III. „Mach. Mal. Normal – oder geh!“

Diese harte Linie hat Mark Rutte mit Sicherheit nicht nur bei seinen Stammwählern Punkte eingebracht und ihn an Geert Wilders vorbeiziehen lassen. Entscheidender für Ruttes Erfolg dürfte allerdings eine in allen großen Zeitungen des Landes erschienene ganzseitige  Anzeige mit einem großformatigen Konterfei des ernst dreinblickenden Premiers gewesen sein. Seine Botschaft lautete „Doe. Maar. Normaal!“ – „Mach. Mal. Normal! Oder geh!“ Eine keineswegs dezente, sondern sehr direkte Aufforderung, sich „normal“ zu verhalten oder das Land zu verlassen. Wem sie galt,  bedurfte keiner Erklärungen: Ausländern. Übersetzt aus dem Subtext hieß das: Wer nicht pariert, fliegt.

Der niederländische Autor Casper Thomas („De Groene Amsterdammer“) nennt Ruttes „persönlichen Brief“ an seine Landsleute „einen wahlstrategisch smarten Schachzug“. Wahlkämpfer Rutte erklärte darin auch, was normal für ihn bedeutet: Sich bei einem Treffen die Hand zu geben, sich an Verkehrsregeln zu halten und Lehrer zu respektieren. Nicht normal nach Ruttes Definition sei es hingegen, Frauen hinterher zu pfeifen oder „normale Leute“ als Rassisten zu bezeichnen. Die clevere Rutte-Kampagne  habe die Stimmung vor der Wahl weitaus stärker bestimmt als die Anti-Einwanderer- und Anti-Islam-Rhetorik von Geert Wilders. Ruttes Strategie,  zwischen den Zeilen das „betonte Festhalten an bestimmten Elementen der eigenen Kultur gegen die angebliche Bedrohung durch eine fremde Kultur zu behaupten“, sei erfolgreich gewesen.

Wahlforscher gehen davon aus, dass Ruttes Coup gezielt Wähler und Sympathisanten aus dem Wilders-Lager ansprechen wollte und dass ihm dies auch gelungen ist. Auch wenn die PVV nur Platz zwei belegte,   habe Wilders, orchestriert durch Ruttes „Normal“-Theesen,  die Wahl „geistig gewonnen“. Wilders blieb zwar weit hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Es gelang ihm aber,  20 statt zuvor 15 Sitze zu ergattern, und den Stimmenanteil seiner PVV von 10,1 auf 13,1 Prozent zu steigern, was einem Plus von drei Prozentpunkten entspricht. Mit seinem radikalen Wahlprogramm, zur „De-Islamisierung der Niederlande“,  das auf eine A 4-Seite passte und u.a. ein  Verbot aller Moscheen im Land und die Schließung aller Asylzentren enthielt, schaffte er es auf Rang zwei.

Auf den Plätzen drei bis sechs landeten der christdemokratische CDA (12,4 Prozent, 19 Sitze), die linksliberale Partei D66 (12,2 Prozent, 19 Sitze), GroenLinks (9,1 Prozent/14 Sitze) und die sozialistische SP mit ebenfalls  9,1 Prozent und 14 Sitzen. D66 und GroenLinks gehören mit Zuwächsen um 4,2 bzw. 6,8 Prozentpunkte zu den eindeutigen Wahlsiegern. ChristenUnie, Tierschutzpartei und Seniorenpartei erreichten 3,4,  3,2 und 3,1 Prozent und verzeichneten jeweils leichte Gewinne. Die erstmals angetretene Denk-Partei schaffte 2,1 Prozent und zog mit drei Abgeordneten die Tweede Kamer ein.


Autor: Harald Biskup
Erstellt: April 2018