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Ruud Lubbers

*Rotterdam, 7. Mai 1939 - Politiker (KVP, CDA), Fraktionsvorsitzender und langjähriger Ministerpräsident, Hoher Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen a. D.

Ruud Lubbers

Ruud Lubbers  im Jahr 1984, Quelle: NA (932-8394)

Rudolphus Franciscus MarieLubbers wird am 7. Mai 1939 als eines von elf Kindern einer reichen Industriellenfamilie in Rotterdam geboren. Nachdem er in Nijmegen das Canisius-College besuchte, beginnt er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Niederländischen Hochschule für Wirtschaft, der heutigen Erasmus Universität zu Rotterdam, welches er im Jahre 1962 mit einer Diplomarbeit zu Währungsfragen verschiedener Länder abschließt. Lubbers strebt zunächst eine Karriere in der Wissenschaft an, welche jedoch aus familiären Gründen nicht realisiert werden kann, da er nach dem Tod des Vaters zunächst die Leitung der familieneigenen Maschinenfabrik „Hollandia BV“ übernehmen sollte. 1964 zunächst Vorsitzender des Christlichen Verbands junger Arbeitgeber sollte Lubbers in den Folgejahren den Vorsitz des Katholischen Arbeitgeberverbands Metall übernehmen. Schließlich wird er Vorstandsmitglied des Christlichen Arbeitgeberverbands. Zu seinen politischen Stationen zählen neben dem Amt des Wirtschaftsministers von Mai 1973 bis Dezember 1977 im Kabinett „Den Uyl“ ferner die Funktion des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden des christdemokratischen CDA im Kabinett Van Agt im Jahre 1977 sowie die Position des Fraktionsvorsitzenden im Jahre 1978.

Der Höhepunkt von Ruud Lubbers politischer Laufbahn ist mit der Bekleidung des Amtes des Ministerpräsidenten während dreier Kabinette beschrieben. So ist Lubbers von 1982 bis 1994 niederländischer Regierungschef und mit den Kabinetten „Lubbers I“ bis „Lubbers III“ der am längsten regierende Ministerpräsident der niederländischen Geschichte. Im Jahre 1982, der populäre CDA-Politiker Dries van Agt hatte zusammen mit dem ebenfalls populären Politiker Hans Wiegel von der VVD das politische Parkett verlassen,  bricht mit Lubbers eine so genannte „No Nonsense Politik“ an. Lubbers Politik konzentriert sich von 1982- 1986 während „Lubbers I“ zunächst auf die Gesundung der Staatsfinanzen durch Freisetzung von Einsparpotentialen während der wirtschaftlichen Depression. Hierbei kommt es zu Einschnitten in der sozialen Sicherheit, sowie zu Abstrichen bei den Beamtengehältern. Die Einschnitte betreffen ferner auch den Bildungs- und Gesundheitssektor. Lubbers ist als Premier 1982 maßgeblich an der Verabschiedung des „Akkoord van Wassenaar“ beteiligt, der Basis des berühmten niederländischen Poldermodels. In diesem Abkommen verständigen sich die sozialen Partner - unter dem Druck der Regierung - auf eine mäßigende Lohnpolitik zur Verbesserung der Konkurrenzposition und zum Abbau der Arbeitslosigkeit. Da dieses Abkommen noch heute als zentraler Grundstein des sich über die Jahre ausgebildeten niederländischen „Poldermodels“ – der konsensorientierten Kooperation zwischen den sozialen Partnern und dem Staat – angesehen werden kann, wird Lubbers auch als „Peetvader van het Poldermodel“ (Dt.: „Pate des Poldermodels“) angesehen.

Wim Kok, welcher 1994 Lubbers beerben sollte, unterzeichnet dieses Abkommen als Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes FNV. Die Staatsfinanzen gesunden langsam und die Arbeitslosigkeit, welche in den Jahren zuvor zu einer Rekordhöhe aufgelaufen war, nimmt ab. „Lubbers II“ setzt in der Zeit von 1986-1989 die eingeleitete Politik fort, wobei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit höchste Priorität beigemessen wird. „Lubbers III“ konzentriert sich in den Jahren 1989-1994 vor allem auf die Sanierung des Sozialstaats. Anfang 1993 kündigt Lubbers überraschend seinen Rücktritt als Regierungschef nach den Parlamentswahlen von 1994 an. Er strebt die Nachfolge von Jacques Delors als Vorsitzender der Europäischen Kommission sowie den Posten des Generalsekretärs der NATO an, scheitert jedoch in beiden Fällen. Daraufhin widmet er sich der Wissenschaft. Lubbers unterrichtet u. a. an der Universität Tilburg (NL) das Fach „Globalisierung und nachhaltige Entwicklung“ und besucht außerdem einige Kurse an der amerikanischen Elite-Universität Harvard. Seinem Engagement für nachhaltige Entwicklung und Ökologie gibt Lubbers darüber hinaus mit dem stellvertretenden Vorsitz der „Independent World Commission on the Oceans“ sowie ab November 1999 mit dem Amt des internatonalen Präsidenten des World Wide Fund For Nature (WWF) Gestalt. Im Oktober 2000 wird Lubbers schließlich überraschend von der UN-Vollversammlung für drei Jahre in das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars gewählt. Nachdem gegen ihn Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben werden, gibt Lubbers dieses Amt jedoch im Februar 2005 ab, woraufhin António Guterees die Nachfolge als Flüchtlingskommissar antritt. Ruud Lubbers ist seit 1962 mit Maria (Ria) E. J. Hoogeweegen verheiratet. Er hat zwei Söhne und eine Tochter. Die Familie wohnt in Rotterdam.

Autor: Boris Krause
Erstellt: November 2006


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Literatur

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Ammerlaan, R.: Afscheid van Ruud Lubbers, Baarn 1994.

Steinmetz, B.: Ruud Lubbers.Peetvader van het poldermodel, Amsterdam 2000.


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