IV. Väter und Erwerbsarbeit

Anders als bei den Müttern hat das Alter der Kinder so gut wie keinen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung der Väter. Die meisten Männer arbeiten Vollzeit, egal ob kleine oder große Kinder zu Hause sind. Gerade in der Lebensphase, in der kleine Kinder im Haushalt leben, liegt die Anzahl der voll erwerbstätigen Männer in Deutschland und in den Niederlanden sehr hoch. Für Deutschland gilt darüber hinaus, dass der bei den Müttern so augenfällige Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland, bei den Vätern nicht zu erkennen ist. West- und ostdeutsche Väter kleiner Kinder sind besonders erwerbsorientiert.

Quelle: A. Fliegner
Quelle: A. Fliegner
© Angelika Fliegner

Teilzeitarbeit, bei Müttern ein populärer Weg um Familie und Beruf zu vereinen, schneidet bei den Vätern schlecht ab. Die deutschen Männer zeigen wie ihre niederländischen Nachbarn gerade in den Jahren, in denen potentiell Kinder im Haushalt leben, hohe Vollzeiterwerbsquoten. Nationale Studien bestätigen den Eindruck, dass vor allem Männer mit Kindern hohe Vollzeiterwerbsquoten haben. Im Jahr 2005 waren nur 3 Prozent der deutschen Väter in Teilzeit erwerbstätig. Auf niederländischer Seite waren es im selben Jahr 9 Prozent. [19]

Dies ist im Übrigen der größte Unterschied im Erwerbsverhalten deutscher und niederländischer Männer: Teilzeit ist in den Niederlanden deutlich stärker akzeptiert. Während der Anteil der Männer an allen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland 2005 bei 9 Prozent lag, waren es in den Niederlanden 24 Prozent. Während zum Beispiel junge Niederländer zwischen 20 und 24 zu 35 Prozent Teilzeitjobs haben, sind es in Deutschland in derselben Altersgruppe nur gut 15 Prozent. Insgesamt scheinen niederländische Männer weniger vor Teilzeitjobs zurückzuschrecken als ihre deutschen Geschlechtsgenossen.

Innerfamiliäre Arbeitsteilung

Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland verbringen Frauen mehr Stunden mit Hausarbeit als Männer, so ein weiteres Teilergebnis der ISSP-Umfrage aus dem Jahr 2002. Westdeutsche Frauen investieren nach Selbsteinschätzung mehr Zeit in die Hausarbeit als Niederländerinnen oder ostdeutsche Frauen. Auf Seiten der Männer investieren Ostdeutsche im Vergleich mit den Geschlechtsgenossen aus Westdeutschland und den Niederlanden die meiste Zeit in die unbezahlte Arbeit.

Die Frage, wie viele Stunden pro Woche, inklusive Überstunden, der (Ehe-)partner beziehungsweise die (Ehe-)Partnerin erwerbstätig ist, zeigt ebenfalls ein deutliches Geschlechtergefälle – nur dieses Mal in die andere Richtung. In allen drei Gruppen gaben die befragten Frauen mehrheitlich mehr Stunden an, die der Partner mit Erwerbsarbeit verbringt, als die befragten Männer dies für ihre Partnerinnen taten. Deutsche Männer verbringen nach Fremdeinschätzung durch die Partnerin häufiger als Niederländer mehr als 40 Stunden die Woche mit Erwerbsarbeit. Die von den Partnern geschätzten Wochenarbeitsstunden der Frauen zeigen deutlich, dass Niederländerinnen weitaus mehr und verschieden große Teilzeitstellen innehaben als deutsche Frauen.

Mit Geburt des ersten Kindes: Re-Traditionalisierung der Aufgabenteilung

Der Siebte Familienbericht (2006) des BMFSFJ weist darauf hin, dass deutsche kinderlose Paare eine ausgewogenere Verteilung der Hausarbeit praktizieren als Paare mit Kindern. „Nach der Geburt des ersten Kindes kommt es zu einer Umverteilung der Hausarbeit zu Ungunsten der Frau. Die Frau übernimmt einen zunehmend größeren Anteil, der Mann zieht sich weiter aus der Hausarbeit zurück.“ [20] Auch in den Niederlanden setzt mit der Geburt von Kindern eine gewisse Re-Traditionalisierung innerhalb der Partnerschaften ein: „Unterm Strich ist die Verteilung von Erwerbs- und Familienarbeit in der Lebensphase mit einem Kind unter 6 Jahren am asymmetrischsten.“ [21]

Wenn man nicht teilen kann: Alleinerziehende

Bei Alleinerziehenden sieht man ebenfalls einen Gender Gap zwischen traditioneller männlicher und weiblicher Arbeit, doch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind innerhalb dieser Gruppe weniger groß. In Deutschland sind alleinerziehende Väter ca. eine Stunde weniger am Tag erwerbstätig als Geschlechtsgenossen mit PartnerIn, alleinerziehende Mütter sind dafür fast eine Stunde pro Tag mehr berufstätig als Mütter, die mit einem/er PartnerIn zusammenwohnen. Alleinerziehende Väter widmen im Vergleich zu Vätern mit PartnerIn fast eine Stunde pro Tag mehr der Hausarbeit, alleinerziehende Mütter widmen ihr im Vergleich zu Müttern mit PartnerIn fast eine Stunde weniger pro Tag. [22]

Reine Zahlen zum Zeitbudget alleinerziehender Eltern wurden in den Niederlanden leider nicht erhoben.[23] Allerdings sind alleinerziehende Mütter in den Niederlanden – genau wie in Deutschland – zwar häufiger erwerbslos als Mütter mit PartnerIn, wenn sie jedoch eine Erwerbsstelle haben, beinhaltet diese öfter mehr Wochenarbeitsstunden als bei den Müttern mit (Ehe-)PartnerIn. [24] – es steht daher zu vermuten, dass sie deshalb – ebenfalls wie in Deutschland – etwas mehr Zeit in bezahlte Arbeit investieren als Mütter mit PartnerIn.


[19] KAS: Familienreport 2005, St. Augustin 2006, S. 36ff; Vgl. Quint, Karin: Vaders die willen moederen, in: NRC Handelsblad, 15.02.2006, S. 18.
[20] BMFSFJ: Siebter Familienbericht, S. 108.
[21] SCP/CBS: Emancipatiemonitor 2008, S. 118f.
[22] Statistisches Bundesamt: Zeitbudgets, Tabellenband I, Zeitbudgeterhebung. Aktivitäten in Stunden und Minuten nach Geschlecht, Alter und Haushaltstyp 2001/2002, Wiesbaden 2006, Tabelle 4.
[23] Das CBS hält sehr wohl Daten zur Zeitverwendung von Mitgliedern eines Eineltern-Haushaltes vor. Allerdings schließt dies die Kinder jener Haushalte mit ein. Vgl. CBS Statline: Tijdsbesteding naar persoonskenmerken.
[24] SCP/CBS: Emancipatiemonitor 2008, S. 92.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt:
Oktober 2010