XVIII. Resümee

Etikett und Gedankengut

Auch wenn die niederländische Forschung mehrheitlich die Ansicht vertritt, dass Geert Wilders sowie die Partij voor de Vrijheid auf Grund ihrer Programmatik als populistische bzw. rechtspopulistische Akteure einzuordnen sind, ist es unabdingbar, die bevorzugten Etiketten stets zu hinterfragen und näher zu erläutern.

Koen Vossen beschreibt die PVV im Jahre 2013 als weitestgehend populistische Partei, deren Gedankengut im Bereich des Islam-Alarmismus stark von international beachteten Islam-Kritikern wie Oriana Fallaci, Bat Ye’or und Hans Jansen beeinflusst worden ist. Der niederländische Historiker weist in diesem Zusammenhang gleichzeitig die fehlende inhaltliche Originalität der politischen Bewegung von Geert Wilders auf diesem zentralen Politikfeld nach. Nationalistische Elemente runden laut Vossen gemeinsam mit Plädoyers für das Prinzip „Zucht und Ordnung“ – allen voran im Bereich der Verbrechensbekämpfung – das Profil der Partei ab. Libertäre Standpunkte zum Beispiel in Bezug auf die Rechte von Homosexuellen sorgen überdies dafür, dass die PVV eine Sonderrolle in der ohnehin äußerst heterogenen rechtspopulistischen Parteienlandschaft in Europa einnimmt.

Wähler

Die Wähler der PVV sind nicht auf das Musterpaar Henk und Ingrid zu reduzieren. Geert Wilders’ Elektorat setzt sich nämlich aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammen. Auch wenn manche Gruppen – man denke an Bürger mit einem niedrigen Bildungsniveau oder einem geringeren Einkommen – stärker vertreten sind, ist es insgesamt betrachtet gerechtfertigt, die These aufzustellen, dass die PVV dazu in der Lage ist, in vielen Milieus Unterstützung zu finden.

Letzteres ist nicht erstaunlich, da Geert Wilders’ Anhang bei den meisten Themen keine grundsätzlich anderen Ansichten als die Gesamtheit der Wähler vertritt. Sie urteilen bisweilen lediglich schärfer. Zudem spielen für die PVV-Wähler zum Teil andere Politikfelder eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidungsfindung. Dabei ist in beiden Fällen in erster Linie an die Themen „Immigration“, „Integration“ und „Europäische Union“ zu denken.


Autor: André Krause
Erstellt: September 2014