I. Einführung

Die Niederländer haben vier turbulente Jahre hinter sich. Zwei politische Morde und ein politisches Erdbeben scheinen den Bürgern des Landes die Selbstgewissheit geraubt zu haben. Deshalb sahen die Niederländer zu Beginn des Jahres 2006 den Kommunalwahlen mit größerer Aufregung entgegen als das bei der Entscheidung über den neuen Beigeordneten für Grünflächen, Straßenreinigung und Sport normalerweise der Fall ist.

Die politischen Beobachter in den Den Haag, aber auch im Ausland, erwarteten nicht weniger als die Antwort auf die Frage, ob die scheinbar im Ausnahmezustand lebenden Niederländer den Weg zurück zur Normalität finden würden.

Dieses Dossier soll über die Wahl berichten und untersuchen, ob die Hoffnungen der politischen Beobachter tatsächlich erfüllt wurden. Um sich dieser Frage zu nähern, ist es zunächst notwendig, die Vorgeschichte, die dieser Wahl und dem dazu gehörigen Wahlkampf eine Sonderstellung zuweist, zu skizzieren. Über die Ergebnisse hinaus bleibt ein Blick auf das, was sich mit der Wahl geändert hat, von Interesse – tatsächlich und auf einer gefühlten Ebene, die bei der Suche nach einer gesellschaftlichen "Normalität" natürlich auch eine große Rolle spielt.

Autor: Jan Kanter
Erstellt:
März 2006