IV. Spitzenkandidaten der Parteien

Bei den Wahlen zur niederländischen Zweiten Kammer waren es zumeist „alte Hasen“ in der Politik, welche die Listen der wichtigsten Parteien anführen. Bis auf den Sozialdemokraten Job Cohen (PvdA), den Sozialisten Emile Roemer (SP) sowie Rita Verdonk mit ihrer neuen Bewegung TON handelte es sich bei den Spitzenkandidaten zudem auch um all jene Köpfe ihrer Parteien, welche bereits bei den letzten Wahlen im Jahr 2006 die Listen anführten. Die im niederländischen als „Lijsttrekker“ – zu Deutsch etwa „Listenzieher“ – bezeichneten Anführer treten während des Wahlkampfes traditionell als bedeutendste Wortführer ihrer Partei auf. Welche Position sie nach der Wahl ausführen, steht hingegen nicht zwingend fest. Zumeist werden sie später aber auch als Fraktionsvorsitzende gewählt. Kommt die Partei in die Regierung, dann ist oftmals auch das Amt des Ministerpräsidenten oder Vizepremier Folge der vorherigen Spitzenkandidatur.

Die prominenten oder weniger prominenten Köpfe, welche den niederländischen Parlamentswahlkampf Jahr 2010 prägten, sollen an dieser Stelle nacheinander vorgestellt werden.

Jan Peter Balkenende (CDA)

An der Spitze des Christen Democratisch Appèl (CDA), dem Wahlsieger der letzten Wahlen zur Zweiten Kammer im Jahr 2006, stand auch 2010 der Konservative Jan Peter Balkenende (1956). Auch nach mittlerweile vier Kabinetten unter seiner Führung und trotz der Tatsache, dass alle die Regierungen Balkenende zuvor vor Ablauf der regulären Legislaturperiode von fünf Jahren gescheitert waren, wurde dem in der Provinz Zeeland aufgewachsenen Balkenende nach dem Fall seines letzten Kabinetts zu Beginn des Jahres 2010 von seiner Partei direkt wieder das Vertrauen ausgesprochen und er später wiederum als Spitzenkandidat nominiert. Vereinzelte Kritiker aus der eigenen Partei meldeten sich zwar immer wieder zu Wort, konnten sich letztendlich aber nicht durchsetzen.

Die Tiefpunkte seiner Amtszeit konnte Balkenende nach Ansicht des niederländischen Nachrichtensenders NOS jedoch mit Hilfe seiner soliden Ausstrahlung gekonnt aussitzen. Während er im Ausland einen sehr guten Ruf genießt, hängt Balkenende in den Niederlanden selbst das Bild eines Tollpatschs an, und wird ihm eine mangelhafte Regieführung unterstellt. Nicht alleine in seiner eigenen Partei wird er hingegen jedoch auch aufgrund seiner exzellenten Wahlkampagnen gerühmt. Leitmotiv seiner Politik war dabei Zeit seiner Präsidentschaft stets das Thema „Normen und Werte“.

Bevor Balkenende als Spitzenkandidat des CDA gewählt wurde, belegte er den Posten des Fraktionsvorsitzenden (2001–2002, 2003, 2006–2007), war Abgeordneter der Zweiten Kammer (1998–2002), Lehrbeauftragter an der Vrije Universiteit Amsterdam (1993–2002), Mitarbeiter beim Akademischen Rat (1998–1984) sowie in der Kommunalpolitik in der Gemeinde Amstelveen aktiv (1998–1998).

