Politik - Personen A-Z



Hans van Mierlo

*Breda, 18. August 1931 - †Amsterdam, 11. März 2010 - niederländischer Politiker (D66), Mitbegründer der Democraten 66 und ehemaliger Vizepremierminister

Hans van Mierlo

Hans van Mierlo im Jahr 1982, Quelle: NA (932-1760)

Henricus Antonius Franciscus Maria Oliva van Mierlo, von seinen ehemaligen Parteikollegen „Hafmo“ genannt,  gilt als eine der markantesten Figuren der niederländischen Politik. Philosoph, Bohemien, Romantiker und begnadeter Redner – dies sind nur einige der Attribute, die verwendet werden, um den 1931 in Breda geborenen Politiker zu beschreiben. Van Mierlo wuchs in einer typisch katholischen Familie auf. Nach Abschluss des Gymnasiums „Sint Canisuis College“ in Nijmegen im Jahr 1951 nahm er 1952 das Studium des niederländischen Rechts an der Universität Nijmegen auf. Nach seiner Promotion 1960 arbeitete er als Redakteur bei der Zeitung „Algemeen Handelsblad“ – bis zum Jahr 1966.

Ab dieser Zeit der niederländischen Kulturrevolution begann Hans van Mierlo sich politisch zu engagieren. Dabei gehörte er dem Kreis der Gründungsmitglieder der linksliberalen Partei „Democraten 66“ an, die bis 1981 noch D´66 abgekürzt wurde. Nach dem Willen der Gründungsväter sollte die D66 eigentlich eine Anti-Partei werden. Ihr Hauptziel war es, mehr Demokratie zu den Bürgern zu bringen und die Versäulung der niederländischen Gesellschaft aufzubrechen. Bis heute setzt sich die Partei so beispielsweise für die Direktwahl von Bürgermeistern und des Ministerpräsidenten als Mittel direkter Demokratie ein. Zur Erreichung dieser Ziele benötigte die junge Partei ein erfolgreiches Wahlergebnis bei den Parlamentswahlen im Jahr 1967. Mit ihrem Spitzenkandidaten Hans van Mierlo gelang dies: Durch eine Wahlkampagne nach US-amerikanischem Vorbild und einer erfolgreichen PR-Strategie erlangte die neue Partei auf Anhieb sieben Sitze in der Zweiten Kammer. Van Mierlo brachte der Erfolg den Spitznamen „Nederlandse Kennedy“ ein.

Nach der erfolgreichen Wahl blieb Van Mierlo noch bis 1973 politischer Leiter der D66. Bei den Wahlen in jenem Jahr musste die Partei ihre starke Position allerdings wieder einbüßen. Dennoch war Hans van Mierlo bis 1977 Mitglied der Zweiten Kammer. Nach einer Periode ohne politisches Amt konnte der „Bonvinvant“ das Amt des Verteidigungsministers im Kabinett Van Agt-Den Uyl ergattern;  ein kurzes Intermezzo, welches nur neun Monate umfasste und von September 1981 bis November 1982 währte. Van Mierlo war zwar im Anschluss noch Mitglied der Ersten Kammer,  geriet jedoch zunehmend in die politische Vergessenheit.

Erst 1985 trat Hans van Mierlo wieder ins politische Rampenlicht der linksliberalen D66. Er übte scharfe Kritik an den bestehenden Verhältnissen: „Wir leben in einem Land von ‚so tun als ob’. Wir tun so, als ob der Sozialstaat ein stabiles Bauwerk ist, das mit Stützen und Nägeln aufrecht erhalten werden kann, und ersticken so das kreative Nachdenken über Alternativen.“ Van Mierlo wurde erneut zum Spitzenkandidaten der Linksliberalen gewählt und strebte vor allem danach, die Politik zugänglicher zu machen. Seine größte Kritik lag hier in der Selbstverständlichkeit der Machtposition der Konfessionellen. Der große Erfolg kam dann 1994, als sich die D66 als kleiner Partner an der „Paarsen Regering“ (dt. Violette Regierung) unter Wim Kok beteiligte. Die D66 erlangte 24 Sitze in der Zweiten Kammer und konnte so die Anzahl der Sitze verdoppeln. Eine Regierung ohne die Linksliberalen war faktisch nicht möglich. Van Mierlos Ziel kam in greifbare Nähe: die erste Regierung ohne die Christdemokraten vom CDA. Er selbst wurde in der Regierung aus PvdA, VVD und D66 zum Außenminister und Vizepremier ernannt.

Van Mierlo betrat die politische Bühne in einer Zeit der Revolution und vertrat sein Leben lang revolutionäre Ideen. Schon zu Beginn der 1990er Jahre, zehn Jahre vor der Zeit Pim Fortuyns, trat er für seine Überzeugung ein, dass politische Parteien sich stärker für das Individuum einsetzen müssten. Aus der aktiven Politik verabschiedete sich Van Mierlo schließlich mit 67 Jahren im Jahr 1998. Er war aber weiterhin beratend tätig – für seine Altpartei aber auch als Staatsminister. Diesen Ehrentitel, der nur in außergewöhnlichen Fällen auf Vorschlag des Ministerrats durch die Königin verliehen wird, trug der dreifache Familienvater von 1998 bis zu seinem Tod im Jahr 2010. Bis dorthin ging Hans van Mierlo einen langen Leidensweg, der zwei Jahre nach seinem Rücktritt mir einer Krebserkrankung an der Leber begann. Trotz einer Transplantation konnte die Erkrankung nie ganz überwunden werden. Am 11. März 2010 starb Hans van Mierlo an den Folgen dieser langjährigen Erkrankung.

Autorin: Agnes Sieland
Erstellt: März 2010


Links

Wichtige politische Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Protest, Entsäulung, Partizipation - die 1960er Jahre

Biographische Angaben auf der Homepage des Parlaments

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Politik finden Sie unter Bibliographie

Rogmans, Ben: Hans van Mierlo. Een Bon-vivant in de politiek. Utrecht 1991.

Vuijsje, Bert: Avonturen in besturen. Gesprekken met Hans van Mierlo, Ruud Lubbers, Hans Wiegel en vele anderen. Amsterdam 2006.


Impressum | Datenschutzhinweis | © 2018 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel: +49 251 83-28516 · Fax: +49 251 83-28520
E-Mail: