III. Der Wandel im Überblick - Abnahme des Bevölkerungswachstums

Die betrachteten Entwicklungen zu Fertilität und Mortalität führen in ihrer Konsequenz in den Niederlanden zu einer Abnahme des Bevölkerungswachstums das schließlich negativ wird. Dennoch kommt es nach CBS-Prognosen in den Niederlanden nicht zu einem Rückgang der totalen Bevölkerungszahlen, sondern eher zu einer Stagnation.

Zeichnete sich in der Vergangenheit noch ein deutliches Bevölkerungswachstum ab (1950 wurde die 10 Millionengrenze erreicht, 1963: 12 mio., 1970: 13 mio., 1979: 14 mio., 199: 15 mio., 2001: 16 mio), gehen die zur Zeit aktuellsten Bevölkerungsprognosen (CBS, mittlere Variante) davon aus, dass die Einwohnerzahl in 2033 – 2036 knapp über 17 Millionen liegen wird, um in 2050 auf 16,8 Millionen abzusinken. Nach diesen Prognosen, würde die Bevölkerung gegenüber der Heutigen (Zur Jahresmitte des Jahres 2006 zählten die Niederlande rund 16.3 Millionen Menschen) in über 40 Jahren um nur 500.000 wachsen. Aber immerhin – sie wächst.

Dies ist unter anderem einem Zustand geschuldet, welcher als dritte Komponente des demografischen Wandels bestimmt und neben der Erhöhung der Fertilität als mögliche Stellschraube zur Kompensierung demografischer Effekte anzuführen ist: Der Migration.

Zwischen „Allochtonen“ und „kennismigratie“

Die Grafik zeigt anhand des zahlenmäßige Aufkommens und dem auch zukünftig erwarteten positiven Migrationssaldo deutlich, dass die Niederlande auch in Zukunft Ihrer Rolle als als Einwanderungsland gerecht werden. Dennoch soll diese Grafik nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Möglichkeiten für nicht westliche „Allochtonen“, deutlich verschlechtert haben. Für Nicht-EU-Bürger bedeutet dies im Prinzip eine höhere Zugangsbarriere – Migranten müssen wirtschaftlichen Nutzen stiften. Der Akzent in der Einwanderungspolitik verschiebt sich deshalb verstärkt hin zu einer „kennismigratie“ (Dt: Wissensmigration). Die Einkommensanforderungen stiegen und es wurde eine Einbürgerungspflicht eingeführt. Aber auch die Asylmigration ist in den letzten Jahren zurückgegangen.

Den zweitgrößten Teil ausländischer Bevölkerungsgruppen machen übrigens in die Niederlande eingewanderte Deutsche aus, deren Bevölkerungsgruppe in 2006 mit 383 Tausend vor den aus Suriname (323), Marokko (323) oder den Niederländischen Antillen stammenden (129) Einwanderern liegt. Platz eins belegen Allochtonen aus Indonesien bzw. aus den ehemaligen Kolonien Niederländisch-Ostindiens.

Migration wichtiger denn je

Aufgrund der Eigenschaft als Einwanderungsland und der Notwendigkeit von Migration zur Bevölkerungserhaltung, aber vor allem auch, da der zu erwartende Migrationssaldo für die Niederlande nach den Prognosen auch in den kommenden Jahrzehnten positiv sein wird, wird das Thema auch zukünftig einen zentralen Platz in der niederländischen Politik und Gesellschaft einnehmen.

Auch wenn in den Niederlanden (wie im Übrigen in Deutschland auch) oftmals der Eindruck vermittelt wird, als sei das Thema „vergrijzing“ ein neues Phänomen, zeigt die bisherige Betrachtung, dass der Bevölkerungsumfang eine längerfristige Pfandabhängigkeit aufweist. Bereits Anfang der Siebziger Jahre übersteigt der Anteil der Todesfälle, die der Lebendgeburten.


Autor: Boris Krause
Erstellt: Januar 2008