Kurzbeitrag: Die niederländische Botschaft in Berlin

Das Königreich der Niederlande hat Vertretungen auf der ganzen Welt: Botschaften, Generalkonsulate, Konsulate sowie ständige Vertretungen bei internationalen Organisationen. Dieses Netzwerk von Außenposten wird vom Ministerie van Buitenlandse Zaken (Außenministerium) in Den Haag koordiniert. Diese diplomatischen Vertretungen nehmen die Interessen der Niederlande im Ausland wahr und stehen Niederländern bei, die im Ausland wohnen oder reisen, z.B. bei der Erteilung von Ausweisen und dem Leisten von Hilfe bei Problemen. So wie es sich für gute Nachbarn geziemt, arbeiten die Niederlande und Deutschland auf vielen Gebieten intensiv zusammen. Der niederländische Staat ist dementsprechend gut in Deutschland vertreten: in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München befinden sich Generalkonsulate, die sich auf regionale Aktivitäten konzentrieren. Die Botschaft in Berlin formt das Herz der niederländischen Vertretungen in Deutschland.

Die Botschaft in Berlin ist ein sogenannter bilateraler Außenposten, d.h. dass hier in erster Linie die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland gepflegt werden. In Berlin arbeiten etwa 80 Mitarbeiter unter der Leitung des Botschafters und der jeweiligen Abteilungsleiter. Die hohe Zahl der Mitarbeiter spiegelt die intensive Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland wider. Die Zusammenarbeit beschränkt sich dabei nicht auf das Gebiet der Auswärtigen Angelegenheiten. Innerhalb des Botschaftsstabes sind Vertreter der folgenden Ressorts aktiv: Landwirtschaft, Landschaftsschutz und Nahrungsmittelqualität, Verkehr und Wasserwirtschaft, Wirtschaft, Justiz, Finanzen und Verteidigung. Etwa die Hälfte des Stabes besteht aus Personal, das vom Außenministerium und anderen Ministerien entsendet wurde; die andere Hälft formt das Personal, das vor Ort eingestellt wurde. Verteilt über die verschiedenen Abteilungen beinhaltet die Arbeit der Botschaft unter anderem die folgenden Tätigkeiten: die Kontaktpflege mit deutschen Partnern im Namen der niederländischen Regierung und die Berichterstattung an Interessenverbände über alle Entwicklungen, die für die Niederlande von Bedeutung sind, das Verfolgen und Analysieren der inländischen und auswärtigen Politik von Deutschland, die Förderung von Handel mit und Investitionen in Deutschland sowie die Interessenvertretung von einzelnen Unternehmen. Darüber hinaus wird die Aufmerksamt auf die internationale Umweltpolitik und auf die Vertretung der Niederlande in einer ganzen Reihe von Gremien im Bereich der konsularischen Dienstleistungen gerichtet. Außerdem werden Kontakte mit der Presse gepflegt und man ist bestrebt, die kulturelle Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland zu fördern.

Das Gebäude

Die niederländische Botschaft in Berlin ist in einem sehr modernen Gebäude direkt an der Spree untergebracht, das zu Beginn des 21. Jahrhundert entstanden ist. Der Auftraggeber, das niederländische Außenministerium, entschied sich nach einer europaweiten Ausschreibung des Entwurfes für das Konzept des niederländischen Architekten Rem Koolhaas vom Architektenbüro Office for Metropolitan Architecture (OMA). Der Entwurf musste nicht nur den Bedingungen des Auftraggebers genügen, sondern auch den strengen städtebaulichen Regulierungen, welche die Stadt Berlin solchen Projekten auferlegt. Im Frühjahr 2000 wurde mit dem Bau begonnen, der dreieinhalb Jahre dauern sollte. Am 2. März 2004 wurde die neue Botschaft offiziell eröffnet durch Ihre Majestät Königin Beatrix, in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizäcker und den beiden Außenministern Bernard Bot und Joschka Fischer. Für den Entwurf der Botschaft erhielt Rem Koolhaas den Architekturpreis Berlin 2003 sowie den European Prize for Contemporary Architecture Mies van der Rohe Award 2005. Das transparente Gebäude soll die Niederlande als ein Land mit einer offenen und modernen Gesellschaft reflektieren. Die Berliner Bauvorschriften, die einen geschlossenen Baublock mit einer Höhe von 27 Metern vorsahen, von dem ein Teil als Wohnraum genutzt werden sollte, waren nur schwer mit den Wünschen des Auftraggebers zu vereinbaren, der ein offenes und autonomes Gebäude wollte. Rem Koolhaas hat diese gegenläufigen Forderungen in einem freistehenden Kubus mit einer Höhe von 27 Metern zusammengebracht. Um diesen Kubus herum hat er ein L-förmiges Gebäude platziert, in dem ein Teil der Installationstechnik und drei Dienstwohnungen untergebracht sind. Eine vierte Wohnung befindet sich ganz oben in dem Kubus. Faktisch wird auf diese Weise ein geschlossener Baublock mit einem Innenhof symbolisch realisiert. Das Herzstück des Gebäudes bildet die sogenannte Strecke, die sich bizarr durch das Gebäude bewegt und auf dem Dach endet. Die Strecke verbindet die Büroetagen mit den repräsentativen Räumen auf dem ‘split level’. Passanten können durch den gläsernen Giebel dem Botschaftspersonal bei der Arbeit zusehen. Anders herum sind die Passanten ein Teil der Aussicht, die das Botschaftspersonal genießen kann. Diese Wechselwirkung macht die Botschaft zum gläsernen Knotenpunkt der deutsch-niederländischen Beziehungen.

Geschichte

Die niederländische Vertretung in Berlin war bis 1940 im alten Botschaftsviertel in der Nähe des Tiergartens untergebracht. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört, aber der niederländische Staat blieb Eigentümer des Grundstücks. Ab 1951 befand sich die westdeutsche Botschaft in Bonn. Als 1973 politische Beziehungen mit der DDR aufgenommen wurden, mietete der niederländische Staat ein kleines Büro in Ost-Berlin, nur einen Steinwurf entfernt vom Brandenburger Tor. Da es unwahrscheinlich erschien, dass jemals wieder eine Botschaft in West-Berlin benötigt werden könnte, wurde das Grundstück am Tiergarten in den Achtziger Jahren verkauft. Nachdem Berlin 1991 zur Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands wurde, zog die Botschaft 1999 nach der vorübergehenden Unterbringung im IHZ (Internationales Handelszentrum) in die Friedrichstraße. Schon damals hatte die niederländische Regierung beschlossen, ein neues Botschaftsgebäude zu bauen, das in jeder Hinsicht ein Symbol für die guten Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland sein sollte. Im März 2000 wurde mit dem Bau der neuen Botschaft an der Klosterstraße 50 in Berlin Mitte begonnen. Bewusst wurde ein Standort im alten Zentrum der Stadt gewählt, an der Spree, auf der Ecke von Klosterstraße und Rolandufer mit Blick auf den historischen Binnenhafen, die stark frequentierte Mühlendammschleuse und die Friedrichsgracht, der einzigen Gracht in Berlin. Diese Gracht wurde im 17. Jahrhundert von niederländischen Ingenieuren angelegt.

Autor: Sterre Lindhout, Übersetzung: Maike Giesbert
Erstellt: Februar 2007