IX. Deutsche größte ausländische Wählergruppe in den Niederlanden

Deutsche, die in den Niederlanden wohnen, sind die größte Gruppe Ausländer, die an den Kommunalwahlen vom 7. März teilnehmen dürfen. 320.000 Deutsche sind stimmberechtigt. Diese Zahlen veröffentlichte das niederländische Statistikbüro (CBS). Wohlgemerkt rechnen die Statistiker großzügig, denn auch Niederländer mit deutschen Migrantenhintergrund zählen mit. „Wenn mindestens ein Elternteil im Ausland geboren ist, definieren wir das als allochtoon,“ erklärt Leen van der Hoeve vom CBS. Diese Zählweise führt zu der auf den ersten Blick erstaunlichen Zahl von 320.000 „deutschen“ Wahlberechtigten bei den niederländischen Kommunalwahlen. Davon haben rund 57.000 tatsächlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft – immer noch eine beachtliche Zahl.

Ein großer Teil der deutschen Wahlberechtigten wohnt wahrscheinlich an der deutsch-niederländischen Grenze, vor allem im Süden. Zumindest zählen die Statistiker vom CBS hier überdurchschnittlich viele „Ausländer westlicher Herkunft“. So wohnen in Vaals, Landgraaf und Kerkrade mehr als 10 Prozent westliche Ausländer, auch in Maastricht trifft das in 42 von 44 Stadtvierteln zu. Damit könnten sie durchaus zum Zünglein an der Waage werden und die Zusammensetzung der Gemeinderäte beeinflussen. Dennoch wissen Meinungsforscher wenig über diese Wählergruppe. „Das haben wir noch nie untersucht,“ sagt Marcel Maassen vom Meinungsforschungsinstitut TNS Nipo, „vielleicht, weil die Deutschen uns so ähnlich sind. Da erwartet niemand ein verändertes Wahlverhalten im Vergleich zu den Niederländern,“ vermutet er.

Keine besonderen Probleme

Auch in Maastricht erscheint in den Registern und Tabellen zur Gemeinderatswahl nirgendwo das Stichwort „Deutsch“. „Deutsche haben hier keine besonderen Probleme, wie sie bei anderen großen Migrantengruppen wie zum Beispiel Tunesiern oder Marokkanern auftauchen,“ erläutert Henk Hoogakker, Pressesprecher der Maastrichter Verwaltung. „Wir haben weder extra Listen, noch spezifische politische Maßnahmen. Deutsche assimilieren hier sehr schnell – erst recht im Grenzgebiet.“

Die Niederlande haben schon 1985 das kommunale Wahlrecht für Ausländer eingeführt. EU-Bürger und jene, die seit mindestens fünf Jahren mit einer gültigen Aufenthaltsgenehmigung in den Niederlanden leben, kommen automatisch in das Wählerverzeichnis der Gemeinde.

Insgesamt sind 11,8 Millionen Menschen aufgerufen, bei den niederländischen Kommunalwahlen zu stimmen. Die CBS-Statistiker erwarten 2,2 Millionen allochtone kiezers, also Wähler mit Migrantenhintergrund. Etwa die Hälfte davon ist westlicher Herkunft. Der Anteil aller allochtonen an der Wählerschaft liegt damit bei 18 Prozent und ist gegenüber den Wahlen von 2002 leicht gestiegen.

PvdA bei allochtonen beliebt

Besonderes Augenmerk richten Sozialforscher auf die Einwanderer nicht westlicher Herkunft. Denen aus Deutschland stammenden Einwohnern folgen die Surinamer als zweitgrößte ausländische Wählergruppe. Knapp dahinter liegen türkische Niederländer, die 220.000 Wahlbenachrichtigungen bekommen haben. Unter den nicht-westlichen-Migranten stellt eine Studie je nach Gruppe bestimmte Vorlieben für Kandidaten oder Parteien fest: Demnach hat insgesamt die PvdA die größte Gefolgschaft unter den neuen Niederländern. GroenLinks ist unter jüngeren Türken und Marokkanern stark. Antillaner und Surinamer tendieren häufiger zu den christlichen Parteien CDA und ChristenUnie. Um die Migranten-Wählergruppen zur Stimmabgabe zu motivieren, haben verschiedene Einrichtungen und Organisationen gemeinsam eine Kampagne gestartet. Unter anderem verteilen Freiwillige Flugblätter auf Märkten und klären im persönlichen Gespräch über den Sinn des Wahlrechtes auf.

Autorin: Anneke Wardenbach
Erstellt:
März 2006