Auf der Kandidatenliste des CDA fanden sich 2010 neben Jan Peter Balkenende auf Platz 1 auf den ersten dreißig Plätzen lauter erfahrene Politiker. Die Ausnahme bildet die 32-jährige Hanke Bruins-Slot (Platz 21), die zurzeit als Offizier beim niederländischen Militär tätig ist. Neue Gesichter finden sich dann erst ab Platz Nummer 39. Abgeschlossen wird die Liste mit dem 33-jährigen Peter Ruys aus Arnheim.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Jan Peter Balkenende 1956
2. Ank Bijleveld 1962
3. Maxime Verhagen 1956
4. Marja van Bijsterveldt 1961
5. Ab Klink 1958
6. Jan Kees de Jager 1969
7. Joop Atsma 1956
8. Elly Blanksma 1959
9. Gerda Verburg 1957
10. Sybrand van Haersma Buma 1965

Job Cohen (PvdA)

Die sozialdemokratische Partij van de Arbeid (PvdA) ging 2010 mit dem sich erst kurze Zeit im Amt befindenden, politisch sehr erfahrenen Spitzenkandidaten Job Cohen (1947) in die Wahlen zur Zweiten Kammer. Er übernahm die Rolle des „Gesichts“ der PvdA Ende April von seinem Vorgänger, dem ehemaligen Finanzminister und Vizepremier im Kabinett Balkenende IV, Wouter Bos. Nachdem dieser Mitte Mai nach dem Fall des Kabinetts seinen vollständigen Rückzug aus der Partei angekündigt hatte, hat die PvdA in den Umfragen immer weiter an Popularität gewonnen. Cohen unterscheidet sich durch seinen Vorgänger dabei vor allem dadurch, dass sein vorrangigstes Ziel der Konsens und das Miteinander ist.

So wollte er in seiner Rolle als möglicher Ministerpräsident nach dem 9. Juni sein bisheriges Motto aus der Zeit als Bürgermeister von Amsterdam beibehalten und dafür sorgen, den „Laden zusammenzuhalten“. In Amsterdam zeigte sich dieses Grundmotiv darin, dass Job Cohen versuchte, die verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen in den Zeiten großer Polarisation an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Konkurrent und Rechtspopulist Geert Wilders nimmt dieses Bild Job Cohens zum Ausgang seiner Kritik an dem geborenen Haarlemer und bezeichnet ihn als „teetrinkenden Multikultikuschelbär“. Dabei lässt es Wilders allerdings unerwähnt, dass Cohen sich in seiner Zeit als Staatssekretär für ein strengeres Ausländergesetz eingesetzt hat.

Job Cohen wird als erfahrener Politiker beschrieben, der durchaus die Fähigkeiten besäße, die Niederlande wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Er gilt als besonnener Wissenschaftler sowie „weiser Mann“ und gehört zum alten Schlag der niederländischen Sozialdemokratie. Bevor er den Posten als PvdA-Spitzenkandidat antrat, war er neben dem Bürgermeisterposten in Amsterdam unter anderem Kuratoriumsvorsitzer der PvdA-nahen Beckman-Stiftung (2001–heute), Justiz-Staatssekretär (1998–2001), Mitglied der ersten Parlamentskammer (1995–1998), Universitätsrektor in Maastricht (1983–1993, 1995–1998), Bildungs-Staatssekretär (1993–1994) sowie Wissenschaftlicher Angestellter und Dozent (1971–1993).

Auf der Kandidatenliste der PvdA 2010 fanden sich neben Job Cohen abwechselnd Frauen und Männer auf den übrigen Plätzen. Auf den ersten zehn Plätzen findet man – ähnlich wie bei dem CDA – aber auch ausschließlich bekannte Namen von erfahrenen Politikern. Als höchster „Neueinsteiger“ belegt das Amsterdamer Gemeinderatsmitglied Ahmed Marcouch den 15. Platz.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Job Cohen 1947
2. Nebahat Albayrak 1968
3. Ronald Plasterk 1957
4. Mariëtte Hamer 1958
5. Jeroen Dijsselbloem 1966
6. Jetta Klijnsma 1957
7. Diederik Samson 1971
8. Gerdi Verbeet 1951
9. Frans Timmermans 1961
10. Sharon Dijksma 1971

Emile Roemer (SP)

Nachdem sich die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Socialistische Partij (SP), Agnes Kant, Anfang März 2010 aufgrund schlechter Wahlergebnisse recht unerwartet und plötzlich von der Fraktionsspitze verabschiedete, war es die Aufgabe der Partei, zügig einen Nachfolger zu benennen, der als Spitzenkandidat für die Parlamentswahlen im Juni antreten konnte. Nach dem Abgang des langjährigen Fraktionsvorsitzenden Jan Marijnissen aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 2008 war dies innerhalb der sozialistischen SP somit innerhalb weniger Jahre bereits der zweite große Wechsel. Als Ergebnis seiner Überlegungen schob die Fraktion nur einen Tag nach dem verkündeten Weggang Kants den bisher recht unbekannten Emile Roemer (1962) nach vorne und wählte ihn zu ihrem Vorsitzenden.

