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Halsema, Femke

* Haarlem, 25.4.1966 - niederländische Politikerin (GroenLinks)

Femke Halsema wurde am 25.4.1966 in Haarlem geboren. Ihre Mutter Olga Halsema-Fles war als Stadträtin in der Partei für die Arbeit (PvdA) in Enschede im Ressort für Soziales und Arbeit aktiv. Ihren ersten Schulabschluss (Havo-Diplom) machte Halsema am Kottenpark-Kolleg in Enschede. Für zwei Jahre nahm sie 1983/1984 an einem Traineeprogramm zur Lehrerausbildung an Waldorfschulen in Driebergen teil. In Utrecht begann sie im Anschluss Niederländisch und Geschichte fürs Lehramt zu studieren. Dieses Studium brach sie ab, um zu den Fächern Rechtssoziologie und Kriminologie zu wechseln. Zwischen 1991 und 1993 war sie Mitglied einer Arbeitsgruppe 'Polizei und Immigration' beim Innenministerium.

Nach ihrem Studienabschluss (1993) war sie bis 1997 an der Wiardi-Beckman-Stiftung, dem Wissenschaftlichen Büro der Partei für die Arbeit (PvdA) tätig. 1997 verließ Sie aus Protest die PvdA, da die Polizei ihrer Ansicht nach zu autoritär gegen Demonstranten beim europäischen Gipfeltreffen anlässlich des Vertrages von Amsterdam (Juni 1997) vorgegangen war. Der damalige sozialdemokratische Bürgermeister von Amsterdam, Schelto Patijn, hatte angeordnet energisch gegen Demonstranten vorzugehen, was zur zeitweisen Festnahme von 500 Personen führte. Halsema wechselte zur Partei GroenLinks.

Bei den Wahlen 1998 schaffte es die Partei GroenLinks den Stimmanteil von 3,5 % (1994) auf 7,3 % zu erhöhen. Damit stieg die Anzahl der Sitze in der zweiten Kammer von 7 auf 10. Bei den nächsten Wahlen konnte die Partei 2002 7,0 %, 2003 5,1 %, 2006 4,6 % und 2010 6,6 % der Stimmen auf sich vereinen.

In ihrer ersten Zeit im Parlament war sie Sprecherin der Justiz und im Ressort Innenpolitik und Immigration aktiv. Von 2002 bis 2010 hatte Halsema schließlich den Fraktionsvorsitz der Partei GroenLinks in der Zweiten Kammer inne. Die politischen Visionen von Halsema, den niederländischen Wohlfahrtsstaat durch wirtschaftspolitische Massnahmen zu reformieren, wurden wie z. B. ein verbindliches Grundeinkommen und eine Erhöhung von staatlichen Arbeitsplätzen sowie eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitswelt kontrovers diskutiert.

2011 schied sie aus dem Parlament aus. Daraufhin wurde sie freiberuflich in verschiedenen Arbeitsfeldern tätig. Unterschiedliche Verwaltungsratsmandate, u. a. für eine AIDS-Stiftung und andere karitative und soziale Organisationen zeugen vom ihrem Engagement für die Stärkung von Frauen- und Menschenrechten in den Niederlanden. Zudem publizierte sie Bücher und Aufsätze zu linksliberalen Themenkomplexen, u. a. Pluche. Politieke memoires (2016) über ihre Jahre als Mitglied der Zweiten Kammer. Im Vorfeld der Wahl 2010 erhielt sie den renommierten Thorbecke-Literaturpreis für politische Eloquenz. Der Preis ist nach dem niederländischen Staatsmann Johan Rudolphe Thorbecke (1798-1872), dem Verfasser der liberalen Verfassung des Jahres 1848 benannt. (s. a. Johann Rudolphe Thorbecke)

Am 27. Juni 2018 wurde sie zur ersten Bürgermeisterin von Amsterdam für eine Amtszeit von sechs Jahren bestimmt.
Mit ihrem Lebenspartner dem Filmemacher Robert Oey und zwei Kindern lebt Femke Halsema in Amsterdam.

Autor: Hermann Herden
Erstellt: 2019