III. Ein ungleiches Paar: Die Koalitionspartner Rutte/Samsom

ie Niederländer, aber auch viele internationale Beobachter zeigten sich überrascht, dass es den beiden künftigen Koalitionären in relativ kurzer Zeit gelang, eine Einigung zu erzielen. Das hänge nicht zuletzt mit Merkmalen zusammen, die Mark Rutte zugeschrieben werden: Der „Mann ohne Eigenschaften“ verfüge über eine große Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit. Sein Dauerlächeln dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er auch Nehmerqualitäten habe, manche attestieren ihm auch ein einen Killer-Instinkt.  Als großes Plus beim Schmieden von Koalitionen erweist sich, dass der smarte Liberale unverdächtig ist, ideologisch  zu denken. „Es ist fast unmöglich, ihn nicht zu mögen“, sagt der Kommunikationsfachmann Kay van de Linde. Zumindest oberflächlich. Durch und durch Pragmatiker, kann er mit einem linken Sozialdemokraten, vor dem er im Wahlkampf gewarnt hatte, weil ein Sieg von dessen Partei eine Gefahr darstelle, ein sehr detailliertes Regierungsprogramm erarbeiten. Nun ist der Überraschungssieger vom 12. September sein Partner. Der Mann, der in seiner Zeit beim Unilever-Konzern in einer Sparte gearbeitet hat, die für Erdnussbutter zuständig war, vereinbart ein Zweckbündnis mit Diederik Samsom, dem neuen Shooting Star der PvdA.

Der 41-Jährige hat sich vom aggressiven Heißsporn zum ruhig und besonnen auftretenden Pragmatiker gewandelt. Der Umwelt- und Energie-Experte hat unter dem Eindruck der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl Atomphysik in Delft studiert und sich später aktiv bei Greenpeace engagiert. Er bestreitet nicht, dass eine Reichensteuer eines seiner Herzensanliegen ist. Auf den ersten Blick scheint es in den Biografien von „Samsom 2.0“ und dem ersten liberalen Regierungschef nur wenige Verbindungslinien zu geben. Die beiden haben es einfach angepackt – und das Kabinett Rutte II geschmiedet, in dem Samsom allerdings kein Ministeramt anstrebte, sondern lieber Fraktionsvorsitzender der PvdA bleiben wollte. Es ist das einzige Mal seit 20 Jahren, dass eine Regierung eine gesamte Wahlperiode durchgehalten hat.


Autor: Harald Biskup
Erstellt: März 2018