Auf der Ebene der Landespolitik war Roemer 2010 noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Der gelernte Lehrer stammt aus der Region Brabant und war lange Jahre in seiner Heimatgemeinde Boxmeer kommunalpolitisch aktiv. Selbst sieht er sein persönliches Ziel darin, die Welt zu verbessern. Diesem Ziel ist er seit dem Jahr 2006, als er zum ersten Mal Mitglied der Zweiten Kammer wurde, ein deutliches Stück näher gekommen. Zuletzt war er innerhalb seiner Fraktion als Sprecher für den Bereich Verkehr zuständig und ist dort des Öfteren als passionierter Redner und Abgeordneter aufgefallen. Vor seiner Karriere in der Landespolitik war Emile Roemer Vorsitzender der SP in der Gemeinde Boxmeer (1980–2007), er war für einige Jahre Mitglied des Parteivorstandes der Partei (1997–2000), kommunaler Beigeordneter in Boxmeer (2002–2006) sowie in seinem erlernten Beruf als Lehrer in Beuningen und Boxmeer tätig (1986–2002).

Auf der Kandidatenliste der SP fanden sich 2010 auf den ersten 14 Plätzen lauter erfahrene Politikerinnen und Politiker. Das erste neue Gesicht findet sich auf dem 15. Platz, wo sich die 30-jährige Jugend-Sozialarbeiterin Nine Kooiman zur Wahl stellt.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Emile Roemer 1962
2. Harry van Bommel 1962
3. Jan de Wit 1945
4. Renske Leijten 1979
5. Ronald van Raak 1969
6. Ewout Irrgang 1976
7. Sadet Karabulut 1975
8. Paul Ulenbeld 1952
9. Jasper van Dijk 1971
10. Sharon Gesthuizen 1976

Mark Rutte (VVD)

Die liberale Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) und damit auch ihr Spitzenkandidat Mark Rutte (1967) schienen vor den Wahlen 2010 auf einer Erfolgswille zu schwimmen: Wurde Rutte noch im Jahr 2009 zum Politiker des Jahres gewählt, machte sich dies kurz vor den Wahlen im Juni auch in den Meinungsumfragen deutlich, welche die VVD seit Mitte Mai erstmals anführte. Bei den Wählern galt der noch recht junge Kandidat als stets gut gelaunt und besaß das Image eines „idealen Schwiegersohns”. Politisch war Rutte progressiv-liberal eingestellt, was einigen Altpolitikern aus der Partei bei seiner Wahl im Jahr 2006 zum Parteileiter und Fraktionsvorsitzenden zu wenig rechts von der Mitte war. Besser in dieses Idealbild passte die damalige Rutte-Herausforderin Rita Verdonk, die seinerzeit in dem Zweikampf unterlag und 2010 mit einer eigenen Bewegung zur Wahl antrat.

Mark Rutte ist studierter Historiker und spielte früher sogar einmal mit dem Gedanken, Pianist zu werden. Seine Parteikarriere begann er als Vorsitzender der liberalen Jugendorganisation JOVD (1988–1991). Außerhalb der Politik war Rutte lange Jahre in der freien Wirtschaft, unter anderem bei der Firma Unilever, aktiv. Zuletzt hatte Rutte landespolitisch die Rolle des Staatssekretärs für Bildung (2004–2006) sowie Arbeit und Soziales (2002–2004) inne. Mitglied der Zweiten Kammer ist er seit dem Jahr 2003.

