Recht und Justiz - Personen A-Z


Abraham (Bram) Maarten Moszkowicz

*Maastricht, 26. Juni 1960 - Jurist, Politiker

MoszkowiczBram Moszkowicz während des Holleederprozesses im Jahr 1987, Quelle: Roland Gerrits / Anefo - Nationaal Archief CC BY-SA

“Ich traue mich zu sagen, dass ich als Anwalt immer gute Arbeit geleistet habe, aber alles was dazu gehört, den administrativen Krempel, den habe ich unterschätzt.“ Mit diesen Selbsteinschätzungen hat der ehemalige niederländische Staranwalt Bram Moszkowicz vermutlich nicht Unrecht. So ließen sich namhafte Persönlichkeiten wie der Rechtspopulist Geert Wilders, der umstrittene Präsident von Surinam Desi Bouterse und der Heineken Entführer Willem Holleeder gerne vor Gericht von Moszkowicz vertreten und zahlten auch die horrenden Stundensätze seiner Kanzlei. Letztlich stolperte Moszkowicz jedoch über den besagten „administrativen Krempel“ und verlor 2013 seine Anwaltslizenz.

Moszkowicz wurde am 26. Juni 1960 als Abraham (Bram) Maarten Moszkowicz in Maastricht geboren. Nach seinem Jurastudium an der Universität von Amsterdam, folgte er 1985 in die Fußstapfen seines Vaters Max Moszkowicz Sr. und die seiner Brüder David und Max Jr. und wurde ebenfalls Rechtsanwalt in der Familienkanzlei. Er leitete den Sitz in Amsterdam. Moszkowicz machte dabei in der Vergangenheit nicht nur durch spektakuläre Prozesse von sich Reden, bei denen er häufig bekannte Persönlichkeiten vertrat, wie etwa den Fußballer Robin van Persie. Auch seine regelmäßigen Auftritte in den Medien und in Werbespots, ebenso wie sein Hang zu einem dekadenten Lebensstil machten ihn Niederlandeweit bekannt.

Bereits zwei Jahre nach seinem Abschluss war Moszkowicz an einem der bekanntesten Prozesse in der niederländischen Geschichte beteiligt: Er wurde der Strafverteidiger von Willem Holleeder, eine Untergrundgröße, die maßgeblich an der Entführung des damaligen Brauereibesitzers Freddy Heineken beteiligt war. Moszkowicz hatte Holleeder als Klienten von seinem Vater Max Sr. übernommen und vertrat ihn zwanzig Jahre lang. Das Mandat endete in 2007 weil es, wie Moszkowicz selbst behauptete, „nicht länger zweckdienlich für Holleeder sei“. Dem war ein jahrelanges Hin und Her über die Art der Verbindung zwischen Moszkowicz und Holleeder vorangegangen. So wurden Vorwürfe laut, dass Holleeder sein Untergrundimperium von Moszkowiczʼ Kanzlei aus leitete, da Moszkowicz ihm erlaubte die Kanzlei als seinen Wohnort anzugeben und dort das Telefon zu nutzen. Dabei stieß es vielen Kommentatoren sauer auf, dass Moszkowicz nicht nur Holleeder jahrelang vertrat, sondern auch Willem Endstra, ein vermeintliches Erpressungsopfer Holleeders, der laut eigenen Angaben von Holleeder in Moszkowiczʼ Kanzlei mit einer Pistole bedroht wurde. Kurz vor der Niederlegung seines Mandats war Moszkowicz in Absprache mit der Polizei untergetaucht, nachdem ihm mehrfach von Unbekannten gedroht worden war. Vermutungen, dass Holleeder hinter den Drohungen steckte, konnten nie belegt werden.

Für ebenso viel Aufsehen wie die Verbindung zwischen Holleeder und Moszkowicz, sorgte das Verhältnis zwischen Moszkowicz und dem umstrittenen Präsidenten Surinams Desi Bouterse. Von 1980 bis 1988 führte Bouterse die Militärregierung in der ehemaligen niederländischen Kolonie Surinam und steht seitdem im Verdacht, sich an den sogenannten Dezembermorden beteiligt zu haben. Ab 1999 vertrat Moszkowicz Bouterse in dessen Abwesenheit in einem Drogenprozess in den Niederlanden, bei dem Bouterse zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Das Urteil konnte jedoch bislang nicht vollstreckt werden, da Bouterse seit der Verkündung nicht mehr in die Niederlande gereist ist und seit 2010 diplomatische Immunität genießt. Moszkowicz musste sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Verhältnis mit dem umstrittenen Bouterse nicht nur professionell, sondern sehr freundschaftlich war. Es gibt Videoaufnahmen, die die beiden Männer freudig miteinander tanzend in einem Hotel in der surinamischen Hauptstadt Paramaribo zeigen.

Auch der Rechtspopulist Geert Wilders gehört zum illustren Kreis der Moszkowicz-Klienten. 2010 stand Wilders wegen Anstachelung zum Hass, Diskriminierung und Beleidigung vor dem Amtsgericht Amsterdam und wurde von Moszkowicz verteidigt [NiederlandeNet berichtete]. Das Verfahren endete mit einem Freispruch für Wilders.

Trotz vielen medienwirksamen Prozessen und vielen Erfolgen vor Gericht darf Moszkowicz seit Oktober 2012 nicht mehr als Anwalt in den Niederlanden tätig sein. Hintergrund waren Vorwürfe der Steuerhinterziehung, dem ein Disziplinarverfahren folgte. In 2007 nahm das niederländische Steueramt die Steuererklärungen von Moszkowicz unter die Lupe und stellten dabei einige Ungereimtheiten fest. Diese ließen darauf schließen, dass Moszkowicz Barzahlungen von Klienten nicht in die offiziellen Abrechnungen aufgenommen, und dadurch Steuern hinterzogen hatte. Es wird vermutet, dass Moszkowicz mindestens 2,5 Millionen Euro an den Fiskus hätte zurückzahlen müssen. Dies konnte er jedoch durch Beantragung der (Privat-) Insolvenz vermeiden. Die Steueruntersuchung führte im September 2012 zu einem Disziplinarverfahren, welches damit endete, dass Moszkowicz die Anwaltslizenz entzogen wurde.

Bram Moszkowicz in einer Robijn Werbung, Quelle: Youtube

Danach folgten Auftritte als Kriminalitätsexperte bei RTL und unter anderem Werbekampagnen für einen Waschmittelhersteller. Zuletzt machte Moszkowicz von sich Reden als er ankündigte in die Politik zu wechseln. Am 21. April 2015 präsentierte er sich als Kandidat der Partei VoorNederland, einer neugegründeten Partei von den ehemaligen PVV Anhängern Joram van Klaveren und Louis Bontes. Obwohl es bereits zu internen Problemen mit Bontes gekommen ist, will Moszkowicz 2017 bei den Tweede Kamer-Wahlen mit VoorNederland antreten.

Autorin: Stéphanie Woldringh
Erstellt: November 2015


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Recht und Justiz finden Sie unter Bibliographie

Abraham Moszkowicz: Liever rechtop sterven dan op knieen leven, Amsterdam 2014

Abraham Moszkowicz: Onkruid, Amsterdam 2013

Links

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