XIII. Umfassende Vorgehensweise: Prävention und Entradikalisierung

Nach 2001 entwickelten AIVD, Polizei und Justiz eine umfassende und integrale Vorgehensweise zur Terrorismusbekämpfung. Es wurden nicht nur die Gewalttaten selbst in Angriff genommen, sondern auch die vorausgehenden Entwicklungen. Ebenso wie das Phänomen „Terrorismus“ in der öffentlichen Debatte sehr weit aufgefasst und mit allerlei anderen Tendenzen in Zusammenhang gebracht wurde,  so entwickelte auch die Regierung eine Politik, mit der Radikalisierung und Terrorismus als ein weitreichendes gesellschaftliches Phänomen bekämpft werden sollte. Das bedeutete, dass der Kampf nicht nur auf polizeilichem und gerichtlichem Gebiet, sondern auch innerhalb des Bildungswesens, hinter den Moscheetüren und sogar bei der Erziehung geführt werden musste. In einer Öffentlichkeitskampagne, die der „Nationale Koordinator“ nach 2004 auf Kosten des Parlaments organisierte, wurden dann auch nicht nur die normalen „Bürger“, sondern auch Streetworker und Lehrer auf ihre Verantwortung bei der (Früh-)Erkennung einer Radikalisierung hingewiesen.

Anders als in den 70er Jahren lag der Fokus nun auf dem ideologischen und ideellen, sowie auf dem sozial-psychologischen Hintergrund von Radikalisierung und Gewalt. Das führte zu einer Vielzahl an Untersuchungen zum Thema Radikalisierung, hauptsächlich von islamischen Jugendlichen. Die Ursachen der Radikalisierung und die gesellschaftlichen Folgen davon wurden dabei in einem engen Zusammenhang untersucht. Laut des AIVD stellte eine Radikalisierung nicht erst eine Gefahr dar, wenn es sich um tatsächliche Gewaltäußerungen handelte, sondern bereits dann, wenn radikale Ideen die soziale Kohäsion untergruben und die Polarisierung der Gesellschaft förderten.

Durch das Ausbleiben neuer Terroranschläge fokussierte sich die Politik im Laufe des Jahres 2006 immer mehr auf das Thema Radikalisierung (und Entradikalisierung). Die Gemeinde Amsterdam stellte 2007 einen umfangreichen Handlungsplan zum Vorgehen gegen Radikalisierung vor. Auch in anderen Teilen des Landes nahmen lokale Behörden Interventionen vor, die sich gegen eine Radikalisierung richteten. So wurde in Zusammenarbeit mit gemäßigten muslimischen Kräften ein Programm an alternativem Gedankengut entwickelt, in islamischen Gemeinschaften die Kenntnis über die Demokratie befördert und die Verbreitung von radikalem Gedankengut erschwert. Diese Art von Maßnahmen hatte zum Ziel, die Wehrhaftigkeit der Gesellschaft, vor allem innerhalb des islamischen Bevölkerungsteils, zu vergrößern. e festgenommen wurden, von denen nur 27 verurteilt wurden.


Autorinnen: Beatrice de Graaf und Ilse Raaijmakers
Erstellt: August 2009