Auf der Kandidatenliste der VVD zur Wahl 2010 fiel auf, das bereits auf dem 4. Platz mit der 37-jährigen Jeanine Hennis-Plasschaert ein neues Gesicht auftaucht. So ganz neu ist der Name jedoch nicht, da Hennis-Plasschaert bereits seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments ist. Ebenfalls gut plaziert ist auf dem 10. Platz die 38-jährige Betty de Boer, die bis jetzt als Fraktionsvorsitzende der VVD in Groningen aktiv ist.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Mark Rutte 1967
2. Edith Schippers 1964
3. Fred Teeven 1958
4. Jeanine Hennis-Plasschaert 1973
5. Stef Blok 1964
6. Paul de Krom 1963
7. Frans Weekers 1967
8. Atzo Nicolaï 1960
9. Charlie Aptroot 1950
10. Betty de Boer 1971

Geert Wilders (PVV)

Vor gar nicht langer Zeit galt Geert Wilders (1963) mit seiner Ein-Personen-Partei Partij voor de Vrijheid (PVV) bereits als sicherer Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten. Wo er im Sommer 2009 jedoch noch die Meinungsumfragen lange Zeit anführte, muss er sich wenige Wochen vor der Wahl nur mit dem prognostizierten vierten Platz bei den Meinungsforschungsinstituten zufrieden geben. Die aktuell vorhergesagten rund 20 Sitze würden aber immer noch eine mehr als Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2006 bedeuten, als die Gruppe von Geert Wilders neun der 150 Sitze erringen konnte.

Inhaltlich machte der Rechtspopulist Wilders vor allem mit umstrittenen Aussprachen zum Thema Einwanderung auf sich aufmerksam, indem er beispielsweise eine Steuer auf das Tragen von religiösen Kopftüchern forderte. „Ich habe genug vom Islam in den Niederlanden: kein Moslemimmigrant mehr dazu. Ich habe genug vom Koran in den Niederlanden: verbietet dieses faschistische Buch. Genug ist genug.“, so Wilders 2007 in der Tageszeitung de Volkskrant.

Parteipolitisch war Wilders zunächst lange Zeit in der liberalen VVD aktiv, bevor man ihn dort im Jahr 2004 aufgrund seines festen Standpunktes bezüglich einer EU-Mitgliedschaft der Türkei aus der Fraktion ausschloss. Nach zwei Jahren als Fraktionsloser Abgeordneter gründete Wilders im Jahr 2006 vor den Parlamentswahlen seine eigene Partei mit dem Schwerpunktthema Islamisierung. In der Zweiten Kammer selbst saß Geert Wilders seit 1998. Zuvor war er unter anderem Mitglied des Gemeinderats der Stadt Utrecht (1997–1998), Mitarbeiter der Parlamentsfraktion der VVD (1990–1998) sowie Angestellter bei verschiedenen Institutionen der Kranken- und Sozialversicherung (1984–1988).

Die Kandidatenliste der PVV wurde nach ihrer ersten offiziellen Vorstellung zwei Mal angepasst, da sich verschiedene Kandidaten zurückgezogen hatten. Die vor der Wahl 2010 für die Partei in der Zweiten Kammer sitzenden neun Abgeordneten finden sich allesamt auf den ersten 15 Plätzen der Liste. Als bestplatzierte neue Kandidatin belegt die 36-jährige Anwältin Lilian Helder den 3. Platz.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Geert Wilders 1963
2. Fleur Agema 1976
3. Lilian Helder 1973
4. Raymond de Roon 1952
5. Martin Bosma 1964
6. Sietse Fritsma 1972
7. Teun van Dijck 1963
8. Louis Bontes 1956
9. Dion Graus 1967
10. Richard de Mos 1976

Femke Halsema (GL)

Die eher links-liberal eingestellte Femke Halsema (1966) war bereits seit dem Jahr 2002 Spitzenkandidatin von GroenLinks (GL), nachdem sie das Amt in jenem Jahr von Paul Rosenmöller übernommen hatte. In ihrer politischen Karriere war Femke Halsema zunächst in der PvdA aktiv, bevor sie im Jahr 1997 zu GroenLinks wechselte. Zweifelte man in den ersten Monaten ihrer Amtszeit als Spitzenkandidatin noch an ihren Führungsqualitäten – Halsema galt als quengelig und eilitär – hat sich dieses Bild jedoch mehr und mehr gedreht.

