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Jeroen Dijsselbloem

*Eindhoven, 29. März 1966 – niederländischer Politiker (PvdA)

Dijsselbloem

Jeroen Dijsselbloem, Quelle: Partij van de Arbeid/cc-by

Als studierter Agrarökonom (Wageningen und Cork) hatte Dijsselbloem ursprünglich andere Pläne mit seinem Leben, wie seine ehemalige Kommilitonin Desiree van den Boogerd gegenüber dem ARD-Hörfunkstudio in Den Haag erklärte. „Er wäre gerne Tierarzt oder so etwas geworden. Er hatte die romantische Vorstellung von einem Leben auf dem Lande, umgeben von Tieren.“ Nun ist er niederländischer Finanzminister und Chef der Eurogruppe.

Jeroen Dijsselbloem wuchs in einem katholischen Lehrerhaushalt auf. Sein Vater war Englischlehrer, seine Mutter Grundschullehrerin. Politik spielte für seine Eltern keine große Rolle. Doch Dijsselbloem glaubte an eine starke linke und soziale Partei wie die Partij van de Arbeid (PvdA) und trat dieser während seines Studiums in Wageningen bei.

Ab 1993 arbeitete Dijsselbloem für die Fraktion der PvdA in der Tweede Kamer, 1994 bis 1997 saß er außerdem für seine Partei im Wageninger Gemeinderat. Sein landwirtschaftliches Wissen setzte er ab 1996 im niederländischen Landwirtschaftsministerium ein, wo er sich zum stellvertretenden Stabschef hocharbeitete. 2000 bis 2012 war er selbst Abgeordneter in der Tweede Kamer. Hier beschäftigte er sich mit einer Vielzahl von Themen, von Verkehr und Raumordnung über Finanzen bis hin zu Integration, Jugend und Bildung. 2007 leitete er eine parlamentarische Untersuchungskommission zur Unterrichtserneuerung.

Innerhalb seiner Partei gilt Dijsselbloem eher als konservativ und gehört dem rechten Flügel der PvdA an. Dennoch ist er von der Sozialdemokratie überzeugt. 2007 wurde er allerdings als heimliches Mitglied der ChristenUnie bezeichnet, da ihn die Partei zum ‚Engel des Jahres‘ ausgerufen hatte. Er lasse sich stark von biblischen Werten und Normen leiten, so die Begründung der Partei. Und das, obwohl Dijsselbloem selbst angibt, nicht gläubig zu sein. Doch er sprach sich beispielsweise deutlich für ein Verbot gewaltverherrlichender Videospiele und gegen die „Pornographisierung“ des öffentlichen Raums aus. Politik und Moral gehören für ihn zusammen: „Die Rolle der Politik beschränkt sich nicht nur auf Gesetze und Regeln, sondern kann auch richtungsweisend sein in einer moralischen Debatte.“

Eine neue Generation in der PvdA

Anfang der 2000er Jahre wollte Dijsselbloem gemeinsam mit anderen jungen Akademikern wie dem heutigen PvdA-Chef Diederik Samsom als „roter Ingenieur“ die niederländische Sozialdemokratie erneuern. Wirklich ans Ruder kam die neue Generation allerdings erst mit dem Rücktritt Job Cohens als Fraktionsvorsitzender im Februar 2012. Dijsselbloem, der seit 2008 den stellvertretenden Fraktionsvorsitz innehatte, übernahm die Fraktionsleitung bis sein Parteifreund Samsom im März 2012 zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde. Als Samsoms Sekundant war er dann auch an den Koalitionsgesprächen nach der Wahl maßgeblich beteiligt.

Aufstieg in der EU

Seit 2012 ist Dijsselbloem niederländischer Finanzminister. Und sein Aufstieg setzte sich weiter fort. Noch keine drei Monate im Amt, wurde er zum Vorsitzenden der Eurogruppe gewählt. Dass die Wahl auf ihn fiel, hing allerdings vor allem mit dem Machtgefüge innerhalb dieser Gruppe der Finanzminister der Euroländer zusammen. Als Nachfolger von Jean-Claude Juncker kam nur ein Finanzminister in Frage, der weder aus Deutschland oder Frankreich, noch aus Luxemburg kam und dessen Land eine Topbonität vorzuweisen hatte. Das schränkte die Auswahl stark ein.

Dijsselbloem, der bis dahin in Europa relativ unbekannt war, musste nun auf internationaler Bühne in die Fußstapfen von Jean-Claude Juncker treten. Dieser war neben seinem Amt als Eurogruppen-Chef nicht nur Finanzminister, sondern auch Premierminister von Luxemburg gewesen, was ihm gegenüber anderen Staats- und Regierungschefs zum Teil eine bessere Verhandlungsposition einbrachte. Dijsselbloem musste sich in seiner neuen Position erst noch beweisen. Die Prioritäten für das neue Amt des als sparsamer Reformer geltenden Politikers lagen nach eigenen Angaben auf den zwei Pfeilern Wirtschaftswachstum und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sowie auf der Vertiefung der Währungsunion durch eine Bankenunion.

Bereits kurz nach Amtsantritt hatte Dijsselbloem sogleich mit der Zypern-Krise zu kämpfen und geriet durch missverständliche Aussagen in die Kritik. Unter seiner Führung hatten die Finanzminister der Eurogruppe beschlossen, erstmals auch Sparer ab einem Guthaben von 100.000 Euro für die Sanierung der zyprischen Banken heranzuziehen. Dieser Schritt wurde von vielen kritisiert, obwohl er selbst von der Regierung in Zypern gefordert und von allen 17 Finanzministern mitgetragen wurde. Doch Dijsselbloem als Chef der Eurogruppe musste diesen Schritt erklären und rechtfertigen. Er wurde mit der Aussage zitiert, dass auch bei künftigen Krisenfällen Bankkunden, Aktionäre und Gläubiger an der Rettung der Bank beteiligt werden könnten. Die Märkte reagierten mit sinkenden Kursen auf diese Nachricht, Experten befürchteten die Abwanderung von Vermögen ins Ausland. Dijsselbloem dementierte seine Aussage später.

Im Laufe der Zeit konnte er das Vertrauen der europäischen Partner zurückgewinnen. Nach den Europawahlen 2014 war er für einen Posten in der europäischen Kommission im Gespräch.

Dijsselbloem lebt mit seiner Partnerin und zwei Kindern in Wageningen.

Autorin: Kerstin Kontny
Erstellt: September 2014


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Van der Kooij, Martijn/Van Harten, Dirk: Mark Rutte - Alleen voor de politiek, Den Haag 2010.


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