Recht und Justiz - Personen A-Z



Cornelis van Vollenhoven

*Dordrecht, 8. Mai 1874 - †Leiden, 29. April 1933 - Professor für Niederländisch-Indisches Recht und international renommierter Völkerrechtler

C. Vollenhoven
C. Vollenhoven, Quelle: NA (138-0167)

Cornelis van Vollenhoven wurde 1874 als Sohn des Bankiers Willem Jan van Vollenhoven und seiner Frau Maria Elisabeth Rijshouwer geboren. Er verlor beide Eltern schon in jungen Jahren. Von 1891 bis 1897 studierte er in Leiden Jura, semitische Sprachen und Staatswissenschaften und promovierte 1898 mit einer Arbeit über Umfang und Inhalt des Völkerrechts. Danach arbeitete er für den Abgeordneten und späteren Kolonialminister J. Th. Cremer, ehe er 1901 in Leiden zum Professor für Niederländisch-Indisches Volksrecht (das sogenannte Adatrecht) sowie Staats- und Verwaltungsrecht der Kolonien ernannt wurde. Diesen Lehrstuhl bekleidete er bis zu seinem vorzeitigen Tod infolge einer Thrombose im April 1933. In dieser Zeit bildete er eine große Zahl niederländischer Kolonialbeamter aus und betreute 78 Promotionen. 1917 amtierte er als Rektor der Leidener Universität.

Cornelis van Vollenhoven engagierte sich im Lauf seiner Karriere wissenschaftlich und publizistisch in zwei Bereichen: dem Kolonialrecht bzw. dem rechtlichen Status Niederländisch-Indiens und dem Völkerrecht. In beiden Bereichen waren seine Arbeiten beeinflusst von der humanistischen Rechtsphilosophie des bedeutenden niederländischen Gelehrten Hugo Grotius (1583-1645).

Van Vollenhoven konzentrierte sich nach seiner Berufung nach Leiden zunächst auf die Erforschung der einheimischen Rechtstraditionen Niederländisch-Indiens. Ab 1906 erschien in Lieferungen der erste Teil seines Standardwerks „Het adatrecht von Nederlandsch-Indië“ (1918), der sich auf das Recht der einheimischen Bevölkerung konzentrierte. 1932 lag der zweite Band komplett vor, in  dem das Recht einheimischer ethnischer Minderheiten wie der Chinesen oder Araber, religiöse Aspekte des Adatrechts sowie dessen Einbindung in die übergeordneten rechtlichen Strukturen Niederländisch-Indiens im Mittelpunkt standen. Er setzte sich für die uneingeschränkte Anerkennung der unterschiedlichen Rechtskreise in der Kolonie ein und wollte ihnen praktische Geltung verschaffen. Zugleich erteilte er allen offiziellen Überlegungen, sie durch ein einheitliches Recht niederländischer Prägung zu ersetzen, eine Absage.

Auf der Grundlage seiner wissenschaftlichen Forschungen trat van Vollenhoven schon in den frühen zwanziger Jahren öffentlich dafür ein, Niederländisch-Indien größere politische und verwaltungsrechtliche Selbständigkeit zu gewähren. Er respektierte die indonesischen Traditionen und das dortige Wertesystem und setzte der niederländischen paternalistischen Haltung gegenüber der Kolonie die Vorstellung einer Entwicklung in größerer Eigenständigkeit entgegen. Damit stieß er auf den erbitterten Widerstand von Teilen der niederländischen Öffentlichkeit, die ihm und der Leidener Universität die Anfachung des indonesischen Nationalismus vorwarfen.

In seinen völkerrechtlichen Arbeiten stand für van Vollenhoven die Ächtung des Angriffskrieges als Mittel der Politik im Mittelpunkt. Er setzte sich für einen internationalen Gerichtshof ein, der in der Lage sein sollte, Staaten zu verurteilen und seine Urteile mit militärischen Mitteln durchzusetzen. In den zwanziger Jahren engagierte er sich auch auf internationaler Ebene und stand von 1924 bis 1927 der „Claims Commission United States and Mexico“ vor. Seine wichtigsten Überlegungen zum Friedensvölkerrecht fasste er in dem 1932 erschienenen Werk „Du droit de paix. De iure pacis“ zusammen.

Cornelis van Vollenhoven war der bedeutendste niederländische Rechtsgelehrte des 20. Jahrhunderts. Sein ethisch begründeter Einsatz für die Anerkennung der eigenständigen Rechtstraditionen Niederländisch-Indiens und seine Forderung nach weitgehender Autonomie der größten niederländischen Kolonie sowie sein Engagement für ein Völkerrecht, das den internationalen Frieden erhalten sollte, waren wegweisend.

Autor: Christoph Strupp
Erstellt: Mai 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Recht und Justiz finden Sie unter Bibliographie

Veen, Theo: Cornelis van Vollenhoven over onze nationale staatsrechtsstudie, in: Tijdschrift voor rechtsgeschiedenis 61 (1993), S. 411-434.

Kanter-Van Hettinga Tromp, B. J. A. de/ Eyffinger, A.: Cornelis van Vollenhoven 1874-1933, Den Haag 1992.

Sonius, H. W. J.: Over Mr. C. van Vollenhoven en het adatrecht van Indonesië, Nimwegen 1976.

Beaufort, Henriëtte L. T. de: Cornelis van Vollenhoven 1874-1933, Haarlem 1954.

Asbeck, F. M. van (Hrsg.): Mr. C. van Vollenhoven’s verspreide geschriften, 3 Bde., Haarlem/’s-Gravenhage 1934-1935.

Links

Wichtige Links zum Thema Recht und Justiz finden Sie unter Institutionen

Van Vollenhoven Institut


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: