VI. Drogenhilfe, Drogenberatung, Drogenprävention

Die Niederlande kennen ein breites Netz der Drogenhilfe und Beratung. Ambulante, halb stationäre oder stationäre Hilfen werden angeboten, und diese werden auch umfangreich genutzt.

Drogenberatung

So haben im Jahr 2006 über 6.500 Cannabiskonsumenten eine Drogenberatungsstelle aufgesucht. Tendenz steigend. Besonders stark stieg die Zahl der Kokainpatienten. Zwischen 1994 und 2004 von 2.500 auf 10.000, so geht aus einem Bericht des Trimbosinstituts hervor. Bei den Amphetaminen gibt es zwar eine steigende Zahl der Konsumenten (0,6 Prozent), aber die Zahl der Behandelten bleibt relativ gering. Im Jahr 2006 waren es 1.215. Auch der Gebrauch von Ecstasy mündet selten in einer Drogenberatungsstelle. Laut Trimbos waren dies 2006 gerade mal 228 Menschen, obwohl es 40.000 Konsumenten gibt.

Zahl der Beratungsgespräche
Quelle: LADIS 2006, www.sivz.nl
Sucht Personen 2006 Veränderung zu 2005 Anteil an den Drogenberatungen
Alkohol 30.210 -3% 46%
Opiate 13.180 -7% 20%
Kokain 9.599 -2% 15%
Amphetamin 1.215 +9% 2%
Cannabis 6.544 +7% 10%
Spielsucht 2.646 -12% 4%
Sonstiges 1.999 +12% 3%
Gesamt 65.393 -2% 100%

Wer Probleme mit dem Drogenkonsum hat, für den steht die landesweit geltende Info-Hotline 0900/1995 zur Verfügung. Die Drogenline gibt vertrauliche Informationen und Ratschläge über Drogen und Drogenkonsum. Zudem bietet das Trimbosinstitut so genannte Homepartys an, die sich an Eltern und Jugendliche richten. Das Institut hat festgestellt, dass nur wenige Eltern eine Informationsveranstaltung besuchen, weil sie sich schämen. Durch die Homeparty können wichtige Informationen zu Hause gegeben werden, in der Regel werden diese von der kommunalen Beratungsstelle geleitet.

Stationäre Behandlung

Eine positive Entwicklung gibt es bei der stationären Behandlung. Die Krankenhäuser nehmen immer weniger Menschen auf, die starke Opiate (etwa Heroin) gebrauchen. Das Trimbosinstitut verfügt über statistische Erhebungen aus dem Jahr 2001: Damals lag die Zahl der Heroinabhängigen zwischen 24.000 und 46.000 Menschen. 2005 und 2006 sei die Zahl der Heroinabhängigen nochmals um sieben Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2003 verfügten die niederländischen Krankenhäuser über 1.810 Betten für eine therapeutische bzw. psychiatrische Behandlung.

Zudem gibt es auch noch 280 Betten für eine halb stationäre Behandlung und 32 so genannte Fixerstuben, in denen Abhängige in einer hygienischen Umgebung ihre Drogen spritzen können. In diesen Stuben wird auch eine pflegerische Hilfe angeboten, um den Konsum zu kontrollieren. Seit den 1980er Jahren können Drogenabhängige ihre gebrauchten Spritzen gegen neue eintauschen. 115 solcher Tauschstellen gibt es in den Niederlanden.

Ambulante Behandlung

Die meisten Menschen mit Drogenproblemen lassen sich ambulant behandeln. Hier gibt es Hilfen bei akuten Vergiftungen, Beratungen zum Entzug und zur Einschränkung des Konsums. Die ambulanten Praxen leisten auch eine hohe Präventionsarbeit.

Seit 1968 gibt es in den Niederlanden ein Methadonprogramm für Opiumabhängige. Die Verabreichung von Methadon kann helfen, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und das Risiko einer Überdosierung von Opiaten zu verringern. Auch Infektionskrankheiten wie AIDS oder Hepatitis C können so vermieden werden. Nicht zuletzt reduziert eine gezielte Methadonverabreichung ein Abrutschen in die Kriminalität. Im Jahr 2006 haben 12.000 Opiatabhängige eine Methadonbehandlung in Anspruch genommen.

Heroinausgabe

Seit 2002 läuft in sechs niederländischen Städten (Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Groningen, Heerlen und Utrecht) ein Heroinprogramm, in dem langjährig therapieresistente Abhängige sowohl mit Heroin als auch Methadon versorgt werden. Aber nicht nur das: Auch auf das körperliche Wohlsein wird hier geachtet und auf die Bekämpfung krimineller Handlungen. Offensichtlich mit Erfolg: Im Juni 2004 wurde das Programm von 300 auf 1.000 Plätze ausgeweitet. Seit 2009 wird in 14 Städten an 600 Patienten Heroin auf Rezept ausgegeben.

Der Konsum harter Drogen geht nicht selten mit einer Form der Kriminalität einher. 2006 gab es in den Niederlanden 448 Intensivstraftäter, die in einer juristischen Einrichtung versorgt werden mussten. Die Abhängigen, die oftmals starke psychiatrische Probleme haben, wurden vom Richter zu Strafen verurteilt, die in der Regel allerdings zu kurz sind, um die Patienten für mehrere Jahre in eine spezielle Entzugsklinik einweisen zu können. Seit 2004 gibt es die Möglichkeit, solche Täter zwangsweise für maximal zwei Jahre in einer Einrichtung zu versorgen, in der sie individuell und intensiv behandelt werden. Ziel ist es, den Teufelskreis zu durchbrechen und weitere Rückfälle zu vermeiden.

Drogenprävention

Die Aufklärung über die Gefahren des Drogenkonsums übernehmen in den Niederlanden zum Großteil die Gesundheitsämter (Gemeentelijke gezondheidsdienst, kurz GGD). Das Trimbosinstitut entwirft im Auftrag des Gesundheitsministeriums (Min VWS) groß angelegte Medienkampagnen, etwa „Uitgaan en Drugs“ (dt. „Ausgehen und Drogen“) oder „De gezonde school en genotmiddelen“ (dt. „Die gesunde Schule und genussmittel“), an der sich die Hälfte aller niederländischen Schulen beteiligt. Darüber hinaus haben die Schulen selbst und die Polizei eigene Aufklärungskampagnen.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Dezember 2009