Frederik Hendrik von Oranien-Nassau
Frederik Hendrik von Oranien-Nassau
© Michiel Jansz van Mierevelt

Frederik Hendrik von Oranien-Nassau

*Delft, 29. Januar 1584 - Den Haag, 14. März 1647

Der Interessengegensatz zwischen den Oraniern als Kriegs- und den patrizischen Regenten als Friedenspartei setzte sich unter Maurits’ Nachfolgern im Statthalteramt, Frederik Hendrik (1625-1647) und Wilhelm II. (1647-1650) fort. Dieser Konflikt sollte zu den politischen Konstanten in der Republik der Vereinigten Niederlande bis 1795 gehören. Frederik Hendrik setzte die unter Maurits begonnene militärische Konsolidierung im Städtekampf fort, was ihm den Ruhm eines ,Stedendwinger’, eines Städtebezwingers, eintrug. Vor allem aber baute er die dynastische Vernetzung der Oranier entschlossen aus. Die Regentenoligarchie verfolgte das mit Misstrauen. Frederik Hendrik war Statthalter im ,Goldenen Zeitalter’ der Niederlande im 17. Jahrhundert. Der sich fortsetzende Krieg mit Spanien verhinderte nicht die Entfaltung des Landes zu einem intellektuellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Zentrum Europas und die Entwicklung eines enormen Handelsreichtums in den Patrizierfamilien, die wiederum als Förderer der Künste und Wissenschaften auftraten.

Geboren am 29. Januar 1584 in Delft als einziges Kind aus der Ehe Wilhelms von Oranien, des Schweigers, mit Louise de Coligny, verlor Frederik Hendrik bereits im Juli 1584 seinen Vater, der Opfer eines politischen Mordes wurde. Seine Mutter wünschte Frederik Hendriks Erziehung in Frankreich, damit waren allerdings die Generalstaaten nicht einverstanden. Frankreich und den französischen Hof lernte der in Holland und Zeeland aufwachsende Frederik Hendrik nur als Besucher kennen. Seine Studien an der jungen Universität in Leiden prägten ihn weniger als die unter der Obhut seines Halbbruders, des damaligen Statthalters Maurits, stehende militärische Schulung. Gelegenheiten zur Bewährung im Feld gab es genug, denn von einer endgültigen Behauptung der Republik gegenüber Spanien konnte um 1600 noch nicht die Rede sein. 1625 verschlechterte sich Maurits’ Gesundheitszustand. Er drängte seinen Bruder zur Heirat, um den Fortbestand der Dynastie zu gewährleisten. Am 4. April 1625 heiratete Frederik Hendrik Amalia von Solms-Braunfels (1602-1675), eine Hofdame aus dem Gefolge Friedrichs V. von der Pfalz, des Winterkönigs von Böhmen, der an den Hof nach Den Haag geflüchtet war. Am 23. April 1625 starb Maurits. Frederik Hendrik folgte ihm als Statthalter und Oberbefehlshaber nach. Auf den Verlust Bredas 1625 – Velazquez hielt das Ereignis in seinem Gemälde ,Die Übergabe von Breda’ aus dem Jahr 1634 fest – folgte eine lange Reihe erfolgreicher Operationen, u.a. Grol, 1627, Den Bosch, 1629, Maastricht, 1632, und schließlich Breda, 1637. Frederik Hendrik hinterließ nicht nur als Feldherr, sondern auch als Bauherr und Förderer der Kunst Spuren. Sein Sekretär Constantijn Huygens unterstützte ihn beim Auf- und Ausbau einer ansehnlichen Kunstsammlung. Er ließ u.a. den Binnenhof und Palais Noordeinde erweitern sowie neu bauen, u.a. Huis ten Bosch. Er stiftete ein höfisches Leben, das sich erstmals mit den großen Höfen Europas messen wollte.

Frederik Hendrik und Amalia von Solms hatten neun Kinder. Der spätere Prinz Wilhelm II. wurde 1626 geboren. Die Heiratspolitik für seine Kinder unterstrich Frederik Hendriks Ehrgeiz, das Haus Oranien-Nassau den alten europäischen Dynastien gleichzustellen. So heiratete Prinz Wilhelm die älteste Tochter des englischen Königs Karl I., Maria Stuart. Seine 1627 geborene Tochter Louise Henriette wurde mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688) verheiratet, der 1634 bis 1637 am Hof Frederik Hendriks erzogen worden war. Nach ihr wurde die Stadt Oranienburg bei Berlin benannt. 1630 setzte Frederik Hendrik die ,Acte de Survivance’ durch; sie regelte die Erblichkeit der Statthalterschaft im Haus Oranien-Nassau, stellte jedoch nur eine Etappe in der Auseinandersetzung um die Machtbalance zwischen Oraniern und Patriziern dar. 1646 unternahm Frederik Hendrik erste Verhandlungen mit Spanien zur Beendigung des Krieges. Dieses Ziel sollte 1648, nach seinem Tod, im Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück, erreicht werden.

Frederik Hendrik starb am 14. März 1647 nach längerer Krankheit in Den Haag als ein Fürst, der sein Haus entscheidende Schritte vorangebracht hatte.

Autor: Rolf-Ulrich Kunze
Erstellt: April 2007