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Jan Marijnissen

*Oss, 8. Oktober 1952 - niederländischer Politiker (SP)

Jan-marijnissen

Jan Marijnissen, Quelle: SP/cc-by-nc-nd

Johannes Guillaume Christianus Andreas (Jan) Marijnissen war lange Zeit Fraktionsvorsitzender der sozialistischen SP und gewissermaßen deren Gesicht. Seit 1988 war er Parteivorsitzender und wirkte an der Entwicklung der Partei mit.

Jan Marijnissen wurde am 8. Oktober 1952 als eines von vier Kindern in Oss geboren. Da sein Vater früh starb und eines seiner Geschwister am Down-Syndrom litt, musste Marijnissen seine Familie früh finanziell unterstützen. Er verließ die HBS (Hogere Burgerschool, ähnlich dem deutschen Gymnasium) ohne Abschluss und arbeitete anschließend in einem Schlachthof, einer Eisfabrik, einer Werft und verschiedenen Metallfabriken. Trotz seiner Arbeit fand er Zeit, sich mit der Politik zu beschäftigen. Schon auf der HBS hatte er sein Interesse für Philosophie und linke Politik entdeckt und sich eingehender damit beschäftigt. Dies führte er neben seiner Arbeit fort und beteiligte sich am Aufbau der Socialistische Partij, die damals noch maoistisch geprägt war und Kommunistiese Partij Nederland/Marxisties Leninisties (KPN/ML) hieß. Dort wurde er 1971 in die Parteileitung gewählt. 1972 wurde die Partei in Socialistische Partij umbenannt. Im Jahr 1975 gelangte Marijnissen in den Gemeinderat der Stadt Oss. Er war mit 23 Jahren das bis dahin jüngste Ratsmitglied und behielt seinen Platz bis 1993. Zudem war er von 1987 bis 1989 als erster SPler Mitglied des Provinzialrats von Noord-Brabant.

1988 wurde Marijnissen Vorsitzender der SP. Ab diesem Zeitpunkt wand sich die Partei immer mehr vom maoistischen Grundton ab und zeigte sich wesentlich pragmatischer. Ideologisch blieben nur die sozialistischen Grundzüge erhalten. Schon nach dem Tod des Spitzenkandidaten Daan Monjé 1986 hatten Marijnissen und sein befreundeter Parteikollege Tiny Kox an Einfluss innerhalb der Partei gewonnen. Ab 1994 konnte Marijnissen durch seinen Einzug in die Zweite Kammer auch den Fraktionsvorsitz übernehmen. Von da an verbesserten sich die Ergebnisse der SP bei jeder Parlamentswahl weiter. Während sie 1998 fünf Sitze erreichte, steigerte sie sich 2002 auf neun und 2005 sogar auf 25 Sitze in der Zweiten Kammer. Nach den Wahlen 2003 – mit ebenfalls neun Sitzen für die SP – kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Marijnissen und dem SP-Abgeordneten Ali Lazrak. Dieser beschuldigte Marijnissen, dass er ein diktatorenartiges Auftreten hätte. Nachdem eine Schlichtung des Streits fehlgeschlagen war, verließ Lazrak die Fraktion im Februar 2004.

Marijnissen hatte oft mit seiner instabilen Gesundheit zu kämpfen. So musste er 2005 für mehrere Monate aufgrund eines Bandscheibenvorfalls aussetzen. Im Juli 2008 legte er sein Amt als Fraktionsvorsitzender aus gesundheitlichen Gründen endgültig nieder. Er blieb trotzdem bis 2012 Mitglied der Zweiten Kammer und landesweiter Parteivorsitzender. Seine Nachfolge als Fraktionsvorsitzender trat Agnes Kant an, die ihn auch schon während seiner Ausfälle vertreten hatte. Im März hatte der SP-Abgeordnete Johan van den Hout den Rücktritt Marijnissens nahegelegt. Er bemängelte, dass Marijnissen bereits zu lange Parteivorsitzender war und es nun Zeit sei, diesen Posten neu zu besetzen. Trotzdem betonte er dessen Leistungen für die Partei. Innerhalb der SP galt Marijnissen als sehr autoritär und als jemand, der keine Kritik an der eigenen Person duldete. Im Mai 2015 kündigte er an, als Parteivorsitzender der SP zurückzutreten. Dies war das letzte Amt, das er innerhalb der Partei bekleidete. Als Grund nannte er, dass die Partei gerade einen guten Stand habe und in der Ersten Kammer sogar größer sei als der Konkurrent im linken Spektrum, die sozialdemokratische PvdA. Was genau er in Zukunft tun wird, wusste Marijnissen zu diesem Zeitpunkt selbst nicht.

Insgesamt galt Jan Marijnissen als überaus charismatischer Politiker, der die politische Landschaft mit prägte. Er erhielt unter anderem den Beinamen Maorijnissen wegen seiner maoistischen Vergangenheit. Andere Namen bezogen sich oft auf seinen Geburtsort, wie etwa Orakel van Oss (dt.:Orakel von Oss) oder De Tovenaar uit Oss (dt.: Der Zauberer aus Oss). Sprachlich zeigte er sich ebenfalls sehr gewandt. „Es ist wie mit einem viereckigen Kreis, man kann es zwar sagen, aber nicht zeichnen“, sagte er beispielsweise 2006 über die beiden Konkurrenzparteien CDA und PvdA. Sein Ausdruck „sorrydemocratie“ wurde sogar 2005 in das Wörterbuch Van Dale aufgenommen. Der Begriff beschreibt den Umstand, dass Fehler durch eine einfache Entschuldigung vor der Zweiten Kammer als erledigt betrachtet werden, obwohl eigentlich ein Rücktritt der Person nötig gewesen wäre.

Autorin: Andrea Hoppe
Erstellt: Mai 2015


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