IV. Kriminalitätsentwicklung und Unsicherheitsgefühl

Das Soziale und Kulturelle Planbüro (SCP) in Den Haag hat für die vergangenen zehn Jahre einen leichten Anstieg der Kriminalität beobachtet. 1999 wurden 600.000 Straftaten mehr gemeldet als 1992. Dabei handelt es sich vor allem um Einbrüche, Autodiebstahl, Vandalismus, Körperverletzung und Taschendiebstahl. Rund ein Viertel der Bevölkerung über 15 Jahre wurde Opfer eines Verbrechens. Das sind insgesamt etwa drei Millionen Menschen. Ein Drittel der Opfer zeigte die Tat bei der Polizei an. Die Polizei registrierte von 1990 bis 1999 keinen wesentlichen Anstieg der Zahl angezeigter Straftaten. Unter den Tätern dominiert die Gruppe der jungen Ausländer. 30 Prozent der Verdächtigen wurden nach der Untersuchung des SCP im Ausland geboren, vor allem in Marokko und auf den niederländischen Antillen.

Die Aufklärungsquote der Polizei sank nach Angaben des SCP von 22 Prozent 1990 auf unter 15 Prozent 2000. Die niedrige Aufklärungsquote entsteht nach dem Bericht dadurch, dass in der ersten Instanz zwei Drittel aller Anzeigen von der Polizei wegen zu geringer Bedeutung oder eines fehlenden Anfangsverdachts nicht weiter verfolgt werden. In rund 80.000 Fällen fanden sich Anknüpfungspunkte für die Polizei, die Fälle weiterzuverfolgen. Allerdings wurden viele dieser Fälle wegen der Personalknappheit der Polizei nicht verfolgt. Das SCP kalkuliert, dass mindestens 2000 zusätzliche Polizisten nötig wären, um diese Fälle abzuarbeiten. Die Zahl der Polizisten ist allerdings in den neunziger Jahren gestiegen, wenn auch nicht ausreichend. Während es 1990 je 100.000 Einwohner noch 190 Polizisten gab, waren es 2000 schon 215. Damit liegen die Niederlande allerdings noch immer unter dem europäischen Durchschnitt.

Anzahl der von Bürgern gemeldeten Straftaten
Zeitraum 1992 bis 2000, Angaben in 1.000

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Straftaten 4.460 4.439 4.533 4.506 4.006 4.544 4.691 4.781 4.674
Anzahl der durch die Polizei registrierten Straftaten
Zeitraum 1992 bis 2000, Angaben in 1.000

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000
Straftaten 1.150 1.182 1.268 1.227 1.189 1.226 1.222 1.284 1.306

Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung

Nach einer Untersuchung des Sozialen und Kulturellen Planbüros (SCP) in Den Haag ist das Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren kaum gestiegen. Zum selben Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Nipo in Amsterdam aus dem Jahr 2002. Danach fühlten sich 76 Prozent der Befragten sicher, wenn sie sich auf der Straße bewegen. Eine Umfrage des Instituts im November 1998 hatte dagegen ergeben, dass rund die Hälfte aller Niederländer sich unsicherer fühlt als zehn Jahre zuvor. 59 Prozent der Befragten sagten, sie hätten kein Vertrauen in die Verbrechensbekämpfung durch den Staat.

Anteil der Bevölkerung, der sich unsicher fühlt
Zeitraum von 1992 bis 1999, Angaben in Prozent
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Personen, die Angst haben, alleine zu Hause zu sein 24 25 23 23 21 19 18 20
Personen, die Angst haben, abends die Tür zu öffnen 52 54 56 56 57 55 54 57
Personen, die unsichere Orte in ihrem Stadtteil beklagen 43 35 35 34 33 23 21 31
Personen, die sich unsicher fühlen, wenn sie ausgehen 17 19 18 17 17 15 15 18
Umfrage zum Umgang von Staat, Polizei und Richtern mit der Kriminalität
Zeitraum 1996 bis 2002, Zustimmung in Prozent
1996 2002
Der Staat tut zu wenig für die Verbrechensbekämpfung 55 68
Der Staat sorgt gut für die Sicherheit seiner Bürger 21 20
Der Staat sorgt gut für die Sicherheit seiner Bürger 35 45
Die Polizei macht ihre Arbeit 38 35
Die Polizei ist vertrauenswürdig 49 48
Die Richter sind vertrauenswürdig 58 57
Verbrecher werden im allgemeinen zu leicht bestraft 78 91

Autor: Karsten Polke-Majewski
Erstellt: Mai 2003