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Mark Rutte

*Den Haag, 14. Februar 1967 – niederländischer Politiker (VVD), Ministerpräsident der Niederlande seit 2010

Mark Rutte

Mark Rutte, Quelle: VVD/Nick van Ormondt

Er wohnt in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Den Haag, hat zu Hause keinen Laptop oder Computer, fährt einen gebrauchten Saab, meditiert regelmäßig, fährt jedes Jahr eine Woche mit seiner Schwester und Mutter in den Urlaub, liest gerne Bücher von Thomas Mann und fährt gerne Ski. Die Rede ist von Mark Rutte, dem Ministerpräsidenten der Niederlande. Über das Privatleben des Politikers ist nur wenig bekannt, denn Mark Rutte schweigt gemeinhin über dieses. Im Allgemeinen wird er aber als ein sehr ruhiger, unauffälliger und besonnener Mensch beschrieben. Seine Freunde sagen beispielsweise, es sei schwer, mit ihm Streit anzufangen, da sein Temperament dies einfach nicht zuließe. Seine Lehrer auf dem Gymnasium beschrieben ihn als „ruhig und fleißig“ und dennoch mischte und mischt Mark Rutte in den vordersten Reihen der niederländischen Politik mit und sorgte schon des Öfteren für – nicht nur politische – Schlagzeilen. So wird auch beispielsweise Ruttes jahrelanges Junggesellendasein in den Medien oftmals thematisiert.

Das politische Interesse des 1967 in Den Haag geborenen Mark Rutte wuchs schon früh: Bereits mit 17 Jahren trat der Sohn eines Unternehmers und einer Sekretärin der Jongeren Organisatie Vrijheid en Democratie (JOVD), der Jugendorganisation der rechtsliberalen Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD), bei. Schon damals schienen sich seine leitenden Fähigkeiten abzuzeichnen, denn von 1988 bis 1991 war er als Vorsitzender der JOVD tätig. Danach engagierte er sich bis 1997 noch in der Hauptverwaltung der VVD. Neben Mark Ruttes frühem politischem Interesse, zeichneten sich aber noch zwei weitere Leidenschaften ab: zum einem ein immenses Interesse an Geschichte und zum anderen die Leidenschaft zum Klavierspiel. In seiner Jugend träumte Mark Rutte von einer Karriere als Konzertpianist. Obwohl Mark Rutte sehr begabt ist, reichten seine Fähigkeiten zur Erfüllung dieses Traumes leider nicht aus, weshalb er sich dann doch für einen anderen Lebensweg entschied.

Nach dem Abschluss seines Geschichtsstudiums an der Universität Leiden 1992 ging Mark Rutte in die freie Wirtschaft und wurde beim niederländischen Lebensmittelkonzern Unilever tätig. Zehn Jahre lang lagen seine Hauptaufgaben vor allem im Personalmanagement des Konzerns, bis die Politik ihn 2002 dann doch wieder einholte und er mehrmals einen Posten als Staatssekretär erhielt. So wurde Mark Rutte im Jahr 2002 in den Kabinetten Balkenende I (CDA, LPF, VVD) und II (CDA, VVD, D66) jeweils zum Staatssekretär für Soziales und Arbeit ernannt. Ab 2004 wurden ihm dann der Posten als Staatssekretär für Bildung, Kultur und Wissenschaft übertragen, welchen er bis 2006 innehatte. Jenes Jahr wird dem smarten Politiker sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben, denn damals konnte sich Mark Rutte gegen seine schärfste Gegenspielerin Rita Verdonk, der ehemaligen Integrationsministerin von 2002 bis 2006, durchsetzen. Es war das erste Mal dass alle Parteimitglieder der rechtsliberalen Partei ihren Spitzenkandidaten wählen durften. Bis zu diesem Zeitpunkt war es in der VVD gebräuchlich, dass der Spitzenkandidat von der Parteiverwaltung bestimmt wurde. Dass dies sich jedoch änderte, hängt mit den schlechten Ergebnissen der VVD bei den Wahlen im Jahr 2002 zusammen. Die Partei verlor bei den Wahlen 14 Sitze (von 38 auf 24), was einen harten Schlag für die VVD bedeutete. In den darauffolgenden internen Parteidebatten und Analysen des Wahlergebnisses, kam man zu dem Schluss, dass die VVD unter der Leitung von Hans Dijkstal zu weit nach links abgerutscht wäre und damit die Nähe zu den Wählern verloren gegangen sei. Diese Kluft zwischen Wählern und Politikern erhoffte man sich durch eine engere Verbindung zwischen Politikern und Parteimitgliedern zu schließen, was zu der Einführung einer Wahl des Parteileiters und damit auch des zukünftigen Spitzenkandidaten führte. Rita Verdonk und Mark Rutte traten beide für dieses Amt an, wobei letztendlich Mark Rutte sich mit einer knappen Mehrheit von 51,5 Prozent durchsetzen konnte. Obwohl die Chancen für Rita Verdonk im Vorhinein gut standen, konnte Rutte durch seine Wortgewandtheit überzeugen – ähnlich wie auch bei den Wahlen zur Zweiten Kammer am 9. Juni 2010.