Die studierte Kriminologin und Rechtssoziologin Halsema kam erstmals 1998 in die Zweite Kammer. Zuvor war sie unter anderem Mitglied des Programmrates der PvdA (1997–1998), Mitarbeiterin der PvdA-nahen Beckmann-Stiftung (1993–1997) sowie Dozentin an der Universität Utrecht (1992).

Die Kandidatenliste von GroenLinks 2010 begann bewusst mit erfahrenen Politikern. Das jüngste neue Gesicht war die 24-jährige Jesse Klaver auf Platz Nummer 7. Sie war Vorsitzende der Jugendorganisation der Gewerkschaft CNV und ehemalige Vorsitzende der Jugendorganisation von GroenLinks.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Femke Halsema 1966
2. Jolande Sap 1963
3. Tofik Dibi 1980
4. Mariko Peters 1969
5. Ineke van Gent 1957
6. Liesbeth van Tongeren 1958
7. Jesse Klaver 1986
8. Bruno Braakhuis 1961
9. Arjan El Fassed 1973
10. Linda Voortman 1979

André Rouvoet (CU)

Die Eigenschaften, mit denen André Rouvoet (1962) von der christlich-sozialen ChristenUnie (CU) beschrieben wird, lesen sich allesamt sehr gut: Rouvoet sei integer, prinzipientreu, gebildet und redegewandt. Der reformierte und in Hilversum geborene Politker wird von seinen Kollegen stark respektiert, da er stets zivilisiert und auf den Inhalt gerichtet debattiert. Leitfaden seiner Arbeit sei vor allem die Bibel: Persönlicher Antrieb sei es „alle meine Talente einzusetzen für die christliche Politik: das Dienen für das Königreich von Gott“.

Der studierte Jurist Rouvoet ist seit dem Jahr 1994 Mitglied der niederländischen Zweiten Kammer. Die Ämter des politischen Leiters und Fraktionsvorsitzenden bekleidet er seit dem Jahr 2002. Zuletzt war André Rouvoet unter anderem Minister für Jugend und Familie (ab 2007), Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaften (ab 2010) sowie Fraktionssekretär der ChristenUnie und ihrer Vorgängerpartei RPF (1994–2002).

Auf der Kandidatenliste der ChristenUnie 2010 stellten sich alle sechs Abgeordneten des vergangenen Parlamentes wiederum zur Wahl und nahmen die höheren Plätze ein. Unter den Kandidaten waren zudem auffallend viele Frauen. Die höchste Neueinsteigerin war dabei die 35-jährige Wissenschaftlerin Martine Vonk auf Platz Nummer 8.

Platz Name Geburtsjahr
1.
André Rouvoet 1962
2. Arie Slob 1961
3. Esmé Wiegman-van Meppelen Scheppink 1975
4. Joël Voordewind 1965
5. Carola Schouten 1977
6. Martine Vonk 1974
7. Ed Anker 1978
8. Cynthia Ortega-Martijn 1956
9. Ernst Cramer 1960
10. IJmert Muilwijk 1984

Alexander Pechtold (D66)

Der Spitzenkandidat der Democraten 66 (D66), Alexander Pechtold (1965), wird gemeinhin als wordgewandt und geistreich beschrieben. Die Parlamentspresse rief ihn im Jahr 2009 zudem zum Politiker des Jahres aus. Erfolg konnte Alexander Pechtold darüber hinaus auch in den Meinungsumfragen verbuchen, wo seiner Partei wenige Wochen vor der Wahl im Juni um die zehn Parlamentssitze prognostiziert wurden – nach der Wahl 2006 konnte die D66 nur ganze drei Abgeordnete stellen.

