XVI. Die PVV-Wähler im Gespräch

Weiterhin ist auf eine Reihe von Interviews mit PVV-Anhängern zu verweisen. In seinem Buch Achter de PVV. Waarom burgers op Geert Wilders stemmen (2012) präsentiert Chris Aalberts, Experte im Bereich „Politische Kommunikation“, die folgenden Ergebnisse, die zahlreiche Befunde aus der oben angeführten CBS-Studie Verkiezingen: Participatie, Vertrouwen en Integratie aus dem Jahre 2011 bestätigen[1]:

Der Anhang der PVV ist grundsätzlich in zwei Gruppen zu unterteilen: Auf der einen Seite gibt es Interviewte, die angeben, Wilders’ politische Bewegung stets die Treue zu halten. Auf der anderen Seite kommen Anhänger zu Wort, die als Zweifler einzuordnen sind. Letztere sind im Rahmen der oben genannten Arbeit in der Überzahl.

Die PVV-Sympathisanten verfolgen die Politik eher oberflächlich. Der CBS-Studie ist zu entnehmen, dass sich Wilders’ Anhang diesbezüglich nicht von der Gesamtheit der Wähler unterscheidet. Dabei konzentrieren sie sich in der Regel auf Themen, die ihrer Meinung nach als relevant einzustufen sind. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Interviewten die politische Bewegung von Geert Wilders meist auf Grund einzelner Standpunkte bevorzugen. Insbesondere die Umfrage von Maurice de Hond nach den Wahlen zur Zweiten Kammer im Jahre 2012 legt nahe, um welche Themen es sich zumindest zum Zeitpunkt dieser Befragung handelt. Alles in allem fühlen sich die PVV-Anhänger jedoch in erster Linie emotional zu den Rechtspopulisten hingezogen.

Im Gegensatz zu den PvdA- und GroenLinks-Anhängern, die bei Aalberts auch als Interviewpartner fungieren, stufen Wilders’ Sympathisanten das Etikett „Populist“ nicht als negativ ein. Sie vertreten stattdessen die Ansicht, dass ein Politiker, der auf die Bürger im Land höre, willkommen sei.

Aus Aalberts’ Arbeit geht des Weiteren hervor, dass die PVV-Anhänger überwiegend meinen, Geert Wilders’ wichtigste Funktion bestünde darin, die niederländische Bevölkerung und die Politiker wachzurütteln. Die anderen Parteien sollen sich im Idealfall dem Gedankengut der Rechtspopulisten annähern, um etwaige Missstände zu beseitigen. Eng damit verbunden ist der Umstand, dass die PVV nicht als ideale Partei betrachtet wird. Demzufolge sagen die Interviewten, keine exakte Umsetzung von deren Wahlprogrammen anzustreben. Bisweilen lehnen sie die politischen Pläne der PVV sogar ab. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass sich laut CBS 80 Prozent der PVV-Wähler nicht als Anhänger einer politischen Partei betrachten. Im Ganzen gesehen liegt der Fokus der PVV-Anhänger auf der expressiven Seite der Politik: Die Benennung von Problemen ist ihnen wichtiger als die Durchführung von konkreten politischen Maßnahmen.

Es ist bemerkenswert, dass die Interviewten oft negativ über Geert Wilders’ Anhängerschaft urteilen. Letztere bestünde zum Beispiel vorwiegend aus Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau. Deshalb fällt es den befragten PVV-Anhängern auch schwer, öffentlich zu ihrer politischen Gesinnung zu stehen.

Die PVV-Anhänger zeichnen sich durch ihren ausgeprägten politischen Zynismus aus. Ihr mangelndes Vertrauen in Politiker bzw. politische Institutionen ist auch der CBS-Studie zu entnehmen. Diesbezüglich unterscheiden sie sich insgesamt betrachtet jedoch abermals kaum vom Elektorat der anderen Parteien. Die PVV-Sympathisanten urteilen in der Regel lediglich schärfer.

Wilders’ Anhang kritisiert im Rahmen der Aalberts-Arbeit zudem sowohl die Undeutlichkeit als auch die mangelnde Transparenz der Politik. Die Interviewten fordern stattdessen eine Politik, die sich durch Tatkraft sowie den Fokus auf die vermeintlich wichtigen Themen auszeichnet. Ihrer Meinung nach liegt vor allem hierin Geert Wilders’ Stärke.

Bei den Themen „Islam“ und „Multikulturelle Gesellschaft“ sind die PVV-Anhänger in drei Gruppen aufzuteilen: Die erste Gruppe besteht aus Anhängern, die das Gedankengut der Partei in diesem zentralen Bereich ablehnen. Sie wählen die Rechtspopulisten auf Grund ihrer Standpunkte auf anderen Politikfeldern.

Die zweite Gruppe besteht aus Anhängern, die das Gedankengut der PVV in Bezug auf den Islam und die Multikulturelle Gesellschaft ohne Wenn und Aber teilen.

Die dritte und größte Gruppe besteht jedoch aus Anhängern, die eine nuanciertere Sichtweise an den Tag legen. Sie betonen vor allem, keine Rassisten zu sein. Allerdings sprechen sie sich entschieden für eine weitestgehende Anpassung der Allochthonen aus. Die Mitglieder der dritten Gruppe zweifeln oft, ob es opportun ist, an Letzteren Kritik zu üben. Während sie die Vorgehensweise der PVV im Allgemeinen mitunter skeptisch beäugen, sehen sie insbesondere die große Aufmerksamkeit für den Islam ebenfalls kritisch. Nichtsdestotrotz sind zahlreiche Interviewte der Meinung, dass Geert Wilders’ Hang zu Übertreibungen auf Grund gravierender Missstände bei den oben angeführten Themen notwendig sei.


[1] Aalberts, Chris: Achter de PVV. Waarom burgers op Geert Wilders stemmen, Delft 2012.

Autor: André Krause
Erstellt: September 2014