euregio Rhein-Maas Nord wurde 1978 gegründet und ist die Euregio mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Sie umfasst die Gebiete um Krefeld und Mönchengladbach, den Kreis Viersen und den südlichen Teil des Kreises Kleve sowie auf niederländischer Seite die Kommunen in Nord- und Mittellimburg mit u.a. den Städten Roermond und Venlo. Zu den Aktivitäten gehört der Bürgerservice für Grenzpendler: Renten-, Steuer- und Sozialversicherungsfachleute sowie Leistungsberater des Arbeitsmarktes und der Erziehungsgeldkasse erteilen kostenlos Auskunft zu grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen. Daneben wird auch eine Schülersprechstunde zu Ausbildungsmöglichkeiten im Nachbarland angeboten und über Kunstausstellungen bietet die Euregio ein grenzüberschreitendes Forum für Künstler und Kunstliebhaber aus der Region.

Euregio Maas-Rhein

Die bevölkerungsstärkste Euregio verbindet die Gebiete im Raum Aachen-Maastricht-Lüttich-Hasselt, also drei Länder: Deutschland, die Niederlande und Belgien. Gegründet 1976, wurde diese Arbeitsgemeinschaft 1991 in die Rechtsform einer Stiftung nach niederländischem Recht umgewandelt. Wichtigstes Beratungsorgan bei der grundlegenden Orientierung der grenzübergreifenden Politik ist der Euregiorat. Die Mitglieder werden nicht direkt von der Bevölkerung gewählt, sondern aus den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Instanzen der einzelnen Partnerregionen entsandt.

Europaweit bilden die Euregios seit 1971 die „Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen.


Autorin: Anneke Wardenbach
Erstellt: Oktober 2005
Aktualisiert: Februar 2014, Angelika Fliegner, sowie Januar 2018, Katrin Uhlenbruck