Pechtholt studierte Kunstgeschichte und Archäologie in Leiden. Mitglied von D66 ist er seit dem Jahr 1989 – seit 2006 ist er zudem politischer Leiter, Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat seiner Partei. Zuvor war Pechtold unter anderem Minister für Verwaltungsreform und Königreichsbeziehungen (2005–2006), Bürgermeister der Gemeinde Wageningen (2003–2005), Vorsitzender der D66 (2002–2005) sowie Beigeordneter der Stadt Leiden (1997–2003).

Auf der Kandidatenliste von D66 für die Wahl 2010 standen gut und gerne 22 neue Personen verzeichnet. Die bestplatzierte Neueinsteigerin war dabei Magda Berndsen auf Platz Nummer 3, die bisher als Korpschefin bei der Polizei in der Provinz Friesland arbeitete. Bekanntes neues Gesicht war auch die ehemalige Journalistin und TV-Moderatorin Pia Dijkstra auf Rang 13, die noch bis zum Jahr 2000 das NOS Journaal, die niederländische Hauptnachrichtensendung, präsentierte.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Alexander Pechthold 1965
2. Boris van der Ham 1973
3. Magda Berndsen-Jansen 1950
4. Gerard Schouw 1965
5. Fatma Koser Kaya 1968
6. Wassila Hachchi 1980
7. Stientje Veldhoven-van der Meer 1973
8. Wouter Koolmees 1977
9. Kees Verhoeven 1967
10. Marty Smits 1972

Marianne Thieme (PvdD)

Als Spitzenkandidatin der Tierschutzpartei Partij voor de Dieren (PvdD) führte Marianne Thieme (1972) eine noch recht junge Partei – und zugleich die einzige niederländische Themenpartei im Parlament – in den Wahlkampf 2010. Die PvdD existiert erst seit dem Jahr 2002. Thieme gehörte dabei zu den Mitbegründern und übernahm bereits 2003 den Parteivorsitz. Seitdem bildet sie zugleich das Gesicht der Partei. Politisch hat sich Marianne Thieme ganz dem Kampf für Tierrechte gewidmet und hat dieses Thema mithilfe ihrer zwei Personen starken Fraktion in den vergangenen Jahren mehr und mehr populär gemacht.

Nach dem Studium des Verwaltungsrechts arbeitete Thieme zunächst als Forscherin und Mitarbeiterin einer Tierstiftung. Für ihre Partei stand Marianne Thieme zuletzt bei den Parlamentswahlen 2003 und 2006 sowie bei den Europawahlen 2004 als Spitzenkandidatin zur Wahl. Bis 2006 war sie zudem auch Vorsitzende der Stiftung Wakker Dier (dt. Waches Tier).

Platz Name Geburtsjahr
1.
Marianne Thieme 1972
2. Esther Ouwehand 1967
3. Anja Hazekamp 1968
4. Frank Wassenberg 1966
5. Bram van Liere 1980
6. Luuk Folkerts 1963
7. Estefania Pampín Zuidmeer 1981
8. Jasmijn de Boo 1975
9. Luuk van der Veer 1962
10. Johnas van Lammeren 1973

Kees van der Staaij (SGP)

Mit der Nominierung von Kees van der Staaij (1968) durch die protestantisch-reformierte Staatkundig Gereformeerde Partij (SGP) als Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat fand 2010 ein Generationswechsel an der Spitze der Partei statt. Sein Vorgänger Bas van der Vlies (1942) war zuletzt der „Nestor“ der Zweiten Parlamentskammer und spielte bereits vor der Wahl 2006 mit dem Gedanken, den Staffelstab an den deutlich jüngeren Kees van der Staaij zu übergeben – seine Partei überredete ihn jedoch, noch eine weitere Legislaturperiode die Spitze der SGP zu bilden. Van der Vlies saß nunmehr fast 30 Jahre in der Zweiten Kammer, seit dem Jahr 1986 besetzte er zudem die Positionen des Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidaten.

Der neue Mann Kees van der Staaij passt mit seinen Einstellungen voll und ganz zu der radikalkonservativen und orthodox-calvinistischen SGP: als seine Triebfeder nennt er die Normen und Werte der Bibel, mit deren Hilfe er erkennbar und konstruktiv seinen Beitrag zu einem guten öffentlichen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess beitragen möchte. Selbst hofft er auf Proteststimmen bei der Wahl am 9. Juni und bezieht sich dabei auf ein Urteil des Hohen Rates der Niederlande, in dem dieser die SGP dazu mahnte, zukünftig auch Frauen den Weg in die Partei zu ermöglichen – dies wir bislang ausdrücklich ausgeschlossen. Die besten Ergebnisse erzielte die SGP zuletzt vor allem in der Region des so genannten niederländischen Bibelgürtels, in dem viele streng gläubige Wähler zuhause sind.

Kees van der Staaij ist von Hause aus studierter Jurist und arbeitete unter anderem beim Raad van State (1992–1996). In der Zweiten Kammer saß er bereits seit 1998 – mit 29 Jahren war er damals der jüngste Abgeordnete. Auf der Kandidatenliste 2010 fanden sich – trotz des unlängst gefällten Urteils (NiederlandeNet berichtete) – ausschließlich Männer verzeichnet. Als bestplatzierter Neuling nahm der 47-jährige Servaas Stoop Platz Nummer 4 ein. Der jüngste Kandidat war mit 24 Jahren Wim van Duijn und belegt Platz 9.

Platz Name Geburtsjahr
1.
Kees van der Staaij 1968
2. Elbert Dijkgraaf 1970
3. Roelof Bisschop 1956
4. Servaas Stoop 1962
5. Hans Tanis 1961
6. Diederik van Dijk 1971
7. Geert Schipaanboord 1985
8. Arnold Weggeman 1968
9. Wim van Duijn 1964
10. Peter Zevenbergen 1956

Rita Verdonk (ToN)

In Ihrem politische Leben war Rita Verdonk (1955) bereits in vielen Parteien Mitglied. Im Jahr 2008 hat sie nun zuletzt ihre eigene Bewegung Trots op Nederland (TON) gegründet, nachdem sie im Jahr 2007 aus der Fraktion der VVD ausgeschlossen wurde. Konnte sie kurz nach der Gründung von Trots op Nederland laut Umfragen noch mit fast 30 der insgesamt 150 Sitze in der Zweiten Kammer rechnen, ist es wenige Wochen vor der Wahl gar nicht mehr so sicher, ob die Partei überhaupt einen Sitz erreichen kann. Würde dies gelingen, wäre es insgesamt keine Verbesserung zur heutigen Situation, wo Rita Verdonk nach dem Ende bei der VVD als Ein-Personen-Fraktion ihr Dasein in der Zweiten Kammer fristet.

Selbst beschreibt sich Verdonk als einen „Macher“, der insgesamt als „offen und ehrlich“ zu charakterisieren ist. Seit ihrer Zeit als niederländische Integrationsministerin wurde ihr jedoch aufgrund ihrer relativ strengen Immigrationspolitik zudem der Stempel „Eiserne Rita“ aufgedrückt. Neben ihrem Posten als Integrationsministerin (2003–2007) war Rita Verdonk für kurze Zeit ebenfalls als Justizministerin (2006) tätig. Zuvor arbeitete sie unter anderem als Managerin und Direktorin bei KPMG (1999–2003), als Direktorin im Innenministerium (1996–1999) und Angestellte im Justizministerium (1992–1996).

Platz Name Geburtsjahr
1.
Rita Verdonk 1955
2. Arthur van der Putte 1956
3. Carel Hoffman 1948
4. Kees Koppens 1951
5. Dirk Uittenbogaard 1962
6. Roel Martens 1985
7. Olof-Jan Smits 1961
8. Mark Liedekerken 1961
9. André Hanekamp 1962
10. Hanno Hoekstra 1959

Autor: Tim Mäkelburg
Erstellt: Mai 2010
Aktualisiert: Juli 2012