VIII. Zahlen zum Drogenkonsum

Die Dokumentation des Drogenkonsums ist in den Niederlanden sehr ausgeprägt. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Einrichtungen, die Zahlen über Drogenabhängigkeit, Drogenkonsum, Alkohol und Tabak zusammentragen. Der Nationale Drugmonitor (NDM) des Trimbosinstituts fasst die Ergebnisse der einzelnen Gruppen jährlich zusammen. Alle vier Jahre gibt es dann eine groß angelegte Studie über den Drogenkonsum in der breiten Bevölkerung.

Konsum

Der Konsum von Cannabis ist in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen seit 2001 leicht gestiegen: von 3,3 Prozent auf vier Prozent, die 2011 als regelmäßige Konsumenten galten. Rund 30.000 Erwachsene erhielten zwischen 2007 und 2009 die Diagnose „Cannabis-Abhängigkeit“; die Zahl derer, die medizinische Hilfe in Anspruch nahmen, verdreifachte sich zwischen 2002 und 2011; 2012 sank sie erstmals leicht. Unter Schülern unter 18 Jahren galten 2011 acht Prozent als Cannabis-Konsumenten, das waren etwa ebenso viele wie fünf Jahre zuvor. 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung haben Erfahrung mit Kokain, weniger als ein Prozent gelten als häufige Konsumenten. Unter jungen Erwachsenen käme der Kokainkonsum häufiger vor; dennoch sei es weniger beliebt als Ecstasy. Diese relativ junge Droge wurde zwischen 2001 und 2005 von zirka 40.000 Niederländern regelmäßig konsumiert, das sind 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Unter Schülern der höheren Schulen sei der Ecstasykonsum zwischen 2003 und 2011 unverändert geblieben, besonders verbreitet bleibe es in der Partykultur. Dort steigt nach Angaben des Nationale Drugsmonitor aber auch der Konsum von – im Vergleich zu Kokain relativ preisgünstigen – Amphetaminen.


Die Zahl der Heroinkonsumenten nimmt weiter ab: Im Jahr 2008 wurden 18.000 Heroinabhängige und damit deutlich weniger als noch zehn Jahre zuvor gezählt. Unter Jugendlichen gelte Heroin als eine „Loserdroge“, mit der man nicht assoziiert werden möchte. Seit Beginn des Jahrtausends geht auch die Zahl der Junkies in der Suchthilfe zurück. Allerdings haben inzwischen auch die ersten Seniorenheime für Heroinabhängige eröffnet.

Drogenkriminalität in den Niederlanden

Die Mehrheit, nämlich 72 Prozent der Ermittlungen in Richtung organisierter Kriminalität, hatten 2011 in den Niederlanden mit Drogen zu tun. Meist geht es um harte Drogen, und unter diesen zumeist um den Handel mit Kokain. Doch auch die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen weicher Drogen steigt. Auch der Kampf gegen die Herstellung von und den Handel mit Ecstasy schlägt sich in den Zahlen nieder. Insgesamt nimmt der Anteil der Verfahren wegen Verstoßes gegen das Opiumwet an allen Verfahren zu; innerhalb des Opiumwets steigt der Anteil der Cannabisdelikte. Unter Umständen ist die Steigerung allerdings schlicht auf die 2012 neu eingeführte Wietpas-Politik zurückzuführen. 15 Prozent der Strafgefangenen saßen 2012 wegen Verstoßes gegen das Opiumgesetz ein.

Internationaler Vergleich

Im internationalen Vergleich stehen die Niederlande mit ihrer Drogenpolitik nicht schlecht da. 3,1 Prozent der Bevölkerung galten 2008 als drogenabhängig. In Großbritannien (10,2 Prozent), Spanien (8,5 Prozent) oder Italien (7,9 Prozent) war der Anteil der Menschen, die einen problematischen Umgang mit Drogen hatten, wesentlich höher. Bei Heroin und Kokain liegen die Niederlande laut Nationale Drugmonitor 2012 im europäischen Mittelfeld, allerdings gibt es viel mehr Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren, die Cannabis konsumieren – nämlich 14 Prozent versus sieben Prozent im europäischen Durchschnitt. Laut einer Studie des Open Society Institute ist der Anteil derer, die je in ihrem Leben Marihuana probiert haben, in den Niederlanden mit 25 Prozent deutlich niedriger als in den USA (mehr als 40 Prozent) und Großbritannien (mehr als 30 Prozent).

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Dezember 2009
Aktualisiert: November 2013, Jeanette Goddar