Wahlen 2010

Mit 31 von 150 Mandaten konnte Mark Ruttes VVD bei den vorgezogenen Wahlen die meisten Stimmen für sich gewinnen und nach monatelangen Koalitionsverhandlungen erstmals nach 92 Jahren wieder einen liberalen Ministerpräsidenten in den Niederlanden stellen. Die Wähler schätzten während des Wahlkampfes vor allem Ruttes Souveränität, Zielstrebigkeit und Selbstsicherheit. Auch der Respekt, den Mark Rutte gegenüber seinen Gegner zeigte, wurde von den Wählern als besonders positiv empfunden: Rutte nahm sich immer Zeit für seine Antworten, hörte seinen Gegenspielern genau zu und achtete auf seine Wortwahl.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass er in den Monaten vor der Parlamentswahl 2010 als der beliebteste Politiker der Niederlande galt. Doch so positiv das Bild von Rutte zu sein scheint, sorgen sein glattes Image, seine Unnahbarkeit und die wenigen Details, die über sein Leben bekannt sind, für viel Diskussionsstoff. Kritiker und Spötter nennen Mark Rutte auch „Mr. Tefal“, weil er nach Außen aalglatt wirkt. Zudem wird ihm die enge Zusammenarbeit mit dem rechtspopulistischen Spitzenkandidaten der PVV, Geert Wilders, zum Teil übel genommen. Auch die Tatsache, dass er seit Jahren in keiner Partnerschaft lebt, sorgt für Spekulationen und brachte ihm den Spitznamen „Extremsingle“ ein. Dabei erklärt Mark Rutte regelmäßig, dass er einfach keine Zeit für eine Beziehung habe, was bei den hochgesteckten Zielen seines Kabinetts auch nicht verwunderlich sein dürfte. Ganze 18 Millionen Euro will das Minderheitskabinett, welches sich aus der VVD und dem CDA zusammensetzt und unter Duldung der PVV regieren will, einsparen. Ob dies gelingen wird und wie lange das Kabinett letztlich halten wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass die niederländischen Bürger sicherlich gespannt sind, welche Details sie noch aus dem Leben ihres Ministerpräsidenten erfahren werden.

Rücktritt 2012

Die Koalition aus Liberalen und Christdemokraten mit Duldungspartner PVV sollte nicht einmal zwei Jahre halten. Sie zerbrach im April 2012, weil keine Einigung über nötige Spar- und Reformpläne erreicht werden konnte (NiederlandeNet berichtete). PVV-Führer Geert Wilders hatte nach wochenlangen Verhandlungen erklärt, er könne dem Sparpaket nicht zustimmen und kündigte seine Duldungspartnerschaft auf. Die Regierung trat in der Folge zurück (NiederlandeNet berichtete). Da die EU drängte, wurde dennoch ein Sparpaket verabschiedet, auf das sich die Parteien VVD, CDA, D66, GroenLinks und die ChristenUnie einigen konnten (NiederlandeNet berichtete).

Zweite Amtszeit

Bei den Neuwahlen für die Zweite Kammer am 12. September 2012 konnte Mart Ruttes VVD einen historischen Wahlsieg erringen. Mit 41 Sitzen setzte sie sich gegenüber der zweitstärksten Partei PvdA (38 Sitze) ab (NiederlandeNet berichtete). Dieses Ergebnis bescherte Rutte eine zweite Amtszeit als Ministerpräsident. Seit dem 5. November 2012 regiert das Kabinett Rutte-Asscher, eine Koalition aus VVD und PvdA (NiederlandeNet berichtete).

Autorin: Agnes Sieland
Erstellt: Oktober 2010
Aktualisiert: Oktober 2014


Links

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Weitere Informationen befinden sich im Dossier Parlamentswahlen 2010

Biographische Angaben auf der Homepage des Parlaments

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Politik finden Sie unter Bibliographie

Van der Kooij, Martijn/Van Harten, Dirk: Mark Rutte - Alleen voor de politiek, Den Haag 2010.


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