V. Was man über Drogen wissen sollte

Die Wirkungsweise von Drogen kann sehr unterschiedlich sein. Drogen können stimulierend, betäubend oder gar bewusstseinsverändernd wirken. Während Kokaine und Amphetamine (Speed) – aber auch Kaffee oder Tabak – stimulierend anregen, haben Heroin und andere Opiate eine gefährliche betäubende Wirkung. Auch Alkohol und Schlafmittel können ähnliche Effekte hervorrufen. Eine Bewusstseinsveränderung tritt in der Regel beim Konsum von LSD, Haschisch, Marihuana oder Pilzen auf. Der Konsument nimmt seine Umwelt anders wahr. Ecstasy oder Haschisch können eine unterschiedliche Reaktion hervorrufen: Sie können stimulierend wirken, aber auch depressiv oder betäubend stimmen.

Die Gesetzeslage

Der niederländische Gesetzgeber unterscheidet zwischen legalen und illegalen Drogen und zwischen harten und weichen Drogen. Alkohol, Kaffee und Tabak haben zwar eine stimulierende Wirkung, der Konsum ist aber nicht strafbar. Im Opiumgesetz sind alle Mittel aufgeführt, die vom Staat als Droge angesehen werden. Das Opiumgesetz führt zwei Listen. In der ersten Liste werden Drogen aufgeführt, deren Konsum ein großes Gesundheitsrisiko darstellen. Dazu zählen: Heroin, Kokain, Amphetamine, LSD und XTC. Auf der zweiten Liste stehen vor allem Hanfprodukte, sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie Valium und Seresta. Auch giftige Pflanzenarten werden hier aufgeführt.

Die Niederländer unterscheiden demnach harte Drogen (Liste 1) und weiche Drogen (Liste 2). Harte Drogen sind gefährlicher als weiche Drogen und dies schlägt sich auch im Strafmaß nieder. Für den Konsumenten sind die Folgen des Drogenkonsums allerdings weniger deutlich abzuschätzen: Auch weiche Drogen können eine sehr gefährliche Wirkung entfalten. Schlaf- und Beruhigungsmittel passen in der Regel nicht in dieses Schema, da sie oft nur auf Rezept zu beziehen sind und in erster Linie als Medikament verstanden werden.

Gründe für den Drogenkonsum

Die Drogenhistorie des Menschen ist alt. Schon in der Antike haben Menschen bewusstseinserweiternde Drogen zu sich genommen. Die Frage ist: warum? Das niederländische Trimbosinstitut stellt fest, dass Drogenkonsum in erster Linie immer eine bewusste Entscheidung des Konsumenten ist. Häufig wisse der Konsument allerdings nicht, auf, was er sich einlasse, da er die Eigenschaften und Risiken einer Droge nicht einschätzen kann. Dies gilt vor allem für Erstkonsumenten, meist junge Menschen, die sich gerne einer Gruppe zugehörig fühlen wollen, neugierig sind oder Probleme verdrängen möchten.

Ob jemand dauerhaft eine Droge benutzt, liege in erster Linie an der individuellen Person, so das Trimbosinstitut. Vor allem der unmittelbare Bekanntenkreis sei entscheidend und übe großen Einfluss auf die Person aus. Allerdings heißt das nicht, dass die Akzeptanz oder die Ablehnung einer Droge durch den Freundeskreis oder die Familie immer zu ähnlichen Reaktionen des Konsumenten führen muss. Der Drogenkonsum sei ein Phänomen, welches sich nicht ohne weiteres auf eine bestimmte Gruppe oder Klasse beschränken lasse. Jede gesellschaftliche Schicht kenne Probleme im Umgang mit Drogen.

Viele Drogenkonsumenten beschränken sich auf eine Droge, andere nehmen unterschiedliche Mittel, abhängig von der Situation und der Stimmung, in der sie sich befinden. Anregende Drogen werden häufig zu Partys genommen oder von Menschen, die nachts arbeiten. Drogen mit einer beruhigenden oder betäubenden Wirkung werden vor allem von Menschen mit Schlafproblemen oder Angststörungen benutzt. Bewusstseinsverändernde Drogen werden vor allem von neugierigen jungen Menschen genommen, die etwa gerne wissen möchten, wie es ist, Cannabis zu rauchen.

„Wer Drogen konsumiert, entscheidet sich dafür“, so das Trimbosinstitut. Wenn allerdings der Drogenkonsum zur Sucht wird, spielen ursprüngliche Entscheidungen keine große Rolle mehr. Drogen können als Flucht aus der Realität wahrgenommen werden oder aber auch in eine Abhängigkeit führen, die man nicht mehr unter Kontrolle hat. „Es ist sicherlich nicht so, dass jeder, der Drogen nimmt, auch sofort abhängig wird“, so das Trimbosinstitut. Abhängigkeiten hängen von mehreren Faktoren ab: von dem Mittel, der Person selbst und der Situation, in der man sich befindet.

Risiko Sucht

Das Trimbosinstitut unterscheidet zwischen körperlicher und geistiger Drogenabhängigkeit. Eine körperliche Abhängigkeit drücke sich in Entzugserscheinungen oder so genannten Toleranzen aus, das bedeutet, dass jemand immer mehr von einem Mittel benötigt, um dieselben Effekte zu spüren. Eine geistige Drogenabhängigkeit zeige sich dann, wenn der Konsument das Gefühl hat, dass er ohne diese Droge nicht mehr seinen Alltag bestreiten kann. Der Konsum von Drogen sei immer ein Spiel mit dem Feuer, so das Trimbosinstitut. Drogen können Risiken in sich bergen, die man schwer abschätzen kann und körperliche und geistige Abhängigkeiten auslösen können. Das Institut schlüsselt die stärksten Risikofaktoren nach kurz- und langfristigen Risiken auf:

Kurzfristige Effekte: Viele Drogen verstärken eine Stimmungslage. Unzufriedenheit kann zu einer Depression führen, Angst zu Panik. Körperlich können Drogen zu Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen führen.  Vor allem für Menschen in einer schlechten Stimmungslage können Drogen gefährlich sein. Ein latentes Risiko bildet eine Überdosierung von Drogen, die mitunter tödlich enden kann. Drogen beeinflussen das Konzentrations- und Wahrnehmungsvermögen. Im Straßenverkehr und auf der Arbeit erhöht sich dadurch das Unfallrisiko, auch schulische Leistungen können darunter leiden.

Langfristige Effekte: Bei einem langfristigen Konsum von Drogen erhöht sich das Abhängigkeitsrisiko, mit der Folge, dass die körperlichen und geistigen Schäden ungleich höher sind: etwa der Ausfall von wichtigen Organfunktionen oder starke geistige Beeinträchtigungen.

Drogenarten

Die am häufigsten vorkommenden Drogen sind: Alkohol, Koffein, Kokain, Haschisch, Marihuana, Opiate, Pilze, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Speed, XTC. Seltener kommen vor: DXM, GHB, Heroin, Ketamine, Khat, Efedrine, Poppers oder Lachgas.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt:
Dezember 2009